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Der Kinderboom und seine Folgen

Oranienburg Der Kinderboom und seine Folgen

Oranienburg braucht dringend mehr Plätze in Kitas und Schulen. Und es bleibt kaum noch Zeit, die Stadt muss ganz schnell reagieren. Wahrscheinlich müssen in den nächsten Jahren bis zu 35 Millionen Euro investiert werden. Sechs Projekte gibt es jetzt, die schon sehr konkret sind. Wir stellen sie im Einzelnen vor.

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Die Kinder der Kita „Friedrich Fröbel“ haben gut lachen.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Oranienburg braucht mehr Plätze in den Kitas und Schulen der Stadt. Und das möglichst bald. „Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ist immer schwerer zu bedienen“, so die zuständige Amtsleiterin Anke Michelczak. Alle Kitas stoßen an ihre Auslastungsgrenze. Aktuell zählt Oranienburg 44 933 Einwohner. Allein von 2012 bis 2016 sind 2567 dazu gekommen – ein Anstieg der Einwohnerzahl um acht Prozent. In den fünf Jahren zuvor waren es nur 627 (zwei Prozent). „Es sind vor allem Familien mit einem oder zwei Kindern. Viele Berliner klopfen jetzt schon bei uns an, weil sie bis 2018 hier ein Haus bauen.“ Und der Boom hält an.

Durchschnittlich gehen bei der Stadt im Jahr 400 Bauanträge ein. Schon jetzt gibt es ein statistisches Defizit bei den Kitaplätzen von 152, das noch ausgeglichen werden könne, so die Amtsleiterin. Trotz nagelneuer Comeniusschule gibt es auch für eine weitere Grundschule dringenden Handlungsbedarf in der Innenstadt. „Es fehlen derzeit Räume für drei Klassenzüge und bald schon weitere zwei“, beschreibt Anke Michelczak die Dramatik.

Am 12. Dezember 2016 hatten die Stadtverordneten den Plan für die „Soziale Infrastruktur Kitas und Schulen 2017 bis 2023“ beschlossen. Der beinhaltet die Bauprojekte, die schnell die kritische Lage entspannen helfen sollen. Ende letzten Jahres hatte der Bürgermeister die Planungsbüros in die Spur geschickt. Konkrete Kostenschätzungen und Entwürfe trafen seit Januar ein, die jüngsten erst vergangenen Freitag, so Baustadtrat Frank Oltersdorf. Es geht zunächst um sechs Vorhaben: einen Erweiterungsbau für die Havelschule, um diese für eine begrenzte Zeit von zwei Jahren fünfzügig fahren zu können, die Erweiterung der Grundschule Lehnitz, den Neubau der Schule in Friedrichsthal. Und bei den Kitas: Neubau der „Bäkestrolche“ Schmachtenhagen, Erweiterung der Kita Sachsenhausen und Neubau einer Kita an der Speyerer Straße. Bei allen Vorhaben ist die Stadt auf Fördermittel angewiesen.

Bisher waren für diese Projekte rund 22 Millionen Euro an Kosten hochgerechnet: Nach den nun vorliegenden Machbarkeitsstudien der Planer „ergeben sich Mehrkosten von 13 Millionen Euro“, so Oltersdorf. Das erfordere einen Nachtragshaushalt 2017, der im Mai im Hauptausschuss vorliegen und anschließend von den Stadtverordneten beschlossen werden sollte, um die Planungen nicht zu verzögern, appellierte er am Mittwochabend im Bildungsausschuss.

Fröbelkita ist ein Sanierungsfall

Der gab dem konkretisierten Infrastrukturmaßnahmeplan eine einstimmige Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung am 29. Mai. Der Ausschuss diskutierte zuvor jedoch mehrere Änderungsanträge, die die Fraktionen eigentlich noch ins „Gesamtpaket“ eingearbeitet wissen wollten. So möchte die SPD die alte Comeniusschule doch zur Parkkita umgebaut wissen, um sie als Ausweichquartier bei der Sanierung von Fröbelkita, Kita Lehnitz und Am Schlosspark zu nutzen. Noch einmal rund eine Million Euro in das dem Abriss geweihten Haus zu stecken, lehnen andere ab.

