Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Der Seesack ist geschnürt
Lokales Oberhavel Der Seesack ist geschnürt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:17 26.03.2018
Am Sonnabend startet Endrik Valentin aus Hammer zu seiner nächsten großen Reise. Es geht nach Südamerika. Quelle: Foto: Andrea Kathert
Anzeige
Hammer

Endrik Valentin ist gerade mal 18 Jahre alt. Aber er hat schon mehr von der Welt gesehen, als es manchen Menschen jemals vergönnt ist. Seine erste große Reise trat er schon mit 16 an, auf einem großen Schiff.

„Ich fand Containerschiffe schon immer interessant“, sagt der junge Mann. Es war die Faszination, wie alles von A nach B kommt, die Logistik, die großen Maschinen. Endrik ist in Hammer zu Hause, hat die Grundschule „Am Weinberg“ in Liebenwalde besucht und später das Runge-Gymnasium in Oranienburg, wo er 2017 auch sein Abi machte.

Mit 16 Jahren schon auf hoher See

Doch vorher durfte er sein erstes großes Abenteuer erleben. Mit 15 bewarb er sich bei den „Ferienfahrern“ – ein Praktikum, das der Verband Deutscher Reeder anbietet. Ein Jahr später, 2015, stach er in See, in Richtung Südamerika auf einem Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd. Es ging über den Atlantik, in die Dominikanische Republik, über Kolumbien, den Panamakanal und Peru bis nach Chile und zurück. Neun Wochen auf See.

Und die vier Praktikanten waren voll in den Bordalltag eingebunden, durften nicht nur zuschauen, sondern vieles unter Anleitung selber machen. „Ja, wir waren richtig im Maschinenraum, haben mit an den Pumpen und Aggregaten geschraubt und standen am Steuerrad.“ Die Jungs waren mit auf Manöverstation, mussten die Leinen an der Pier festhalten und die Winden mit bedienen. „Wir wurden behandelt wie Besatzungsmitglieder“, sagt Endrik.

Containerschiffe haben den jungen Mann schon immer fasziniert. Quelle: Hapag Lloyd

Am Ende der Reise hatte er eine Menge gelernt. Und für sich einen Entschluss gefasst. Als er nach Hause kam, sagte er nur: „Mutti, das will ich machen.“ Erst mal hätte ihn seine Mutter belächelt, erzählt der 18-Jährige. Sie dachte, es sei nur eine Flause, sie hätte nicht geglaubt, dass er wirklich mal Containerschiff-Kapitän werden wollte. Doch Endrik meinte es ernst.

Noch bevor er sein Abi in der Tasche hatte, bewarb er sich bei Hapag-Lloyd. „Das ist eine führende Reederei und ein Kumpel hatte mir erzählt, dass die eine sehr gute Ausbildung machen.“

Drei Jahre dauert die Grundausbildung

Erst mal wollte er die dreijährige Grundausbildung als Schiffsmechaniker absolvieren. Als Hintergrund, um technisches Verständnis zu bekommen. „Man muss doch schließlich wissen, welche Knöpfe man drückt.“ Zwei Tage dauerte die Bewerbungsrunde in Hamburg bei der Reederei. „Wir hatten viele Tests, persönliche Gespräche und Gespräche in der Gruppe.“ Es gab viele Bewerber. Und Endrik bekam die Zusage.

Auf langen Überfahrten kann schon mal ein wenig Heimweh aufkommen. Quelle: Heinz-Joachim Hettchen

Er brachte sein Abi zu Ende, darauf legte auch die Reederei Wert. Und trat am 1. August 2017 seine Ausbildung an. „Das war verdammt aufregend, ich war so nervös.“ Die Starterwoche fand in Hamburg statt. Endrik lernte seine Ausbilder, das Unternehmen, die anderen Azubis kennen und durfte mit ihnen die großen Schiffe besichtigen.

