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Der Mönchmühlencode

Archäologie in Mühlenbeck Der Mönchmühlencode

Die Mönchmühle ist älter, als Urkunden belegen. Archäologen fanden einen Eichenstamm, der bereits im Jahr 1202 geschlagen wurde. Das Staubauwerk ist somit knapp 30 Jahre vor der urkundlichen Ersterwähnung datiert, sagt Archäologe Thomas Hauptmann. „Das ist ein neues Datum für die Ortsgeschichte.“

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Philine Bach von der BAB GmbH bei Vermessungsarbeiten am historischen Durchlass in der Kastanienallee.

Quelle: Foto: BAB Hauptmann + Bach GmbH

Mühlenbeck. Der Jahrescode der Mönchmühle lag verborgen unweit ihren heutigen Grundmauern in der Mönchmühlenallee. Im Zuge der kürzlich abgeschlossenen Straßenbauarbeiten legten Bagger dort vor einem Jahr einen gewaltigen Eichenstamm frei, der einstmals zum Stauwehr gehörte. Anhand der Baumringe, die wegen der Witterungs- und Klimaveränderungen den unverwechselbaren Stichcode eines bestimmten Zeitabschnitts liefern, ließ sich das Jahr der Fällung feststellten: 1202.

Das Holz dokumentiert damit die älteste Bauphase der Mönch­mühle, sagt Archäologe Thomas Hauptmann von der Liebenberger BAB GmbH, einem Büro für archäologische Baugrunduntersuchungen. Deren Mitarbeiter hatten die Straßenbauarbeiten zwischen September 2013 und Juli 2014 an insgesamt 40 Grabungstagen begleitet. Im Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Berlin waren die von Hauptmann und seinen Kollegen gefundenen und akribisch dokumentierten Holzreste untersucht worden. Im vergangenen Dezember stand das Ergebnis fest.

„1202 ist schon ein schönes Datum für die Mönchmühle“, sagt Hauptmann. Deren Baujahr war bisher nur ungefähr bekannt. Sie sei um das Jahr 1230 herum von Zisterzienser-Mönchen gegründet worden, ist in der vor einigen Jahren vom Förderverein herausgegebenen Broschüre zu lesen. Die Ergebnisse der Grabung seien „auch wichtig, weil man damit die Geschichte aus den Dokumenten wunderbar ergänzen und präzisieren kann“, so Hauptmann.

Der fand in den frisch angelegten Leitungsgräben neben zahlreichen Scherben, Tierknochen, Ziegeln und Metallteilen die Überreste der Dammanlage: Weidenflechtwerk sowie sorgsam gearbeitete hölzerne Spundwände mit Nut und Feder. Mehrere Lkw-Ladungen von Holz unterschiedlicher Bauphasen seien abtransportiert worden. Die wichtigsten Fundstücke sind beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf eingelagert, zu dem das archäologische Landesmuseum gehört.

Der Archäologe lieferte damit viel Stoff für Claus Schwartzer. Dem Vorsitzenden des Fördervereins Historische Mönchmühle ist seine Begeisterung für das historische Kleinod im Herzen der Gemeinde anzumerken – bei seinen Führungen durch das Gebäude und wann immer er darüber spricht. Natürlich auch beim Mühlentag am Pfingstmontag.

Thomas Hauptmann ruft die Schmettausche Karte auf seinen Computerbildschirm. Das älteste erhaltene Kartenwerk der Mark entstand zwischen 1760 und 1780 und zeigt in Mühlenbeck sogar zwei Mühlen. Neben der Mönch­mühle für das Korn gab es eine zweite mit Wasserkraft betriebene Mühle mit eigenem Teich, eine Schneidmühle. Und sogar eine Windmühle ist auf einer nahen Anhöhe verzeichnet. Diese Mühlen sind längst verschwunden.

Um so höher schätzt auch der Historiker die Arbeit des Mönch­mühlenfördervereins. Dessen Initiator Reinhard Wittig sei es zu verdanken, dass die erst 1973/74 stillgelegte Mönchmühle nicht voll­ends dem Verfall preisgegeben wurde. Das heutige Bauwerk allerdings habe nichts mehr mit der mittelalterlichen Mühle zu tun, sagt der Archäologe. Am 4. Februar 1819 zerstörte ein Feuer die Mönch­mühle, die ein Jahr später in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut war. Aber selbst deren Kellergewölbe stammen „aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg“, sagt Thomas Hauptmann. Der beim Umverlegen einer Gasleitung gefundene Eichenstamm sei somit der älteste nachgewiesene Überrest des mittelalterlichen Bauwerks.

Projekt mit Nebeneffekt

Der der 1,6 Kilometer lange Straßenzug Schillerstraße, Mönchmühlenstraße, Mönchmühlenallee und Kastanienallee ist am 21. Mai feierlich freigegeben worden. Unter Lärmschutzaspekten wurde die Fahrbahn ausgebaut. 

Archäologen eines Liebenberger Büros hatten die Bauarbeiten begleitet und Funde dokumentiert. 

Anhand der Holzfunde konnten für die Mönchmühle in Mühlenbeck Bauphasen in folgenden Jahren archäologisch nachgewiesen werden: 1202, 1232, 1803, 1823 und 1838.

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Im Zuge der Bauarbeiten im der Straßenzug Schillerstraße, Mönchmühlenstraße, Mönchmühlenallee und Kastanienallee waren zwischen September 2013 und Juli 2014 auch Archäologen mit von der Partie. An 40 Grabungstagen dokumentierten sie die Geschichte einer der ältesten Wassermühlen Brandenburgs. Die älteste nachgewiesene Bauphase war Anno 1202.

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Von Helge Treichel

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