Eines steht fest

Eines steht fest: Die Kita „Friedrich Fröbel“ in der Kitzbüheler Straße ist ein dringender „Sanierungsfall“. Einen neue Idee ist, einen Kitaneubau mit 150 Plätzen neben den alten zu setzen, in den Garten der jetzigen Kita. Der Neubau könnte als Ausweichquartier für die zu sanierenden Kitas Lehnitz und „Am Schlosspark“ dienen, bevor die Fröbel-Kinder einziehen. Wird dabei der Spielplatz zu klein für die vielen Kinder? Sollte nicht doch die alte Kita eher saniert werden? Wie es weitergeht im Hause Fröbel, das wird erst in der nächsten Beratungsrunde der Ausschüsse im Juni beraten.

Quelle: Enrico Kugler

Der gemeinsame Antrag von Linken, CDU, Grünen und FWO ging dahin, umgehend neben der alten eine neue Fröbelkita mit 150 Plätzen zu bauen und als Übergangskita zu nutzen. Zudem soll die Stadt eine neue Kita in der Weißen Stadt auf ihrer „Vorratsfläche“ Julius-Leber-Straße bauen und eine dreizügige Grundschule in der Innenstadt sofort in Angriff nehmen. „Das sind logische Folgen aus dem, was wir bisher schon vorhaben“, begründet Enrico Rossius.

„Da kommen schnell noch mal 20 bis 25 Millionen Euro dazu. Das überfordert den Nachtragsetat“, warnte Kämmerin Grit Oltersdorf. Beide Themen zu „entkoppeln“, jetzt die angeplanten sechs Bauvorhaben schnell voranzubringen und die darüber hinaus gehenden Ideen in den Haushalt 2018 einzutakten, bat der Baustadtrat. Nach einer Sitzungsauszeit der Fraktionen der Kompromiss: Alle Anträge in der nächsten Beratungsrunde ab Juni eingehend zu beraten. Eine Sondersitzung von Bau- und Bildungsausschuss ist deshalb am 2. Mai nicht erforderlich.

Hier die sechs Projekte, für die bereits Machbarstudien und erste Entwürfe vorliegen:

Die neue Kita Bäkestrolche entsteht auf dem Schulhof

Ab Sommer 2019 werden in Schmachtenhagen 125 Kitaplätze gebraucht, die in einem Neubau auf dem Schulgelände entstehen sollen. Bei den „Bäkestrolchen“ gibt es derzeit 70 Plätze.

Das Heizhaus und der Schornstein werden abgerissen

Das Heizhaus und der Schornstein werden abgerissen.

Quelle: Robert Roeske

Eine Erweiterung der alten Kita am Anger wurde nicht empfohlen. Am neuen Standort auf dem Schulhof entstehen kurze Wege für die Kinder und Synergien für Schule, Hort und Kita. Und die Kita wäre wesentlich ruhiger gelegen als derzeit am Anger. Außerdem würde für die Hortkinder die Überquerung der viel befahrenen Ortsdurchfahrt entfallen. Auf dem jetzigen Schulgelände werden für den Neubau das ehemalige Heizhaus mit Schornstein und eine Sammelgrube abgerissen. Im August 2019 könnte der zweigeschossige, kompakte Kita-Neubau in Betrieb gehen. Zwischenlösungen sind nicht erforderlich. Die Baukosten belaufen sich auf circa 3,4 Millionen Euro, zuzüglich Ausstattung für 150 000 Euro und jährlichen Bewirtschaftungskosten von 181 000 Euro.