Es folgten drei Monate Berufsausbildung in der Seemannsschule in Elsfleth bei Oldenburg plus drei Wochen Metallverarbeitung. „Wir haben schweißen gelernt, standen an der Drehbank und haben Brandbekämpfung geübt.“

Am beeindruckendsten fand er das Überlebenstraining im Wellenbad. Die Azubis trieben im Dunkeln im kalten Wasser, mussten von einem Helikopter gerettet werden. „Wir haben nur gehofft, schnell aus dem Wasser rauszukommen.“ Es war eine eindrucksvolle Erfahrung. „Da bekommt man schon ein wenig Angst, dass es mal wirklich so sein kann.“

Wenn die Schiffe die Häfen anlaufen, bekommen die Azubis oft Landgang. Quelle: Heinz-Joachim Hettchen

Kurz vor Weihnachten, am 18. Dezember, durfte Endrik Valentin das erste Mal anmustern, auf der „Chicago Express“, einem 336 Meter langen Containerschiff, 43 Meter breit mit einer Tonnage von 8749 TEU. Sicherlich hat die Reederei noch größere Schiffe. Doch für Endrik war es beeindruckend, alleine der Blick von der Brücke bis hin zum Mast am Bug.Container über Container. Im Laderaum werden zusätzlich sperrige Sachen wie Schiffsschrauben oder Yachten verstaut.

Die erste Fahrt für alle 14 Azubis ging nach China. Von Antwerpen ins Mittelmeer, und das zu Weihnachten. Über den Suezkanal nach Ägypten, Sri Lanka, Singapur und Thailand. Endrik hat viel gelernt und viel gesehen. „Die Reederei versucht schon, dass wir Azubis in den Häfen etwas sehen.“

Der Dienst ist kein Zuckerschlecken

Auf langen Überfahrten kommt schon mal ein bisschen Heimweh hoch. „Aber bis jetzt habe ich alles richtig gemacht“, sagt der 18-Jährige. „Andere bezahlen für solche Reisen.“ Obwohl der Dienst natürlich kein Zuckerschlecken ist. Abends fallen sie müde in ihre Kojen. Und dann kann schon mal mitten in der Nacht ein Anruf kommen. „Dann muss alles ruckzuck gehen, da muss man auf Knopfdruck 200 Prozent geben.“

Die Rückfahrt von China war auch nicht langweilig. „Im Mittelmeer haben wir einen Segler gerettet.“ Der war vor Piräus in Seenot geraten. Das Boot des Norwegers hatte ein Leck. „Der hat die ganze Nacht mit der Hand gepumpt.“

Einem Segler das Leben gerettet

Endriks Crew bugsierte das große Containerschiff direkt längsseits an das Segelschiff und konnte den Mann über die Lotsenpforte an Bord holen. Das Schiff des Norwegers sank später im Mittelmeer. „Oh ja, meine erste Fahrt war schon spannend“, sagt der 18-Jährige. Nach zwei Monaten und 16 Tagen ging Endrik von Bord und kam am 15. März wieder in Berlin an.

„Zuhause ist es auch schön“, sagt er am Küchentisch in Hammer. Aber lange konnte er das nicht genießen. Der Seesack ist schon wieder gepackt. Am Sonnabend geht der junge Mann schon wieder an Bord. Es geht nach Südamerika. „Da freue ich mich sehr darauf.“

Von Andrea Kathert

Oberhavel Kriminalitätslage vom 23. März 2018 - Polizeiüberblick: Unverzollte Zigaretten gefunden

Falsche Anrufer in Hennigsdorf und Glienicke, Unfall mit einem Hasen zwischen Teschendorf und Nassenheide sowie gestohlene Kennzeichen in Oranienburg – diese und weitere Nachrichten der Polizei aus Oberhavel lesen Sie im Polizeibericht vom 23. März.

23.03.2018

Beim Singen werden Glückshormone ausgeschüttet. Also ist Chorgesang nicht nur gesund, sondern macht Spaß und man trifft sich in Gemeinschaft. MAZ-Reporterin Ulrike Gawande hat nach langer Chorabstinenz wieder einen Probenbesuch gewagt.

26.03.2018

Die Kremmener Stadtverordneten sprechen Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) eine Missbilligung aus. Busse hat ein Gutachten zur Schulsporthalle nicht veröffentlicht, wonach an zwei Stellen am und im Gebäude „Gefahr für Leib und Leben“ herrsche. Die Diskussion im Stadtparlament hielt sich allerdings in Grenzen.

26.03.2018
Anzeige