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Der Klimawandel setzt den Gewässern zu

Oranienburg Der Klimawandel setzt den Gewässern zu

Der Stintgraben zum Lehnitzsee ist seit vier Monaten ausgetrocknet. Und das passiert seit einigen Jahren, mit zunehmender Tendenz. Auch im Schlosspark ist die grüne Pracht nicht so einfach zu erhalten. Bei extremer Hitze und langen Trockenperioden reicht die Wasserzufuhr aus dem Oranienburger Kanal nicht mehr aus. Es ist Zeit, zu handeln.

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Stefan Kaden und Birgit Kodian von der Lokalen Agenda, Sabine Granda für die TKO und Thomas Schlegel von den Stadtwerken (v. r.) wollen auf den Klimawandel reagieren

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Wer mit offenen Augen durch Oranienburg läuft, dem wird in diesem Sommer nicht entgangen sein, wie die Blätter an den Bäumen verbrannten, wie Früchte von der starken Sonneneinstrahlung braune Flecken bekamen und manche Grünflächen aussahen, als hätte man Heu angebaut. Es war einfach zu lange zu trocken.

Um so mehr wurde deutlich, dass die Gewässer von Oranienburg die wichtigste Ressource sind, die der Stadt zur Verfügung steht. Denn auch Oranienburg hat längst den Klimawandel zu spüren bekommen. Wie also soll man mit dieser so wichtigen Ressource umgehen? Eine Frage, der sich eine Initiative widmen will, die den Namen trägt „Forum Oranienburger Wasser im Klimawandel _ Anpassungsstrategien“, kurz Fowaks genannt. Viel kann man sich darunter noch nicht vorstellen. Doch die Beteiligten brachten am Mittwoch im Wasserwerk Licht ins Dunkle. Die Lokale Agenda 21 möchte ein Forum für Akteure schaffen, die die Gewässer von Oranienburg nutzen. Sie sollen sensibilisiert werden, wie mit den Folgen des Klimawandels umgegangen werden kann, was jetzt zu tun ist, um vorausschauend darauf zu reagieren. Denn eines steht fest. Mit extremer Hitze, Starkregen, Hochwasser und langen Trockenperioden werden wir es immer mehr zu tun bekommen. Mit vier konkreten Beispielen wollen die vier Projektpartner Lösungswege suchen und aufzeigen.

Was ist Fowaks?

Die Initiative „Forum Oranienburger Wasser im Klimawandel _ Anpassungsstrategien“, kurz Fowaks, möchte ein Kooperationsforum für den nachhaltigen Erhalt und die Entwicklung der Oranienburger Gewässer im Klimawandel schaffen. Initiator des Forums ist die Lokale Agenda 21.

Verantwortlich ist ein Konsortium bestehend aus dem Institut für angewandte Gewässerökologie, der TKO, den Stadtwerken und der Lokalen Agenda. Am 24. November findet um 15 Uhr im Schloss (Haus 1, Raum 1.201) ein Initialforum statt, zu der Interessierte ihr Wissen einbringen können.

Beispiel Schlosspark. Noch hat es die TKO als Betreiber in diesem Jahr geschafft, den Rasen grün zu halten und die Blumen in voller Pracht blühen zu lassen. Aber zu welchem Preis? „600 bis 1000 Kubikmeter Wasser haben wir in diesem Sommer täglich gebraucht“, sagt TKO-Chef Jürgen Höhn. Bewässert wird der Park aus dem Schlossgraben. Und der wiederum speist sich aus dem Oranienburger Kanal. Doch in diesem Jahr musste sogar zusätzlich Wasser aus der Havel gepumpt und ein Tiefbrunnen angezapft werden. „Der Park ist schon in Stress geraten“, sagt Sabine Granda, die für die TKO in dem Projekt mitarbeitet. Der Park sei mit dem Klimawandel konfrontiert worden. Künftig müsse man sich genau überlegen, welche Pflanzen mit welchem Wasserbedarf in Frage kämen. meint Sabine Granda, die selbst Gärtnerin ist. Dickblattpflanzen wären eine Alternative. Jürgen Höhn muss dabei auch im Blick haben, dass der Park für Besucher attraktiv bleibt. Gerade in diesem Jahr wird mit 130 000 ein neuer Besucherrekord zu verzeichnen sein. Als der Schlosspark für die Laga 2009 angelegt worden war, hatten die Planer noch nicht an sparsame Nutzung des Wassers gedacht. „Wir werden auch unsere Bewässerungstechnik gezielter einsetzen müssen“, meint Höhn. Das Wassermanagement im Schlosspark unter klimatischen Veränderungen nachhaltig gestalten, ist das Teilprojekt der TKO.

Eigentlich sollte hier das Wasser in Richtung Lehnitzsee fließen

Eigentlich sollte hier das Wasser in Richtung Lehnitzsee fließen. Doch der Stintgraben ist seit Juni ausgetrocknet.

Quelle: Kathert

Sichtbar wird der Klimawandel auch am Stintgraben, der eigentlich den Lehnitzsee speisen soll. „Seit Juni steht er trocken“, sagt Stefan Kaden von der Lokalen Agenda. Das sind jetzt vier Monate. 2015 war das Flussbett drei Monate verödet. Das Jahr davor zwei Monate. Der Bäke geht es nicht viel anders. Früher sind die Schmachtenhagener darauf noch Boot gefahren. Die Gewässer von Oranienburg werden aus den Seitenkanälen gespeist. Wenn die weniger Wasser bringen, hat das Auswirkungen auch auf den Lehnitzsee.

Der Stintgraben

Der Stintgraben verbindet den Grabowsee mit dem Lehnitzsee. Die Seen liegen in einer ehemaligen Schmelzwasserrinne, die sich unter dem Eis der Eiszeit gebildet hatte.

Seinen Namen hat der Stintgraben nach den früher dort leben Fischen, die aus dem Grabowsee abwärts wanderten, um zu laichen. Heute gibt es diese Fische nicht mehr.

Wenn man an der Mündung des Stintgrabens steht, kann man bis zu einer Entfernung von etwa 25 Metern den Schwemmkegel im See erkennen.

 

Die Oranienburger sind außerdem abhängig, wie viel Wasser aus Mecklenburg zur Verfügung gestellt wird. In trockenen Sommern machen die Mecklenburger natürlich auch ihre Schotten dicht. Auf dem Weg nach Oranienburg brauchen dann auch noch die Landwirte einiges für ihre Felder. Selbst für die Berufsschifffahrt wird nun mal viel Wasser gebraucht – allein für eine Schleusung. Man wird sich die Frage stellen müssen, ob nicht Rückschleusungen oder Sparschleusen eine Alternative wären. Die Lokale Agenda wird sich in einem Teilprojekt damit befassen, wie die Wassermenge der Oranienburger Gewässer zu steuern ist.

Die Havel bekommt aus den Mecklenburger Seen schon lange kein Wasser mehr. Bleibt die Frage, ob die zehn Havelaltarme wieder revitalisiert werden können, damit sie mehr Wasser führen. Drei der Altarme sollen innerhalb des Teilprojektes, dem sich das Institut für Gewässerökologie widmet, näher untersucht werden, unter anderem der am alten Getreidespeicher.

Womit die Oranienburger künftig noch sorgsamer umgehen müssen, ist das Niederschlagswasser. So viel wie möglich muss versickern und wieder ins Grundwasser gelangen. Mit dieser Aufgabe befassen sich die Stadtwerke.

Von Andrea Kathert

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