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Oberhavel Der Tag nach der Wahl
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00:20 28.09.2017
Kerstin Kausche (CDU) fuhr am Sonntag das beste Ergebnis ein. Für den Stuhl im Schloss reichte es noch nicht. Quelle: Bert Wittke
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Oranienburg

Sie stehen sich am Sonntag, 15. Oktober, als Kontrahenten gegenüber: Kerstin Kausche für die Oranienburger CDU und der parteilose Alexander Laesicke. Wer von beiden wird Oranienburgs künftiger Bürgermeister? Der Sohn des Amtsinhabers im Schloss, Hans-Joachim Laesicke (SPD) oder dessen langjährige Dezernentin und Kämmerin? Die Oranienburger haben es in der Hand. Während die sechs Mitbewerber jetzt ihre Niederlage verkraften müssen, haben die beiden noch einmal drei Wochen Zeit zum Luftholen bis zur Stichwahl Mitte Oktober. Oder doch nicht?

„Der letzte Anruf kam gegen 2 Uhr“, erinnert sich Kerstin Kausche an die aufregende Wahlnacht. „Die Nacht vor der Wahl habe ich gut geschlafen, die danach nicht. Man war so hochgedreht.“ Um 6 Uhr am Montagmorgen musste ihr Mann zur Arbeit. Es hieß also, früh aufzustehen. Und dann: Telefon, Telefon, Telefon ... „Man muss erst mal wieder in einen normalen Tag finden. Es geht einem so viel im Kopf herum nach dem Wahltag, was nun zu tun ist. Zeit zum Luftholen bleibt eigentlich gar nicht.“ Gestern Nachmittag musste sie noch ihr Büro in der Lehnitzstraße, das sie für den Wahlkampf angemietet hatte, ausräumen: „Heute muss ich den Schlüssel abgeben.“ Ab Mittwoch dann wird ihr rund zehnköpfiges Wahlkampfteam koordinieren, wie es weitergeht mit dem Verteilen von Flyern und Terminen. Finanziell habe sie sich in Sachen Wahlkampf ein Limit gesetzt. Sei aber gut hingekommen, „denn ich habe viele Wahlkampfspenden bekommen. Dafür kann ich nicht genug danke sagen.“ Nun will sie überlegen, wo und wie sie in den kommenden drei Wochen noch Wahlkampf machen will.

Ziemlich erschöpft, aber glücklich – so fühlte sich Alexander Laesicke nach seinem Erfolg, an den er immer geglaubt hatte. Quelle: Bert Wittke

Alexander Laesicke stand die Freude Sonntagnacht ins Gesicht geschrieben. Mit seiner Mutter, seiner Ehefrau und einigen Freunden und Verwandten verfolgte er gespannt die Auszählung der letzten Stimmbezirke. Die Ergebnisse aus dem letzten Briefwahllokal ließen lange auf sich warten. Dann war es endlich da: Er lag nur 1,8 Prozent hinter Kerstin Kausche. „Wir wollten das Endergebnis noch Schwarz auf Weiß haben, dann sind wir sofort ins Bett. Dann ist irgendwie alles abgefallen, die Anstrengungen nicht nur der letzten zwei Monate, die ich mir für den Wahlkampf freigenommen hatte. Ich habe da so viele Träume und Herzblut reingesteckt, alles war so emotional. Ich war in dem Moment einfach nur erschöpft.“ Gestern nun war „Familientag“ angesagt, denn für den Wahlkampf hatte Alexander Laesicke seinen Urlaub zusammengekratzt, ab heute muss er wieder zum Dienst bei der Bahn. Doch da auch seine Kollegen mitgefiebert haben, setzt er auf ihr Verständnis, dass er bis 15. Oktober noch ab und zu im Wahlkampf unterwegs ist.

In der Kernstadt, in der insgesamt 13 453 Stimmen abgegeben wurden, hatte Alexander Laesicke sogar die Nase vorn. In sämtlichen Ortsteilen, besonders in ihrem Wohnort Lehnitz, machte Kerstin Kausche das Rennen. Das beste Ergebnis fuhr sie im Ortsteil Wensickendorf ein.

Jennifer Collin (SPD) kam fast überall der undankbare dritte Platz zu. Ihr bestes Ergebnis erreichte sie im Ortsteil Malz.

