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Der Kiezbus soll ab 2017 fahren

Glienicke Der Kiezbus soll ab 2017 fahren

Hoffnung für die staugeplagten Glienicker: Ab spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 soll für mindestens zwei Jahre im Probebetrieb ein Kiezbus zum S-Bahnhof Frohnau fahren – und das sogar kostenlos für alle Fahrgäste. Die Gemeinde will rund 500 000 Euro investieren.

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Die OVG ist der Wunschpartner für den Kiezbus, auch mit Blick auf einen späteren Regelbetrieb.

Quelle: Archiv/Uwe Halling

Glienicke. Hoffnung für die staugeplagten Glienicker: Ab spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 soll für mindestens zwei Jahre im Probebetrieb ein Kiezbus zum S-Bahnhof Frohnau fahren – und das sogar kostenlos für alle Fahrgäste. Mit großer Mehrheit haben sich die Mitglieder des Infrastrukturausschusses der Gemeinde für den diesbezüglichen Antrag der Fraktionsgemeinschaft FDP/CDU und der GBL ausgesprochen. Die erforderlichen Mittel von insgesamt rund einer halben Million Euro stellt die Gemeinde in den Haushalt ein.

„Glienicke macht damit einen ersten großen Schritt zur Verbesserung der Nahverkehrsanbindung der Gemeinde“, sagt FDP-Gemeindevertreter und Ideengeber Jörg Rathmer. Der Berufsverkehr im Ort und in den angrenzenden Berliner Stadtteilen Hermsdorf und Frohnau werde dadurch voraussichtlich ebenfalls zurückgehen, schätzt der Kommunalpolitiker, der als Vorsitzender des örtlichen Ausschusses für Planen/Bauen und Umwelt fungiert.

Die geplante Route des Kiezbusses (Stand

Die geplante Route des Kiezbusses (Stand: September 2016).

Quelle: Privat

Zum Hintergrund: Die meisten Glienicker pendeln täglich zu ihrem Arbeitsplatz beziehungsweise ihrer Ausbildungsstätte nach Berlin und zurück. Dabei nutzen sie vorwiegend den eigenen Pkw – meist zu den S-Bahnhöfen Hermsdorf oder Frohnau. Oft wird auch direkt bis zum Arbeitsplatz in Berlin gefahren. Grund hierfür ist die derzeit insbesondere außerhalb der Hauptverkehrszeiten mangelhafte Anbindung des Ortes an den Nahverkehr. Für viele Glienicker sind die außerhalb der Kernzeiten oft nur im Stundentakt verkehrenden Buslinien 107 und 809 keine Alternative zur Nutzung des eigenen Pkw. Busnutzer stehen außerdem auf dem Weg zum S-Bahnhof Hermsdorf und zurück regelmäßig auf der völlig überlasteten B 96 im Stau. Auch im Ort selbst führt der zunehmende Autoverkehr zu einer immer stärkeren Lärmbelastung. Der Busverkehr soll helfen, diese Probleme lösen, so Rathmer: „Der Kiezbus fährt direkt nach Frohnau, um die staugeplagte B 96 zu umgehen. Damit bietet er Anschlusssicherheit an die S-Bahn.“ Er fahre zudem als Ringbus rund um den Sonnengarten, dem Ortsteil mit der höchsten Einwohnerdichte Gleinickes. Dadurch sei er für 60 bis 70 Prozent der Einwohner mit einer Wegezeit von maximal fünf Gehminuten erreichbar. „Und weil er gratis ist, wird er auch gut ausgelastet sein“, ist sich Rathmer sicher.

Viele Glienicker können sich damit zukünftig auch die Mehrkosten von über 200 Euro pro Jahr für das Monatsticket im Tarifgebiet C sparen. „Es gibt jetzt praktisch keinen vernünftigen Grund mehr, mit dem Auto zu den S-Bahnhöfen Hermsdorf oder Frohnau zu fahren. Manch einer wird sich überlegen, ob er wirklich noch einen Zweitwagen braucht“, sagt Bürgermeister und FDP-Ortsvorsitzender Hans Günther Oberlack. Als Verwaltungschef hat er allerdings auch die Tücken des Projekts im Blick: „Wie die Einbindung eines solchen Angebots in den Rahmen des Verkehrsverbundes passt, muss noch geklärt werden“.

Die aktuelle Diskussion geht aus einem Auftrag der Gemeindevertretung vom April dieses Jahres zurück. Die Verwaltung sollte prüfen, ob ein Kiezbus allgemein möglich ist und zusätzlich dessen Einbindung in die Tarifbereiche AB. Eine brandenburgische Kommune im Umland gehört jedoch per Definition zum Tarifbereich C. Und daran soll auch nicht gerüttelt werden, machten die Berliner Verantwortlichen deutlich. Es soll kein Präzedenzfall geschaffen werden, schätzt Bürgermeister Oberlack: „Das würde Schockwellen auslösen“, sagt er mit Blick auf den Großstadtflughafen BER.

Dass der Kiezbus für die Fahrgäste kostenfrei sein soll, resultiert aus der Diskussion im Ausschuss – und einer einfachen Logik: Für die Gemeinde macht es preislich keinen Unterschied, da die Abrechnung des Fahrpreises sehr teuer ist, erläutert der Bürgermeister. Die Gemeinde könne sich einen solchen Testlauf leisten, weil in seiner Amtszeit ausreichende Rücklagen gebildet wurden. Zudem könnten jährlich 40 000 Euro eingespart werden, die derzeit in die Taktverdichtung investiert werden (Linie 806). Oberlack: „Wenn wir ernsthaft wollen, dass die Leute weniger Auto fahren, muss man den ÖPNV oder die Entwicklung des Fahrradverkehrs fördern.“

Auch die Nachbarn in Hermsdorf und Frohnau können sich über die Glienicker Initiative freuen, sagt der Bürgermeister. „Wir gehen davon aus, dass sich die Parkplatzsituation dort durch den Kiezbus deutlich entspannen wird.“ Und die Geschäfte rund um die Plätze in Frohnau bekämen neue Kunden aus Glienicke praktisch „frei Haus“ mit den blauen Bussen der OVG geliefert. Die Details der neuen Buslinie würden in den nächsten Monaten noch festgelegt, so Oberlack.

Im Bus nach Berlin

Die Buslinie 809 verbindet derzeit Hennigsdorf über Stolpe, Hohen Neuendorf, Bergfelde und Schönfließ mit Glienicke und den S-Bahnhof Hermsdorf.

 Der Takt entspreche nicht der hohen Bevölkerungsdichte im Ort, kritisieren die Glienicker und zahlen bereits für eine Taktverdichtung (Linie 806).

Von Helge Treichel

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