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Oberhavel Der Radiergummi ist der feuchte Finger
Lokales Oberhavel Der Radiergummi ist der feuchte Finger
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00:28 05.08.2015
Schmied Steffen Erhardt gibt Schützenhilfe beim Hufeisen-Formen. Quelle: Cindy Lüderitz
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Mildenberg

„Ein- und ausatmen. Und nicht klammern“. Wenn Brigitte Lux an der Töpferscheibe unterrichtet, klingt das ein bisschen wie Mentaltraining. Zumindest ist Konzentration wichtig, wenn der Batzen Ton zwischen den Händen nicht zu Brei werden soll. Die Keramikerin aus Wolfsruh gehört zu den Handwerkern, die den Besuchern des Ziegeleiparks immer am ersten Wochenende eines Monats einen Arbeitsplatz einräumen und ihr Werkzeug überlassen.

Marina Hillebrand wollte schon lange mal an der Töpferscheibe gesessen haben. Bei den Handwerkertagen hatte sie ihre Feuertaufe. 569 Gramm wiegt der handliche Klumpen, den Brigitte Lux ihr auf die Arbeitsfläche legt. „Gib Vollgas“, sagt sie. „Aber den Ton schön festhalten, damit er dir nicht gleich durch den Äther hüpft.“

Das kann Ann-Sophies Ziegelrohling nicht passieren. Der haftet fest auf dem Streichertisch. Die Sechsjährige hat ihn glatt gestrichen und ganz vorsichtig mit einer persönlichen Inschrift versehen. Zusammen mit den anderen Besuchersteinen wird ihr kleines Kunstwerk im Feldbrandofen zu einem Ziegel und im September kann die Sechsjährige ihn abholen. Anleiter Wolfgang hat schon die nächsten Lehrlinge am Streichertisch stehen. Weil das Streichen eine ziemlich matschige Angelegenheit ist, bekommen die Schüler eine Schürze umgebunden. In die kastenartige Holzform füllen sie zuerst die Tonmasse ein und fahren dann mit einem Rollstab drüber. Wenn die Form abgelöst ist, kommt der Radiergummi zum Einsatz. „Das ist der feuchte Finger“, sagt Wolfgang. „Einfach schön glatt streichen, aber nicht zu nass, sonst wird es Matsch“. Zu seinen Schülern gehören längst nicht nur Kinder. Katja Rückstieß ist ganz begeistert von der Station: „Das sieht man mal, wieviel Spaß es machen kann, sich wieder wie ein Kind zu fühlen. Matschen ist toll“.

Monika Schulz und Ehemann Klaus gehören seit zwei Jahren zu der kleinen Marktgilde, die an der Alten Aufbereitung und den Werkstätten die Besucher empfängt. „Wir machen das wirklich gerne“, sagt die Neuhäsenerin. „Wir sind eine eingeschworene Truppe und das Angebot wird gut angenommen. Die Leute sind interessiert.“ Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Hobbyimker, vertritt Schulz die Bienen-Zunft. Dabei geht es nicht so sehr um den Verkauf von Honig, sondern um das Imkerfach und die Bienenwelt. „Wir erklären das Handwerk“, sagt Monika Schulz. Noch mehr als die Kinder, „die die Bienen aus der Sendung mit der Maus kenne und manchmal erstaunlich gut Bescheid wissen“, würden die Erwachsenen bei der Wabenkunde vor einem Rätsel stehen.

Die Handwerkertage wurden von vielen Besuchern gezielt angesteuert. Die Mehrheit macht Urlaub in der Region und erkundete trotz Badewetter lieber die Museumslandschaft. „Wir haben im Internet davon gelesen und gedacht, das ist was für die Kinder“, sagt Sibylle Schulz aus Finowfurt. Auch Familie Garwon aus Braunschweig hatte vorab die Ausflugstipps durchsucht. „Wir sind bei den Eltern in OPR zu Besuch und extra wegen der Handwerkertage gekommen. Tolle Sache“, sagt Mutter Antje Garwon.

Von Cindy Lüderitz

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