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Der Bäckermeister geht von Bord

Zehdenick Der Bäckermeister geht von Bord

Silvester ist endgültig Schluss in der Backstube für Burkhard Krüger. Mit seinem Ausstand schließt das Traditionsgeschäft Kindler in Zehdenick nach mehr als 120 Jahren. Vorher steht für den 64-Jährigen jedoch noch die Zubereitung von 2500 Pfannkuchen an, ehe für ihn ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt.

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Zehdenicks Bäckermeister Burkhard Krüger geht in Ruhestand. Mit seinem Abschied schließt die Traditionsbäckerei Kindler.

Quelle: Uwe Halling

Zehdenick. 2500 Pfannkuchen bereitet Burkhard Krüger für den Silvestertag vor – ein letztes Mal Teig ansetzen und Marmelade verteilen. Neujahr beginnt für den 64-Jährigen und seine Familie ein neues Kapitel. Ohne Bäckerei und ohne Nachtschichten. Die Traditionsbäckerei Kindler öffnet am 31. Dezember noch einmal von 6 bis 11 Uhr und schließt dann nach mehr als 120 Jahren für immer. Über Monate hatte Burkhard Krüger nach einem Nachfolger gesucht. Es kamen Anfragen von jungen Kollegen aus Bayern, aus Baden-Württemberg und anderen Teilen des Landes. Aber alle wollten gleich das gesamte Haus kaufen, keiner wollte die Backstube mieten oder pachten. „Das kann ich sogar verstehen, aber wo sollen wir denn hin“, sagt Burkhard Krüger. Das Elternhaus seiner Frau könne er nicht verkaufen. Somit bleibt der alte Ofen kalt. Das Inventar der Backstube wird nach und nach verschwinden und wenn sich kein Nachmieter mit einer anderen Geschäftsidee findet, wird ein leeres Schaufenster in der Innenstadt dazu kommen. Ein Jammer, finden auch die Kunden, die bei Kaffee und Kuchen an den Tischen sitzen, während die Verkäuferinnen die letzten Bestellungen entgegen nehmen. Stammkunden schätzen die Auswahl an Brot und Brötchen, Kuchen und Torten. „In seiner eigenen Backstube kann man auf die Wünsche der Leute eingehen. Zum Beispiel, wenn einer sein Zwiebelbrot so oder so möchte“.

Keine einfache Umstellung auf ein Leben ohne Backstube

Die Umstellung von Berufsleben auf Ruhestand, sagt Burkhard Krüger, werde ihm am Anfang sicher etwas schwerer fallen. Sein Rhythmus war speziell. Um Mitternacht, wenn andere schlafen gehen, fing sein Tagwerk für gewöhnlich an. Ein kurzer Mittagsschlaf und abends um 20 Uhr ins Bett. „Für ein richtiges Hobby hatte ich eigentlich nie Zeit. Ich muss mir wohl eins suchen.“ Trotzdem freut sich Burkhard Krüger auf alles, was danach kommt. Neben dem regelmäßigen Nachtschlaf vielleicht auch mal ein Urlaub. Den gab es 14 Jahre lang nicht. „Wenn überhaupt, sind wir mal für ein verlängertes Wochenende weggefahren. Mehr ging eben nicht“, sagt Burkhard Krüger. Dabei war er lange Zeit ein Reisender. Vor seiner späten Lehre zum Bäcker war der gebürtige Zehdenicker fast 20 Jahre lang auf See. Bei der Handelsmarine hatte er Matrose gelernt. Und bis auf Australien und Amerika hat er so ziemlich überall schon angelegt – Japan, China, Indien. „In Zehdenick gab es damals die Ziegelei und die IKA. Beides war nichts für mich, also habe ich mich in Rostock beworben.“ Zur Seerederei wollten viele. Das Auswahlverfahren war kein Spaziergang.

Späte Meisterprüfung, aber das Handwerk im Blut

Nach der Wende ging Krüger von Bord, machte erst die Gesellen-, dann die Meisterprüfung und übernahm schließlich die Bäckerei von seinem Schwiegervater. „Der Wille war da und vielleicht auch Begabung. So ist mir das Handwerk wohl ins Blut übergegangen“, sagt er. Ob er heute noch einmal dasselbe wagen würde, weiß er nicht. Kleine Backstuben hätten es schwer gegen die große Konkurrenz und er habe vor jedem Respekt, der noch am eigenen Ofen steht, sagt Krüger. In Zehdenick ist das ohne ihn nur noch Einer. Dort wird er wohl künftig Brot und Brötchen einkaufen – auf echtes Handwerk schwört der Meister.

Von Cindy Lüderitz

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