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Der Kreis übt sich als Waldbesitzer

Oberhavel Der Kreis übt sich als Waldbesitzer

1262 Hektar Wald sind wahrscheinlich keine reisige Größenordnung für eine Waldbewirtschaftung. Doch der Kreis steckt auch erst in den Kinderschuhen, was die Forstwirtschaft betrifft. Einnahmen gibt es in diesem Jahr deshalb noch keine. Erst 2017 sollen dank der Holzverkäufe 10 000 Euro nach Abzug der Ausgaben für den Wegebau übrig bleiben.

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Die Kiefernbestände sollen nicht noch vergrößert werden, mehr Mischwald ist geplant.

Quelle: Robert Roeske

Oberhavel. Die Kreisverwaltung Oberhavel hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt. Wald zu besitzen, kann nicht verkehrt sein. „Wir haben erhebliche Waldflächen erworben“, leitete Baudezernent Egmont Hamelow seinen Bericht im jüngsten Landwirtschaftsausschuss des Kreises ein. Die Mitglieder hatten gebeten, regelmäßig von der Entwicklung zu erfahren.

Nun, das forstwirtschaftliche Engagement des Kreises steckt offenbar noch in den Kinderschuhen. Und in der Tat, um riesige Wälder handelt es sich nicht. Insgesamt ist die Rede von 1262 Hektar, verteilt auf fünf Reviere und weitere Splitterflächen. Eine standortgerechte und ordnungsgemäße Forstwirtschaft wolle man betreiben, so Hamelow. Die Waldbewirtschaftungsplanung, die er vorstellte, enthielt viele Zahlen, von denen die wichtigsten im neben stehenden Infokasten zusammengefasst sind. Was aber deutlich wurde: Der Kreis hat nur ein größeres, zusammenhängendes Waldgebiet erworben, und das liegt in der Schleuener Heide bei Neuendorf und misst 622 Hektar. Die anderen fünf Waldflächen sind zum großen Teil ehemalige, militärisch genutzte Areale, auf denen Munitionssuchen stattfinden mussten, oder die bis heute belastet sind. Das hat beispielsweise Auswirkungen beim Holzverkauf. Kein Sägewerk möchte Stämme schneiden, in denen Munitionssplitter stecken und hochwertige Maschinen beschädigen könnten.

Der Kreis möchte seine Waldbewirtschaftung behutsam angehen. Eingeteilt in Pflegeblöcke sollen etwa 200 Hektar pro Jahr bewirtschaftet werden. „Nicht mehr als 50 Prozent des Zuwachses wird rausgeholt“, stellte Hamelow klar. Dabei laufen Ernte und Pflege immer parallel ab.

Große Gewinne sind bisher noch nicht zu erwarten. Die Einnahmen für 2016 belaufen sich auf 20 000 Euro. Auf der Ausgabenseite stehen allerdings 25 000  Euro für dieses Jahr. Ein wenig besser sieht es 2017 aus. Durch den Stock- und Brennholzverkauf sollen 90 000 Euro eingenommen werden. Für Wegebau und Pflege stehen Ausgaben von 80 000 Euro an. Also: 10 000 Euro Plus in 2017.

Der Kreis Oberhavel ist Waldbesitzer

Im Eigentum des Landkreises sind momentan folgende Waldflächen:

Schleuener Heide bei Neuendorf mit 622 Hektar (ha),

Kannenburg bei Bredereiche mit 304 ha,

Burgwall mit 143 ha,

Lychen II (nahe Kannenburg) mit 98 ha,

Drögen mit 46,

Splitterflächen mit 49 ha.

Insgesamt bewirtschaftet der Landkreis 1262 Hektar Wald.

Die Flächen wurden in gleichgroße Pflegeblöcke eingeteilt, um langfristig eine gleichmäßige Bewirtschaftung zu ermöglich. Im nächsten Jahr betrifft das 45 Ha in Drögen und 158 ha in Kannenburg. 2018 ist die Pflege auf 200 ha in der Schleuener Heide vorgesehen.

Geplant sind für 2016 Einnahmen von 20 000 Euro. Auf der Ausgabenseite stehen allerdings 25 000  Euro.

Für etliche Flächen kann der Kreis auf Jagdpächter zurück greifen, die längerfristig gebunden werden konnten. Die Einnahmen aus den Jagdpachten beliefen sich auf etwa 15 000 Euro, war zu hören.

Siegfried Mattner (Die Linke) gab zu bedenken, dass der Klimawandel schon jetzt in den Wäldern berücksichtigt werden müsste. Die Waldbrände hätten zugenommen. Wie sei der Wald dauerhaft zu schützen, war seine Frage. „Wir haben bereits Katastrophenschutzwege angelegt“, konnte Egmont Hamelow antworten.

Olaf Schüler (CDU) gab zu bedenken, dass der hiesige Boden einen Umbau zu Mischwald, wie angedacht, gar nicht hergebe. Welches Ziel würde der Kreis mit der Waldumwandlung verfolgen? „Einen Kiefernzuwachs wird es nicht geben“, stellte Hamelow klar. Dies wäre eine Monokultur, die Schädlinge und Brände begünstige. Fazit: der Kreis setzt auf mehr Mischwald und weniger Kiefern.

Es tauchte auch die Frage auf, nach welchem Standard gewirtschaftet werden soll. Mit Bernd Schulze sitzt ein sachkundiger Einwohner im Ausschuss, der selbst aus der Forstwirtschaft kommt. „Die Nachfrage nach zertifiziertem Holz steigt immer mehr“, wusste Schulze zu berichten. Die öffentliche Hand verwende nur noch solche Hölzer, zum Beispiel für Spielplätze. Außerdem sei die Nachfrage nach Kiefer sehr hoch, mehr als nach Laubholz. „Man müsste schauen, was braucht der Markt und was kommt als Naturverjüngung durch. „Mit der Zertifizierung können wir uns im Moment noch nicht beschäftigen“, sagte Egmont Hamelow. Zunächst müssten alle Flächen gestaltet werden. Vielleicht sei die Zertifizierung in zwei, drei Jahren ein Thema. „Aber Förster denken immer in Dekaden.“

Von Andrea Kathert

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