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Der Kanal ist voll

Regenwasserproblem in Liebenwalde Der Kanal ist voll

Wenn es in Liebenwalde stark regnet, ist das kurze Zeit später im Klärwerk zu spüren. Die Pumpen springen ständig an, die Anlage gerät an ihr Limit. Dabei sollte Regenwasser eigentlich nicht in den Schmutzwasserkanal gelangen. Doch einige Anlieger entwässern ganz bewusst ihre Grundstücke auf diese illegale Weise. Der Zweckverband zieht jetzt seine Konsequenzen daraus,

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So sieht es am Freitag in der Straße Häuser am See aus. Selbst wenn das Regenwasser von der Fahrbahn noch nicht in die Gullys läuft, elf Fremdeinleiter sorgen dafür, dass der Kanal voll wird.

Quelle: Robert Roeske

Liebenwalde. Den ganzen Freitagvormittag prasselt der Regen unerbittlich auf die Straßen und Dächer von Liebenwalde. An solchen Tagen wird es eng auf der Kläranlage. Der Starkregen ist deutlich zu spüren. „Jetzt kommt es massiv hier an“, sagt der technische Leiter Wolfhard Raasch kurz vor Mittag. Die Pumpen springen viel häufiger an, als gewöhnlich. „Grade haben wir 150 Liter pro Sekunde“, sieht Raasch auf seinem Bildschirm. Das sind 540 Kubikmeter pro Stunde. „Sonst haben wir durchschnittlich 1700 Kubikmeter pro Tag.“ Dabei dürfte Regenwasser eigentlich keine Rolle für das Klärwerk spielen, dort soll nur das Schmutzwasser aus den Haushalten ankommen.

Doch inzwischen wundert sich der technische Leiter beim Trink- und Abwasserzweckverband (TAV) nicht mehr über diese Spitzen bei Starkregen. Auch er als alter Hase im Zweckverband musste sich vor Kurzem noch mal überraschen lassen. Was er da in der Straße Häuser am See erlebte, war auch für ihn ziemlich neu. Der Ursprung ist, dass der TAV plant, im Frühjahr 2017 den Schmutzwasserkanal in der Straße Häuser am See zu sanieren. Allerdings nur in dem u-förmigen Abschnitt, wo die Straße noch nicht ausgebaut ist und bisher nur Betonplatten verlegt sind.

Der Abwasserkanal stammt abschnittsweise noch aus DDR-Zeiten, ein Teil war 1995/96 erneuert worden. Um genau zu sehen, wo die schadhaften Stellen sind, wurde der Kanal ausgenebelt. Dort, wo die Leitungen undicht sind, tritt der Nebel aus den Gullydeckeln – ein übliches Verfahren.

„Mein Kollege war selbst erschrocken“, schildert Raasch. Erst sah er den Nebel aus einer Dachrinne eines Einfamilienhauses qualmen. „Und dann wurden es immer mehr.“ Nach intensiver Prüfung stellte sich heraus, bei elf Häusern qualmte es aus den Dachrinnen. Dies ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass das Regenwasser von den Dachflächen über die Fallrohre in den Schmutzwasserkanal unter der Straße eingeleitet wird.

„Das ist natürlich nicht zulässig“, sagt TAV-Geschäftsführerin Jana Trampe. Die Grundstückseigentümer sind verpflichtet, ihr Regenwasser auf ihrem Grundstück versickern zu lassen. „Im Schmutzwasserkanal hat das nichts zu suchen“, sagt Raasch mit Nachdruck. Denn auf diese Weise kommen im Klärwerk in Liebenwalde bei Starkregen riesige Mengen Schmutzwasser an. So wie es am Freitag geschieht.

Und genauso passierte es auch vor zwei Jahren. Am 11. Juni 2014 gingen 42 Liter Regen pro Quadratmeter runter, und zwar innerhalb von weniger als 30 Minuten. Die Kläranlage geriet besorgniserregend an ihre Grenzen. Für derartige Spitzen ist sie nicht ausgelegt. „Große Regenwassermassen können wir nicht mehr fassen“, sagt Raasch. Nachdem auch Teile von Zühlsdorf mit ans Netz gegangen sind, ist das auf der Anlage deutlich zu spüren. „Die Beckenbelüftung reicht für die großen Mengen bald nicht mehr aus“, sagt der technische Leiter. Außerdem wird Sand eingetragen oder Laub, die Rohre setzen sich zu.

Der TAV weiß, dass das Klärwerk langsam an seine Kapazitätsgrenzen kommt. Deshalb ließ der Verband vom Ingenieurbüro Friedrich aus Schwerin eine Zukunftsstudie erarbeiten. Die brachte zu Tage, dass zum Glück keine zweite Entsorgungsstraße im Klärwerk gebaut werden muss. Eine Verbesserung der Belüftung des Klärbeckens würde ausreichen. Doch bis dafür eine technische Lösung zum Einsatz kommt, dürfte noch etwas Zeit vergeben. Deshalb könne die Klärwerker im Moment eines so gar nicht gebrauchen: zusätzlich illegal eingeleitetes Regenwasser. Und eines gibt Geschäftsführerin Jana Trampe auch noch zu bedenken. Die Zeche für die Fremdeinleiter zahlen alle. Denn durch das illegal eingeleitete Regenwasser schnellen die Kosten in die Höhe, gerade der Strom unter anderem für die Pumpen nimmt einen großen Posten ein. Deshalb versteht der TAV in diesem Punkt keinen Spaß. „Wir haben jetzt den Fremdeinleitern einen Brief zukommen lassen und sie über ihre Ordnungswidrigkeit informiert“, sagt Jana Trampe. Spätestens bis zum 25. Juni müssen die Regeneinläufe vom Schmutzwasserschacht getrennt sein, heißt es darin. Die ersten Grundstückseigentümer haben sich bereits zurückgemeldet.

Der Zweckverband wird in Zukunft noch mehr Kontrolle durchführen, um Fremdeinleiter zu finden und dadurch Kosten sparen zu können.

Die Kapazitäten des Klärwerks

Das Klärwerk Liebenwalde ist konzipiert für 14 000 Einwohnergleichwerte, im Moment verkraftet die Anlage 17 000 Einwohnergleichwerte. Durchschnittlich kommen täglich 1700 Kubikmeter Schmutzwasser an. Um Spitzen abzufangen, muss die Belüftung des Klärbeckens optimiert werden.

Illegal eingeleitetes Regenwasser verschlimmert die Situation. Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Deshalb wird der Verband die verantwortlichen Grundstücksbesitzer zur Verantwortung ziehen. Werden die Regeneinläufe nicht zurückgebaut, müssen sie mit einem Bußgeld rechnen.

In der Straße Häuser am See werden ab Mitte März 2017 insgesamt 350 Meter Schmutzwasserkanal saniert. Ende August ist alles fertig. Angewendet wird ein Inliner-Verfahren, die Anlieger bekommen von den Bauarbeiten gar nichts mit. Betroffen sind „Häuser am See“ Nummer 5 bis 27.

Von Andrea Kathert

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