Eine neue Kita für die Mittelstadt an der Speyerer Straße

Ein Kita-Neubau bietet sich besonders für die Mittelstadt an. In zentraler innerstädtischer Lage soll an der Speyerer Straße ein zweigeschossiger Bau für 150 Kinder auf einem Grundstück von 4100 Quadratmetern errichtet werden. Dabei entstehen 120 Kindergarten- und 30 Krippenplätze. Der Baukörper ist sehr schlicht gehalten, mit klaren Linien. Die Bauvoranfrage soll noch in dieser Woche gestellt werden. Baubeginn könnte im April 2019 sein, so dass die Kita im August 2020 bezogen wird.

Hinter dem altersgerechten Wohnen liegtdie Freifläche

Hinter dem altersgerechten Wohnen liegtdie Freifläche.

Quelle: Robert Roeske

Eine gewerbliche Küche für täglich 750 bis 1000 Essensportionen wird vom Planungsbüro nicht empfohlen und äußerst kritisch gesehen. Eine solche Nutzung wird an dem Standort als unverträglich gesehen.

Die Kosten für den Neubau werden auf 4,1 Millionen Euro geschätzt, für die Ausstattung liegen sie bei 200 000 Euro. Hinzu kämen jedes Jahr 171 000 Euro Bewirtschaftungskosten. Zusätzliche Kosten könnten noch durch Straßenbau entstehen.

Die Kita Sachsenhausen bekommt einen Anbau

Die Kita Sachsenhausen soll auf dem jetzigen Grundstück erweitert werden und später 125 Kindern Platz bieten. Im Moment können 59 Kinder betreut werden. In der ersten Bauphase soll ein neuer Seitenflügel angebaut werden. Das eingeschossige Gebäude hat hintereinander angeordnete giebelständige Satteldächer.

Die Kita „Kleine Strolche“ bekommt einen Seitenflügel

Die Kita „Kleine Strolche“ bekommt einen Seitenflügel.

Quelle: Robert Roeske

Die Dachform soll die vorhandene Kleinsiedlungsstruktur im Ortskern von Sachsenhausen aufnehmen. Der Neubau beherbergt sechs Gruppenräume mit Sanitärräumen, Essenausgabe und Bewegungsbereichen. Bis zur Fertigstellung des Neubaus im Februar 2020 bleiben die Kinder in der jetzigen Kita, die dann anschließend umgebaut wird und ab Mai 2021 wieder mit genutzt wird. Die Baukosten insgesamt werden auf 3,4 Millionen Euro geschätzt (Neubau: 2,65 Millionen Euro, Umbau Altbau: 760 000 Euro). Die Kosten für die Ausstattung dürften bei 150 000 Euro liegen. Hinzu kommen jährliche Bewirtschaftungskosten von 185 000 Euro.

Die Havelschule wird fünfzügig und bekommt einen Neubau dazu

Die Havelschule an der Albert-Buchmann-Straße ist eine vierzügige, offene Ganztagsschule mit Hort – ein klassischer DDR-Bau vom Typ Erfurt mit Sporthalle. Die Schule ist derzeit für 605 Schüler, davon 334 Hortkinder von fünf bis zwölf Jahren ausgelegt. Im Hortflügel befindet sich das Creativzentrum.

Auf dem Nachbargrundstück entsteht anstelle des Flachbaus ein zusätzlicher Neubau für die Schule

Auf dem Nachbargrundstück entsteht anstelle des Flachbaus ein zusätzlicher Neubau für die Schule.

Quelle: Robert Roeske

2009 bekam die Schule einen orangefarbenen Anbau für eine Aula. Mit der Erweiterung sollen 750 Kinder, davon 420 Hortkinder, Platz haben. Die Schulfläche wird um das Nachbargrundstück erweitert. Da der lange leerstehende Flachbau nicht aufgestockt werden kann, soll ein zweigeschossiger Neubau errichtet werden. Ab dem Schuljahr 2018/19 wird die Havelschule langsam auf fünfzügig erweitert. Der fünfte Zug muss vorerst im Schulgebäude untergebracht werden, da der Neubau nicht vor 2020/21 in Betrieb gehen kann. Die Gesamtbaukosten werden auf 4,44 Millionen Euro geschätzt, die Bewirtschaftungskosten auf jährlich rund 736 000 Euro. 