Jan Radke (AfD) konnte in allen Ortsteilen weit über zehn Prozent erreichen. Besonders in Wensickendorf und Zehlendorf bekam er viele Stimmen und landete dort sogar auf Platz 2. Auch Friedemann Humburg (parteilos) konnte in einigen Ortsteilen wie in Sachsenhausen, Friedrichsthal, Malz und Schmachtenhagen weit über zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Bei der Stichwahl wird entscheidend sein, welche Wählerwanderungen stattfinden und ob wieder, wie am Sonntag, 71,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmzettel ausfüllen.

Auch die anderen Kandidaten für den Bürgermeisterstuhl hat die MAZ nach ihren Eindrücken gefragt.Sie haben bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag nicht genügend Bürger überzeugen können, um in die Stichwahl zu gelangen. Wie haben die sechs Verlierer die Wahlergebnisse verkraftet? Was denken sie am Tag danach? Wie geht es für sie weiter?


Heiner Klemp (Grüne): Ich bedanke mich bei 2224 Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen. Ich muss aber offen sagen, dass ich mir mehr erhofft und erwartet hatte. Aber in einer Demokratie sind die Ergebnisse zu akzeptieren und ich habe Kerstin Kausche und Alexander Laesicke zum Einzug in die Stichwahl gratuliert. Natürlich freue ich mich, dass viele der Themen, die ich über Jahre verfolgt habe, wie eine eigene Küche für unsere Kinder in Kitas und Schulen, ein besseres Busnetz für die Bürger in der Stadt oder auch eine bessere Bürgermitsprache jetzt von allen geteilt wurden. Ich wünsche mir eine faire Stichwahl und dem neuen Stadtoberhaupt eine glückliche Hand angesichts der anstehenden Herausforderungen.


Enrico Rossius (Linke): Ich bin sehr enttäuscht. Es ist schon schwer zu verdauen, wie viele auch in Oranienburg die AfD gewählt haben. Aber es ist zugleich ein guter Grund, genau hinzuschauen, wo die Probleme sind. Ich bin offenbar mit meinen Themen bei den Leuten nicht durchgedrungen. Aber ich werde weiter für soziale Gerechtigkeit streiten. Für mich heißt es jetzt aufstehen, weitermachen, nach vorn sehen, es besser machen.


Friedemann Humburg (parteilos): Natürlich bin ich nicht angetreten, um Fünfter zu werden, ich wäre gern Zweiter geworden. Ich habe gegeben, was ich geben konnte. Die Oranienburger haben gewählt und ich akzeptiere das. Ich bleibe sehr gern Pfarrer, werde mich weiter in die Kommunalpolitik einmischen, will als sachkundiger Einwohner meine Kompetenz einbringen. Die erschütternden Wahlerfolge der AfD zeigen die Zerrissenheit des Landes, da will ich als Pfarrer meine Stimme für die Demokratie erheben.


Kevin Blüthgen (parteilos): Heute geht es mir schon wieder besser. Es ist wie es ist. Ich habe es probiert und hoffe, auch künftig erhobenen Hauptes durch die Stadt gehen zu können. Ich hoffe, dass die anderen Bewerber ums Bürgermeisteramt dann die Bürgernähe auch umsetzen, die sie jetzt im Wahlkampf versprochen haben.


Jennifer Collin (SPD): Meine Enttäuschung ist groß. Auch heute noch über diesen undankbaren dritten Platz. Ich bin aber auch stolz, aus dem Stand auf den dritten Platz gekommen zu sein. Wie es beruflich weitergeht, werde ich jetzt sondieren. Auf jeden Fall bleibe ich in Oranienburg engagiert, im Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft, im Bauausschuss und natürlich in meiner Partei. Mein Ziel auf lange Sicht ist es: Mehr junge Leute und vor allem auch junge Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern.


Jan Radke (AfD): Ich freue mich über das Ergebnis der AfD insgesamt und auch mein eigenes als Newcomer. Ich bedanke mich für das Vertrauen der Oranienburger, bleibe vorerst noch in Berlin wegen meiner kleinen Tochter und will dann mal nach Oranienburg ziehen. Ich gratuliere den Gewinnern, die in die Stichwahl gehen, mögen sie das Beste für die Stadt vollbringen.

Von Heike Bergt

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