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Oberhavel Der Gasthof ist ihr zweites Zuhause
Lokales Oberhavel Der Gasthof ist ihr zweites Zuhause
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00:19 20.08.2017
Theresa und Max wollten nie den Gasthof übernehmen. Nach dem Tod ihrer Mutter leiten sie ihn nun gemeinsam und haben Spaß daran. Quelle: Enrico Kugler
Schmachtenhagen

Theresa und Max Neumann sind im Gasthof Niegisch groß geworden. „Eigentlich waren wir immer hier“, sagt Theresa. In den Hort brauchten die beiden nicht. Nach der Schule ging’s in den Gasthof, den ihre Mutter, Dolores Neumann, führte.

„Am 9. November 1990 hat ihn unsere Mutter eröffnet“, sagt der 34-jährige Max. Das Datum ist in seinem Handykalender gespeichert. Dieser Tag sollte immer gefeiert werden. „Und meine Mutter bekam jedes Mal einen Blumenstrauß.“ Der Name Niegisch stammt noch von der Großmutter. Es ist auch der Geburtsname von Max. Er weiß nur, dass der Saal 1899 bis 1901 gebaut wurde. „Das Gasthaus muss noch älter sein.“ Ganz früher war es eine Pension für Bahnangestellte. Speisen und Getränke gab es also schon immer. Später wurde ein richtiger Gasthof daraus, der zu DDR-Zeiten natürlich verstaatlicht wurde.

Donnerstags hat die Gaststube geöffnet, es gibt deutsche Küche. Quelle: Enrico Kugler

Nach der Wende interessierten sich mehrere Leute dafür. Doch Dolores Neumann, die damals schon nicht mehr Niegisch hieß, bekam den Zuschlag, zahlte die Erbengemeinschaft aus und übernahm die Gastwirtschaft, die wirklich gut lief. Dolores Neumann ließ den Saal, der früher als Turnhalle genutzt wurde, im Jahr 2000 sanieren und renovieren und war eine gefragte Adresse für Geburtstage, Hochzeiten, Silvester- und Faschingspartys, Jugendweihen und andere Feierlichkeiten. In den letzten Jahren blieb die Gaststube zu, das Geschäft lief nur noch über Veranstaltungen.

Doch dann wurde Dolores Neumann krank. Die Ärzte stellten Krebs fest. Natürlich sprang die ganze Familie ein. „Wir haben schon als Kinder immer mitgeholfen“, sagt Theresa, die jetzt 31 Jahre jung ist. Der Gasthof war schon immer ein Familienbetrieb. „Meine Mutter lag viel im Krankenhaus, aber wir konnten sie immer fragen.“ Bis zum 17. März 2016. An diesem Tag verstarb Dolores Neumann, was für alle plötzlich kam.

Theresa und Max haben zwar ihre Kindheit im Gasthof verbracht, aber übernehmen wollten sie ihn eigentlich nicht. Theresa ist Kinder- und Jugendpsychologin und arbeitet in Berlin. Max war eigentlich ständig auf Montage für eine Firma, die Kraftwerke baut. Doch nach dem Tod ihrer Mutter kam es für die beiden nicht in Frage, den Gasthof zu verpachten oder gar zu verkaufen. „Das hätten wir nicht übers Herz gebracht“, meint Theresa. Und so rückte die Familie noch näher zusammen. „Ich war damals schwanger und konnte öfter hier sein.“ Ansonsten wäre es problematisch gewesen bei ihrem Job mit einer 40-Stunden-Woche und Schichtsystem. Max arbeitet inzwischen nur noch einen Tag für seine Firma. Und die beiden tun das, was sie am besten können: „Wir kellnern und halten die Leute bei Laune.“

Die Frauen am Herd: Hannelore Lemke (l.) und Monika Lötsch kochen im Gasthof Niegisch wie früher. Jeden Donnerstag gibt es ein Hauptgericht. Quelle: Enrico Kugler

Ihre Tante hilft öfter mal aus, Freunde springen mit ein und die Cousine der beiden zählt zum kleinen Angestellten-Team und ist Mädchen für alles. Außer ihr sind Monika Lötsch und Hannelore Lemke als Köchinnen geblieben. Bei solch einer kleinen Besetzung ist es manchmal nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen, gerade, wenn mal einer ausfällt. Theresa bekommt im November ihr zweites Kind und Max wird zeitgleich zum ersten Mal Vater. Mal schauen wie es dann so läuft. „Eigentlich haben wir auch noch einige Baustellen offen“, sagt Theresa. Sie selbst baut mit ihrem Partner gerade an einem Kinderzimmer. Max ist dabei, sein Elternhaus gleich nebenan für sich herzurichten. Und auf dem Hof des Gasthofes wird gerade gepflastert. „Ach, das kriegen wir auch noch alles hin“, winkt Theresa ab.

Die Schmachtenhagener haben es den beiden jedenfalls gedankt, dass der Gasthof noch in Familienhand ist. Das kommt gut an im Dorf. „Und wir haben jeden Donnerstag die Gaststube wieder geöffnet.“ Immer ab 16 Uhr ist sie gut besucht. Es gibt nur ein Essen, echte deutsche Küche. „Wir wollten keine Experimente“, sagt Theresa. „Wir haben sogar die alten Speisekarten meiner Mutter durchgeschaut“, erzählt Max. „Wir wollen es eher klassisch, auch beim Bier.“ Heute gibt es übrigens Kassler mit Sauerkraut.

In der Gaststube ist es gemütlich wie eh und je. Auch von den Puppen ihrer Mutter sind noch etliche zu sehen. Nur eines hat sich verändert: „Wir haben die alten Schränke meiner Mutter hier aufgestellt“, sagt Theresa. Lange hat die Familie überlegt, wo sie am besten stehen könnten. „Hier in die Gaststube, da gehören sie hin.“

Von Andrea Kathert

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