Friedrichsthal bekommt eine neue Schule

Zum Schuljahr 2021/22 soll Friedrichsthal eine neue zweizügige Grundschule mit Hort, Aula sowie Sport- und Spielanlagen auf dem Gelände des jetzigen Sportplatzes bekommen. Die Schule bietet Platz für 336 Schüler in zwölf Klassen und 95 Hortkinder. In der jetzigen Kita würde der Hortbereich frei werden.

Auf dem jetzigen Trainingsplatz soll die neue Grundschule gebaut werden

Auf dem jetzigen Trainingsplatz soll die neue Grundschule gebaut werden.

Quelle: Robert Roeske

Für die Grundschule werden bis 2021 circa 154 Schüler aus Friedrichsthal und Malz prognostiziert. Somit blieben Reserven für Schüler aus Sachsenhausen. Die Sporthalle wird in das Konzept integriert, ein weiterer Sozialtrakt und eine Teilsanierung sind geplant. Ein separater Küchenstandort für 750 Essen ist berücksichtigt worden. Der vorhandene Fußballrasenplatz und das Vereinshaus bleiben erhalten. Die Gesamtbaukosten für Neubau, Sporthallenerweiterung und Außenanlagen werden auf 10,95 Millionen Euro geschätzt, zuzüglich 650 000 Euro für Ausstattung und zuzüglich von jährlichen Bewirtschaftungskosten von 400 000 Euro.

Die Lehnitzer Schule bekommt einen Anbau

Die einzügige Grundschule (163 Schüler) mit Hort soll im laufenden Betrieb auf zwei Züge für dann 336 Schüler und circa 97 Hortkinder durch einen Anbau erweitert werden. Der Erweiterungsbau mit Aula ist ein kompakter, zweigeschossiger Baukörper, der quer zum Bestandsgebäude am rechten Giebel der Schule entsteht. Er soll 2020/21 in Betrieb gehen.

Am rechten Giebel der Schule wird der Erweiterungsbau entstehen

Am rechten Giebel der Schule wird der Erweiterungsbau entstehen.

Quelle: Robert Roeske

Danach wird der Altbau saniert. Ab 2022 läuft die Schule dauerhaft zweizügig, mit einer optionalen Erweiterung auf 2,5 Züge. Da bis zum Jahr 2026 Schülerzahlen von bis zu 358 Kindern prognostiziert werden, wurde eine Dreizügigkeit geprüft. Diese Erweiterung ist wegen der bestehenden Gebäude nicht sinnvoll. Eine Küche für zwei weitere Standorte und 750 Essen wird im Gebäude auch nicht empfohlen. Es müsste ein Standort in der Nähe gefunden werden. Die Gesamtbaukosten werden auf 6,6 Millionen Euro geschätzt, zuzüglich 550 000 Euro Ausstattung und jährlichen Bewirtschaftungskosten von 335 000 Euro.

Soweit zu den sechs Projekten, die in städtischer Regie laufen.

Aber nicht alle neuen Kapazitäten an Kita-Plätzen werden in den nächsten Jahren im Auftrag der Stadt entstehen. In Germendorf baut die Johanniter Unfallhilfe eine neue Kita „Pusteblume“ mit 150 Plätzen. Die Planungen sind weit vorangeschritten. In der zweiten Maihälfte sollen die Bauarbeiten am Dorfanger beginnen. An der Rungestraße möchte die Hofbauer gGmbH eine neue Kita „Kleine Fische“ bauen. Das Vorhaben gestaltet sich baurechtlich und wegen Bodenbelastungen als schwierig und wird zeitnah nicht zu realiseren sein. Davon hängt allerdings die Erweiterung der Kita „Butzelhausen“ in der Innsbrucker Straße von 40 auf 80 Plätze ab. Die „Kleinen Fische“ müssen erst aus der Innsbrucker Straße 19 ausgezogen sein.

Von Andrea Kathert und Heike Bergt

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