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Oberhavel Der Herr der Bienen
Lokales Oberhavel Der Herr der Bienen
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18:36 13.05.2016
Imker Kunert mit einer Wabe, in der die Bienen-Larven heranwachsen. Dieses Jahr erwartet er etwa 300 Kilogramm Honig. Quelle: Fotos: Marco Paetzel
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Hennigsdorf

Oft stört Thomas Kunert seine Bienen nicht. „Pro Eingriff verliert man etwa ein Kilo Honig“, sagt der Imker. Für die MAZ macht der Hennigsdorfer eine Ausnahme und öffnet seine Bienenstöcke. Mit Rauch aus altem Weidenholz beruhigt Kunert Arbeiterinnen, Drohnen und Königin vorher, er pustet ihn mit einem Metallkännchen in den Bienenstock. Dann baut Kunert den hölzernen Kasten, der aus mehreren Ebenen besteht, auseinander. Sekunden später schwirren hunderte Bienen in der Luft, aufgeregt scheinen sie aber nicht zu sein. Dennoch zieht sich der MAZ-Reporter einen Schutzanzug über. Ab und zu krabbelt es aber mächtig an den Händen. Die sind weiter ungeschützt. „Bloß nicht zucken, dann passiert nichts“, sagt Imker Kunert. So richtig beruhigt dieser Tipp nicht, man kann schwer etwas gegen seine Reflexe tun.

Gestochen wird heute aber niemand. Selbst der Hobby-Imker hat erst vier Stiche kassiert, einmal ging es fast ins Auge. Der Stachel landete Zentimeter daneben. „Ich vermute aber, dass das eine Wespe war, die sich mit der Fluglochwache geprügelt hat.“ Er legt Wert darauf, dass seine Bienen friedfertig sind, züchtet seine Völker in diese Richtung. „Sanftmut ist eine der wichtigsten Eigenschaften.“ Zwölf Völker – jedes hat im Sommer etwa 60 000 Bienen – hat er mittlerweile, davon würde Kunert sich nur zweien nicht mit einem Schleier vor dem Gesicht nähern. Dennoch seien Bienen nachtragend, etwa wenn man Zargen fallenlässt. „Sie erkennen Gesichter und merken sich das auch.“

Der 41-Jährige kommt aus einer Imker-Familie, drei Generationen vor ihm haben gezüchtet. Seine Sommerferien verbrachte er bei seiner Oma im 1000-Seelen-Örtchen Kunrau (Sachsen-Anhalt), wo er ihre zehn Völker beobachtete. „Ich wollte immer Bienen haben, vor zwei Jahren habe ich endlich angefangen“, so Kunert. Über seinen ehemaligen Fahrschullehrer, der auch Bienen hat, kam Kunert in den Hennigsdorfer Imkerverein. Mit vier Völkern fing er an, nach dem letzten Winter hat er zwölf. Das Knowhow hat Thomas Kunert von seiner Oma, Imkern aus dem Verein und dem Netz.

Die Teile der Bienenstöcke hat der Reiseverkehrskaufmann selbst gezimmert, insgesamt investiert er etwa eine halbe Stunde in der Woche. Mehr Zeit brauchen die Tiere nicht. Im eigenen Garten stehen wegen seiner beiden Kinder keine Bienen, die Völker hat er auf fünf anderen Grundstücken in Hennigsdorf verteilt. „Das sind Leute, die mich gefragt haben, ob ich meine Bienen da hinstellen würde“, so der Imker. Als „Pacht“ bekommen die Grundstücksbesitzer ein Glas Honig im Jahr.

Es gibt aber sogar mehr Anfragen als Kunert Bienenstöcke hat. Das Interesse der Leute an der Umwelt nehme wieder zu, schlussfolgert der Imker daraus. „Es besteht wieder ein Umweltbewusstsein, gerade bei jungen Leuten.“ Seine Tochter hat kürzlich einen eigenen Bienenstock übernommen, um den sie sich selbst kümmert. „Mit dem Honig will sie sich ihr Taschengeld ein bisschen aufbessern“, so Kunert.

Ohnehin lassen sich in der Stadt besser Bienen züchten als auf dem Land. Immerhin gibt es in der Stadt immer etwas, das blüht. So haben die Bienen ständig Nahrung – anders als auf dem Land, wo etwa nur einmal im Jahr ein Rapsfeld blüht. „Und man hat auch weniger Gifte hier, weil nicht gesprüht wird“, sagt Kunert.

Die Wissenschaft wisse auch heute nicht alles über Bienen. So findet eine unbegattete Königin bei ihrem einzigen Flug die paarungsbereiten Drohnen – kilometerweit entfernt und etwa 150 Meter in der Luft. „Woher weiß diese Königin, wo die Drohnen um welche Zeit sind?“ Solche Fragen faszinieren Kunert, treiben ihn an.

Billig ist sein Hobby nicht.Tausende Euro hat er investiert. Demnächst geben ihm seine Bienen etwas zurück: 300 Kilogramm Honig erwartet er bis Mitte Juli. Etwa Neun Euro bringt das Kilo. „Damit kann ich der Familie zeigen, dass mein Hobby auch etwas bringt.“

Von Marco Paetzel

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