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Oberhavel Der Froschmann
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11:06 22.10.2013
„Stillstand geht gar nicht.“ Tauchlehrer Guido Eckhardt betreibt in Oranienburg in der Nähe der Turm-Erlebniscity einen Tauchshop. Quelle: Enrico Kugler
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Guido Eckhardt schaute nach links und blickte direkt in ein Gesicht. Es war der Kopf eines Sandtigerhais, "ziemlich gefährliches Biest", nur wenige Zentimeter entfernt, wie er sich in seinem Oranienburger "Tauchparadies" erinnert.

"Haie sind keine Bestien"

Eigentlich mag der lebhafte 48-Jährige, drahtig, lässig, übersichtlicher Haarwuchs, Haie sehr gerne. Nein, sie seien keine Bestien, versichert er. Taucher hätten kaum etwas zu befürchten, Schnorchler und Surfer passen eher in ihr Beuteschema. Da sie an der Oberfläche paddeln, halten die Tiere sie oft für Robben. Aber nach einem Biss lassen sie ohnehin meist von ihren Opfern ab, erklärt er.

In den frühen 90er-Jahren hatte er das Tauchen als Hobby und Broterwerb entdeckt. Er habe auch mal einen anständigen Beruf ausgeübt, sagt der Oranienburger mit einem Augenzwinkern. Reisemobile verkaufte er damals in Birkenwerder, der Chef, selber begeisterter Taucher, hatte ihn bald mit seiner Leidenschaft angesteckt. Der Sport gefiel Guido Eckhardt so gut, dass er 1996 in der Schweiz den Tauchlehrer-Lehrgang absolvierte.

Ein Sprung ins kalte Wasser

Er kündigte, und eröffnete keine vier Wochen später einen Laden samt Tauchschule, ein paar Häuser weiter von seinem jetzigen Geschäft. Nach zwei Jahren vergrößerte er sich und zog in den markanten roten Klinker-Neubau.

"Es war ein Sprung ins kalte Wasser", sagt er. Mühsam musste er sich seinen Kundenstamm aufbauen. Heute würde er diesen Schritt nicht mehr wagen, zumindest nicht in Deutschland, wo sich das Geschäft weitgehend auf den Sommer beschränkt.

Tauchgänge in der Natur

Die Nähe zur Turm City helfe sehr, sagt er. Hier lernen die Schüler Grundkenntnisse, es folgen Tauchgänge in der Natur, unter anderem im Werbellinsee, der bis 50Meter alle möglichen Tiefen aufweist. In einem Schulungsraum hinter dem Verkaufsbereich büffeln sie Theorie.

Neoprenanzüge, Masken, Schnorchel, soweit das Auge reicht. Am Tresen lehnen drei weiße Pressluftflaschen. Hier gibt es alles, was man für den Abstecher in Neptuns Reich benötigt. Das Geschäft scheint zu laufen. Immer wieder schauen Kunden vorbei, Telefon und Handy klingeln um die Wette.

Anfangs waren es fast nur Bauarbeiter, die bei ihm in die schwarzen Taucheranzüge schlüpften. Die Baubranche boomte in den 90ern, "die haben viel Kohle verdient".

Jetzt kommen vor allem Selbstständige oder Beamte, unter anderem Anwälte und Polizisten, einige wenige aus Berlin, die meisten aus Oberhavel und Neuruppin. Sie können bei ihm aus diversen Lehrgängen wählen, das nötige Zubehör gleich mit erwerben und auch noch, im angeschlossenen kleinen Reisebüro, den Tauchtrip in die Karibik buchen.

Inzwischen dominieren die Frauen, meist zwischen 30 und 60, gut verdienend, mit beiden Beinen im Leben stehend, "erlebnisorientiert und abenteuerlustig". Nicht wenige bringen statt der Gatten ihre Töchter mit. Nanu, wo ist denn Ihr Mann, fragte er oft anfangs. Zuhause, hat keine Lust, hieß es meist. Manche Herren der Schöpfung hängen eben lieber vor dem Computer ab, sagt er.

Der Sport gelte noch immer als teuer und etwas elitär, aber das stimme nicht: "Tauchen ist viel preiswerter als Golf." Bei sachgemäßer Pflege und Wartung halte die Ausrüstung gut 15 Jahre. Leider, seufzt er grinsend, schlecht für uns Händler.

Nur Zeit koste das Hobby, viel Zeit. Tauchgang, Anfahrt, das mühselige Beladen des Autos mit der Ausrüstung, für die meisten zu viel Aufwand für das kurze Wochenende. Sie seien daher Urlaubstaucher.

"Runtergehen, nichts hören, nichts sehen"

Die zieht es vor allem zu den Riffen, zu bunten Fischen und Korallen. Guido Eckhard lässt die farbenfrohe Pracht eher kalt. "Runtergehen, nichts hören, nichts sehen", genau das will er. Ihn lockt die "pure Tiefenentspannung", das dunkle Blau, diese andere mysteriöse Welt. Genauso faszinieren ihn Steilwände.

Technisches Tauchen, mit einem Sauerstoff-Helium-Gemisch, ist sein Spezialgebiet. So kommt er tiefer, 156 Meter ist sein bisheriger Rekord. Bis 100 Meter sei alles kein Problem, ab dann werde es ihm unheimlich. Kommt da etwas von unten und greift nach mir, frage er sich dann. Das Problem sei der Kopf, man dürfe einfach nicht zu sehr grübeln.

Tatsächlich drohen ganz andere Gefahren, wie er vor Bali erleben musste. Rifftauchen, mit einem weiteren Tauchlehrer und einer 14-jährigen Kundin. Die Strömung zog sie nach unten, sie klammerten sich an den Fels. Um Auftrieb herzustellen, ließen sie Luft aus den Tauchjackets und paddelten mit den Flossen "wie wild" nach oben.

Den Tauchcomputer immer dabei

Ansonsten sei der Sport viel sicherer geworden, versichert er. Dekompressionskrankheit? Lungenriss? Kein Thema. Jeder habe nun einen Tauchcomputer dabei, der einen vor Fehlern warnt. Auch Unsportliche und selbst Übergewichtige könnten die Techniken mühelos lernen, sie müssen nur gesund sein.

In Liebenwaöde aufgewachsen

Vor der Wende hatte er "Null Affinität" zum Tauchen. Der gebürtige Stendaler wuchs in Liebenwalde auf, wo die Eltern einen HO-Laden für Baustoffhandel betrieben. Ein guter Schüler, aber auch ein kleiner Rebell, ein Dickkopf, "eben Sternzeichen Widder".

Guido Eckhardt blieb keine Nacht, floh umgehend zurück nach Liebenwalde, lernte Tischler, ließ sich dort nieder. "Haus gebaut, Baum gepflanzt, Kind gezeugt, alles mit 21", sagt er stolz. 1987 machte er seinen Meister, doch Autos verkaufen machte ihm fast noch mehr Spaß als Schreinern. Guido Eckhardt, spontan, aktiv, rastlos, mag eben Veränderungen. Das Geschäft, diverse Tauchzertifikate, für ihn alles Meilensteine, "ich muss immer ein Ziel haben". Mit der Bierflasche zu Hause vor der Glotze sitzen? Faul am Strand liegen? Ohne ihn. Guido Eckhardt: "Stillstand geht gar nicht."

www.tauchparadies-or.de

Von Fritz Hermann Köser

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