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Der Klimaschutzmanager

Birkenwerder Der Klimaschutzmanager

Gunnar Thöle ist seit gut vier Monaten Klimaschutzmanager in der Gemeinde Birkenwerder – und erklärt anschaulich, worum es eigentlich geht. Dazu nutzt er eine Kiste voller Anschauungsmaterial.

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Klimaschutzmanager Gunnar Thöle mit einem zukunftsträchtigen Dämmstoff: Seegras. Es isoliert gut und brennt nicht.

Quelle: Foto: Helge Treichel

Birkenwerder. Gunnar Thöle hat einen Pappkarton in seinem Büro im Rathaus: Dort greift er immer hinein, wenn er jedem, der es hören möchte, die Welt erklärt. Es geht dabei um unseren Energieverbrauch, fossile Brennstoffe und darum, dass jeder einzelne von uns ohne Einschränkungen etwas für den Erhalt der Umwelt tun kann. Denn eine wesentliche Aufgabe des Klimaschutzmanagers ist die Beratung. Und je anschaulicher er das tut, desto wirkungsvoller.

In seiner Kiste hat der 39-Jährige zum Beispiel handelsübliche Luftballons. Wenn nur einer mit Kohlendioxid gefüllt würde, entspräche das 4,6 Gramm dieses Treibhausgases. Diese Menge entsteht bereits, wenn ein Durchschnittsauto nur 30 Meter weit fährt. Man kann sich ziemlich gut vorstellen, wie schnell alles verstopft wäre, wenn jedes Auto alle 30 Meter einen aufgeblasenen Luftballon verlieren würde.

Am Anfang war das Klimaschutzkonzept

Die Basis für seine Arbeit ist das Integrierte Klimaschutzkonzept der Gemeinde Birkenwerder, das bereits im Jahr 2013 formuliert worden war. Darin sind alle klimaschädlichen Faktoren im Ort aufgeführt – und Maßnahmen dagegen. Ziel ist es deshalb, den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 37 Prozent zu reduzieren.

Pro Jahr werden laut Konzept allein in Birkenwerder rund 3,44 Millionen Liter Diesel und 2,5 Millionen Liter Benzin verbraucht (Bilanzjahr 2011). Für die Flugreisen der gut 8000 Einwohner kommen 840 000 Liter Kerosin hinzu. Dafür fließen jedes Jahr rund 3,3 Millionen Euro für Benzin und knapp vier Millionen Euro für Diesel aus den Portemonnaies allein in Birkenwerder an die Erdölexporteure und den Finanzminister. Zum Spritverbrauch kommen dann noch jeden Winter rund 2,73 Millionen Liter Heizöl und 6,43 Millionen Liter Erdgas.

Der Boddensee als Rechenbeispiel

Der Klimaschutzmanager zieht auch den Boddensee für seine Überzeugungsarbeit heran. Das Gewässer ist durchschnittlich 2,5 Meter tief und rund 40 000 Quadratmeter groß. Damit enthält es 100 000 Kubikmeter Flüssigkeit, was 100 Millionen Litern entspricht. Ein ganzer Boddensee voller Erdgas und Heizöl würde folglich noch nicht einmal für zehn Winter reichen. Rechnet man den Sprit dazu, hätten die Einwohner von Birkenwerder den Boddensee voller fossiler Brennstoffe nach gut sechs Jahren leer gemacht und als CO 2 in die Luft geblasen.

Gunnar Thöle ist von Hause Maschinenbauingenieur und Schlosser, wobei er früher mit Kraftwerkstechnik zu tun hatte. Er wuchs an der Nordseeküste auf und managte zuerst das Klima in Husum. Als er im vergangenen November zum ersten Mal nach Birkenwerder kam – zum Bewerbungsgespräch – verliebte er sich sofort in den grünen Ort. Und sofort hat er ein anderes Rechenbeispiel parat: Obwohl die Gemeinde zu 50 Prozent von Wald bedeckt ist, würden nur 1,1 Prozent des örtlichen Kohlendioxid-Ausstoßes dauerhaft gebunden. Wieder so eine Zahl, die zu denken gibt.

Beratung zu Energieeinsparung und Elektromobilität

Deshalb berät der Klimaschutzmanager zum Thema Gebäudedämmung und wirbt für Elektromobilität. In seinem Kalender rot angestrichen ist der 17. Juni, der Tag des Birkenfestes. Die Roadshow Elektromobilität und der Verein e/motion expo sind vor dem Rathaus jeweils mit einem Stand vertreten. Voraussichtlich sechs Elektroautos werden ausgestellt sein, einige sogar als Testfahrzeug zum Ausprobieren. Ein BMW i3 ist ebenso darunter wie ein Toyota Mirai, die erste mit Wasserstoff betriebene Limousine in Groß-Serie. Beginn ist um 13 Uhr. Während der Eröffnung wird werbewirksam ein „Starterset Elektromobilität“ übergeben – Informationsmaterial zum Thema.

Zum ersten Mal will sich Birkenwerder in diesem Jahr vom 26. Juni bis 16. Juli an der bundesweiten Aktion „Stadtradeln“ beteiligen. Dabei radeln mehrere Kommunen um die Wette. Ziel der Kampagne ist es, die Einwohner zur Nutzung des Fahrrades im Alltag zu motivieren. Interessenten können sich via Internet anmelden oder bei Gunnar Thöle anrufen (03303/29 01 38). Der Klimaschutzmanager hat zudem dienstags von 16 bis 18 Uhr Sprechstunde. Gern greift er dabei in seine Kiste mit Anschauungsmaterial. „Ich probiere alle meine Tipps selbst aus“, sagt er.

Von Helge Treichel

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