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Der Jäger und sein Jägerhof

Gewerbe im Mühlenbecker Land Der Jäger und sein Jägerhof

20 kleine und mittelständische Unternehmen sind in den beiden Gewerbegebieten der Gemeinde Mühlenbecker Land Am Hasensprung und Am Jägerhof ansässig. Im Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplanentwurf wurden jetzt Erweiterungsoptionen vorgestellt. Die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde 2015 und 2016: jeweils 1,5 Millionen Euro.

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Heimat für zwölf Unternehmen: Das Gewerbegebiet Am Hasensprung.

Quelle: Helge Treichel

Mühlenbecker Land. Zwei Gewerbegebiete sind für die Gemeinde Mühlenbecker Land ausgewiesen – Am Jägerhof und Am Hasensprung. Und wenn es nach dem gerade vorgestellten Entwurf des Flächennutzungsplan geht, entwickelt sich an der Kastanienallee gerade ein drittes. Drei Szenarien haben die Planer als Diskussionsgrundlage entworfen. Im Blick haben sie die Kodak-Immobilie, die Asimex-Halle sowie die noch ungenutzten Teile des Collonil-Grundstücks. Die Überlegungen umfassen sowohl Gewerbeflächen als auch „verdichtetetes“ Wohnen mit bis zu viergeschossigen Gebäuden. Rund drei Hektar umfasse das Flächenpotenzial an dieser Stelle, sagt Baufachbereichsleiter Hanns-Werner Labitzky.

Ebenso groß, drei Hektar, ist die mögliche Erweiterungsfläche Am Jägerhof. Dort wäre noch mehr Gewerbe in Richtung Hochspannungsleitung denkbar, jedoch dürfen sich Personen nicht ständig im Bereich der Stromtrasse aufhalten. Zugleich wäre eine neue Zufahrtsstraße Richtung Autobahnanschlussstelle denkbar, sagt Labitzky. Keine Erweiterung eingezeichnet sei dagegen für das von der Kommune erschlossene Gewerbegebiet Am Hasensprung, wo laut hiesiger Wirtschaftsförderungsgesellschaft Winto derzeit zwölf Unternehmen angesiedelt sind.

Hanns-Werner Labitzky mit dem Flächennutzungsplanentwurf

Hanns-Werner Labitzky mit dem Flächennutzungsplanentwurf.

Quelle: Helge Treichel

Insgesamt 152 Unternehmen sind für das Mühlenbecker Land auf der Gemeindehomepage eingetragen. Die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen für 2015 und 2016: jeweils 1,5 Millionen Euro. Während auch Ärzte und Restaurants in dieser Liste Einträge haben, fehlen jedoch sogar etliche Betriebe aus den Gewerbegebieten. Nicht aufgeführt ist zum Beispiel die Stadthaus Bauentwicklungsgesellschaft mbH. Geschäftsführerin ist Anja Michaelis.

Ihr Vater Claus Michaelis war es, der den Grundstein des Familienunternehmens Am Jägerhof gelegt hatte. Erst 1984 war er mit seinem Holzbaubetrieb von Cuxhaven nach Berlin gegangen – und hatte am Stadtrand einen Neubeginn gewagt (siehe Interview).

Ab Jahresende werden Hallenflächen frei

Während der Holzbaubetrieb 1995 an den firmeninternen Meister verkauft wurde, entwickelte sich das Vermieten und Verpachten von Immobilien zum neuen Geschäftsfeld. Fünf Hallen mit zusammen 6000 Quadratmeter Fläche gibt es in dem Gewerbegebiet Am Jägerhof, hinzu kommen 700 Quadratmeter Büros und 10.000 Quadratmeter Freifläche. Ab Jahresende stünden dort zwei Hallen (2000 und 820 Quadratmeter) zur Neuvermietung bereit, kündigt Anja Michaelis an.

Seit dem Jahr verfügt ihr Unternehmen auch über eine Gewerbe- und Bürofläche Am Hasensprung. Vier Jahre später kam ein zweites Objekt hinzu – in beiden Fällen aus Zwangsversteigerungen.

Umzug von Bernau nach Mühlenbeck

Welches Potenzial Mühlenbeck bietet, zeigt dieses Beispiel: Seit erst einem knappen Jahr ist die MRA GmbH & Co. KG Am Hasensprung ansässig. Der Betrieb mit rund 115 Mitarbeitern, der nach einer günstigen Kauf-Offerte aus Bernau hergezogen war, ist ein im gesamten Bundesgebiet tätiges Bauunternehmen für Rohrleitungs- und Anlagenbau.

Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Lederpflegemittelherstellers Collonil überschnitten sich Anfang September 2014 in Mühlenbeck: Das Traditionsunternehmen eröffnete sein hochmodernes Logistikzentrum am historischen Firmenstandort. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Collonil enteignet worden. Auf der Mitte der 1990er-Jahre rückübertragenen Fläche investierte die Salzenbrodt GmbH & Co. KG Berlin rund fünf Millionen Euro. Auf dem 35.000 Quadratmeter großen Gelände entstanden Lagerhallen und Büros. Ein dort zunächst geplantes Wohnungsbauprojekt war wieder verworfen worden.

„Ein exzellenter Standort“

Mit seinem Holzbaubetrieb legte Claus Michaelis Anfang der 1990er-Jahre den Grundstein für das Gewerbegebiet Am Jägerhof. Inzwischen sind dort acht kleine und mittelständischen Unternehmen angesiedelt.

Wie begann diese Entwicklung?

Claus Michaelis: Meine Firma war in Spandau ansässig, wo Räume gepachtet waren. Hauptauftraggeber war die Messegesellschaft, für die wir Stände für die Grüne Woche herrichteten. Da das Objekt zu eng war und meine Tochter studierte, wollte ich meine Zelte abbrechen. Am einfachsten liefen die Verhandlungen im Landkreis Oberhavel. Auf dem Gelände einer ehemaligen LPG Am Jägerhof in Mühlenbeck haben wir die Gebäude peu à peu hergerichtet beziehungsweise abgerissen. Dabei hatte ich ausschließlich meinen Betrieb im Blick, für den auch der Bau eines hochmodernen Sägewerkes geplant war. Wir haben eine Halle errichtet und angepachtet und gemerkt: Das Konzept trägt gut.

Was passierte mit den Wohnungen auf dem Gelände?

Michaelis: Die Wohnhäuser haben wir auch saniert, zum Teil mit hauseigenen Methoden wie man an der Holzfassade erkennen kann. Als Jäger war für mich auch die mit dem Objekt verbundene kleine Jagd ein Anreiz, nach Mühlenbeck zu kommen. Das habe ich jetzt 24 Jahre lang gemacht. Es endet aber am 31. März, da ich mit 75 Jahren nun zu alt dafür bin.

Haben Sie es bereut, damals in den Wilden Osten gekommen zu sein?

Michaelis: Nein, denn ein bisschen Abenteuerlust war auch dabei. Da ich ursprünglich aus Cuxhaven stamme, ist auch die waldreiche Landschaft hier für mich ein wahres Eldorado.

Wie schätzen Sie die Perspektive Am Jägerhof ein?

Michaelis: Es gab immer mal ein Auf und Ab, aber ich bin optimistisch. Wir werden uns weiter engagieren und das eher noch ausweiten. Das ist ein exzellenter Standort mit direkter Berlinnähe und Anbindung an die Autobahn. Das ist genau das, was in unserer Branche zählt.

Von Helge Treichel

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