Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Der Meister der Tischler
Lokales Oberhavel Der Meister der Tischler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:16 27.07.2018
Tischlermeister Erik Brandenburg in seiner Nassenheider Firma. Quelle: Helge Treichel
Nassenheide

Wer von Oranienburg nach Nassenheide hineinkommt, findet linker Hand den Tischlereibetrieb von Erik Brandenburg. Das große Logo an der Werkstatt ziert ein stilisiertes E und B. Das ist ebenso sorgsam gestaltet wie das gesamte Gelände: Pflanzen im Kiesbett, Findlinge, die Skulptur eines riesigen Hobels. Ein Mähroboter dreht auf dem erstklassig gepflegten Rasen seine Runden...

Ordentlich und bis ins i-Tüpfelchen durchdacht wirkt auch das Büro des 27-jährigen Jungunternehmers und Existenzgründers. Die Möbel sind an den Raum angepasst. Die zahlreichen Aktenordner stehen in Reih und Glied und haben alle die gleiche Farbe. Der einzige Bruch: das farbige Laufgitter direkt am Schreibtisch. 2017 hat Erik Brandenburg nicht nur seinen eigenen Betrieb eröffnet, sondern auch eine Familie gegründet. Sohn Leonard ist fast 14 Monate alt.

Dass die Kinder mit in die Firma genommen werden, hat gewissermaßen Familientradition. Auch Klein-Erik durfte oft spielerisch im väterlichen Betrieb „mitarbeiten“. Den Baubetrieb hatte der Papa 1996 gegründet. „Dadurch habe ich von Anfang an mitbekommen, was Selbstständigkeit bedeutet“, sagt Brandenburg: „Viel Arbeit, wenig Freizeit.“

Früh stand für den Jungunternehmer die berufliche Zielrichtung Handwerk fest. Doch Maurern fiel für ihn flach, weil Kalk, Zement und Mörtel seiner Haut zusetzten. Erik Brandenburg entschied sich für Holz als Alternative. 2005/06 absolvierte er ein Praktikum in der Tischlerei Giese in Liebenwalde. Im Jahr darauf begann er dort seine Lehre. „Eine gute Ausbildung“, sagt Brandenburg. Das Gelernte stellte er als Geselle bei den Landesmeisterschaften des Tischlerhandwerks eindrucksvoll unter Beweis. Erster Platz! Damit war er für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert – und holte 2010 den Titel. Bei der Weltmeisterschaft 2011 in London wurde er sechster.

Die Erfolge brachten internationale Kontakte und Einblicke und halfen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Es gab ein Stipendium von 6000 Euro für die Meisterausbildung, immerhin ein gutes Drittel der Gesamtkosten. 2012 und 2013 drückte Erik Brandenburg insgesamt zehn Monate lang die Schulbank in Dresden und Groß Kreutz – in Vollzeit. Er wollte sich voll auf die Meisterschule konzentrieren. „Zum Beruf nebenher hätte das bestimmt drei, vier Jahre gedauert“, sagt er. Der Nachteil: Kein Verdienst.

Im Anschluss machte Erik Brandenburg noch einmal bei der Tischler-WM in Deutschland mit – nicht als Teilnehmer (diese Qualifikation ist nur direkt nach der Lehre und im Alter bis zu 22 Jahren möglich), sondern als Helfer. Ihm liegt am Herzen, das Handwerk sowie diese Art des schöpferischen Wettstreits voranzubringen. Jedoch sei das Medieninteresse in Leipzig gering geblieben, resümiert er ein wenig enttäuscht. Überregional wurde lediglich in der Pro-Sieben-Sendung „Galileo“ ausführlicher berichtet. Aber da sei die WM längst vorbei gewesen. Der junge Tischlermeister berichtet deshalb seit einiger Zeit an Berufsschulen davon, „wo man mit dem Handwerk hinkommen kann“.

2015 meldete Erik Brandenburg sein Gewerbe an und begann mit dem Aufbau seiner Firma. Dass das zwei Jahre dauerte, ist auch dem großen Anteil an Eigenleistungen geschuldet. Auf dem leeren Grundstück neben der Straßenmeisterei gab es damals weder Wasser noch Strom.

Inzwischen brummt das Geschäft. Fünf Mitarbeiter sind eingestellt Die vor einigen Monaten neu angeschaffte CNC-Maschine zum automatisierten Herstellen von Möbelteilen ist gut ausgelastet. Für einen Großauftrag sollen knapp 500 Waschtische produziert und aufgestellt werden. Ein weiterer umfasst die Kompletteinrichtung für mehr als 40 Apartments. „Für dieses Jahr sind wir ausgebucht“, sagt Brandenburg. Lediglich kleinere Aufträge und Reparaturen sind noch drin. Dafür ist Brandenburg ständig über sein Mobiltelefon erreichbar. Der Klingelton: „Holz“ von den 257ers.

„Ich bin happy, dass meine Pläne aufgegangen sind und die am Reißbrett entworfene Halle alltagstauglich ist“, sagt Erik Brandenburg. Die Kunden sind eine bunte Mischung aus Privaten und Architekten. „Wir sind im sehr hochwertigen Segment unterwegs“, so der Firmenchef.

Die Familie ist für Erik Brandenburg „so ein bisschen mein Ruhepol“. Er genießt es, Zeit mit seinem kleinen Knirps zu verbringen – und als Chef auch mal früher gehen zu können, wenn es nötig ist. Gern werkelt er aber auch bis spät abends in der Werkstatt, um neue Ideen und Entwürfe umzusetzen und neben dem Unternehmerdasein sein Handwerk zu pflegen. Sein Credo: „Wer sein Hobby zum Beruf macht, muss keinen Tag in seinem Leben mehr arbeiten.“ Und an die Stelle des früher betriebenen Motocross sind gemeinsame Unternehmungen mit der Familie getreten.

Erik Brandenburg hatte konkrete Vorstellungen, was er wann im Leben geschafft haben wollte. Was die Familie und die Firma anbelangt, ist er bereits am Ziel – deutlich vor seinem 30. Geburtstag.

Von Helge Treichel

Die Johanniter haben die Kita bauen lassen, am Freitagvormittag ist die offiziell eröffnet worden, am 1. August sollen die Kinder Einzug halten.

27.07.2018

Die Stadt lädt wieder zur Einschulungsparty in den Schlosspark ein – das Zuckertütenfest steigt am 18. August ab 10 Uhr.

27.07.2018

Aufgepasst: Die Polizei in Oberhavel ist auch am Wochenende wieder mit dem Radarmessgerät unterwegs und kontrolliert die Einhaltung der Geschwindigkeitsvorschriften.

27.07.2018