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Der Wurst widerstehen

In Velten gibt es spezielle Trainingsstunden Der Wurst widerstehen

Auf dem Übungsplatz an der Parkallee in Velten spielen sich gerade merkwürdige Szenen ab. Das Hauptarbeitsmittel von Hundetrainerin Joanna Bauer sind Bockwürste. Genau diesen leckerriechenden Exemplaren sollen die Hunde widerstehen, auch wenn sie genau vor ihrer Nase liegen. Denn Vierbeiner werden immer wieder Opfer von Giftködern.

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Biggy hat’s verstanden. Die anderthalbjährigeWelshterrierhündin von Helga Einbrodt (l.) aus Velten rührt die Bockwurst nicht an, die ihr Hundetrainerin Joanna Bauer genau vor die Nase hält.

Quelle: Andrea Kathert

Velten. Was für die Hundeschüler und ihre Trainerin lustige Momente mit sich bringt, hat einen bitterbösen Hintergrund. Auf dem zweiten Übungsplatz von „Hundetrainer 24“ in Leipzig-Lübschütz häufen sich gerade die Meldungen von ausgelegten Fleischbällchen, in denen Rasierklingen versteckt sind. Für den Chef der Hundeschule, Uwe Krüger, ist das höchst alarmierend. Auch seine Hundeschüler in Velten kann er nur ständig warnen.
Das darauf abgestimmte Training kommt bei den Hundebesitzern gut an. Einige von ihnen haben selbst schon böse Erfahrungen mit Ködern machen müssen. Eine Frau aus Berlin-Buchholz erzählt von ihrer vergifteten Hündin. Ihre drei Kinder mussten mit ansehen, wie der Liebling der Familie qualvoll zugrunde ging.

Damit den Hundebesitzern, die in Velten trainieren, nicht auch so etwas passiert, arbeitet Joanna Bauer nun öfter mit Würstchen oder deftigem Welpenfutter. Über den gesamten Platz verteilt sie Würstchen und gibt ihren Schülern Tipps, wie die Hunde davon abzuhalten sind, die leckeren Stücken in Windeseile aufzufuttern. Zu Beginn der Trainingsstunde hätten etliche Hunde im Ernstfall ihr Leben riskiert. Schneller als ihre Besitzer eingreifen konnten, waren die Würste verschlungen. Mit viel Konsequenz und Ausdauer müssen die Tiere davon abgehalten werden, überhaupt auf dem Boden zu schnüffeln. „Zur Belohnung gibt es Futter oder Leckerlies vom Hundebesitzer“, sagt Joanna Bauer. Gefressen wird nur, was Herrchen oder Frauchen ihren Hunden geben. „Dann kommt noch der Futterneid dazu“, meint die Hundetrainerin. Manche Tiere stürzen sich besonders schnell auf einen Leckerbissen, bevor ihn ein anderer Hund bekommt.

Was mit den Hunden passiert, die einen Köder gefressen haben, kann Anne Quade erzählen. Sie geht selbst zum Training in Velten und betreibt eine eigene Tierarztpraxis in Berlin-Pankow. Etwa einmal im Monat hat sie mit Vergiftungen oder verschluckten Fremdkörpern zu tun. Hat der Besitzer mitbekommen, dass sein Hund etwas gefressen hat, ist Eile geboten. „Nach zwei bis vier Stunden macht es noch Sinn, den Hund brechen zu lassen“, sagt Anne Quade. Nach mehr als vier Stunden befindet sich das Gift bereits im Dünndarm. Wenn man weiß, was es für Gift war, kann ein Gegenmittel gegeben werden. Sonst ist nur abzuwarten, welche Symptome auftreten, die dann behandelt werden können oder einen Schluss auf das Gift geben. Rattengift wirkt erst nach Tagen, andere Gifte viel schneller.

Hat der Hund einen Fremdkörper aufgenommen, sollte sofort das Maul untersucht werden, rät die Tierärztin. Wenn es beispielsweise ein Köder mit Rasierklinge war, kann sich der Hund kleinere Schnitte im Maul zugezogen haben. Den Fang öffnen und Zahnfleisch und Lefzen untersuchen, muss sich ein Hund gefallen lassen. „Das macht auch nicht jeder“, weiß die Tierärztin. Die Zunge lässt sich ein Hund allerdings nicht anfassen. Kleine Schnitte sind für das Tier oft weniger schmerzhaft, bluten aber stark. Zudem sorgen Bakterien schnell für Entzündungen.

Außerdem sollten die Hundebesitzer wissen, wie ihr Hund frisst. „Ist er zum Beispiel ein Schlinger, dann landet die Rasierklinge gleich im Magen“, so Anne Quade. Eingebettet in den Nahrungsbrei passiert meist erst mal nichts. Gelangt die Klinge aber durch den Magenausgang in den engen Dünndarm kommt es zu dramatischen Schnittwunden. „Die können zum Tod durch Verbluten führen“, sagt Anne Quade. Gefährlich wird es auch, wenn der Magendarminhalt in die Bauchhöhle gelangt.

Wenn Hunde runde und stumpfe Gegenstände wie Bälle, Kastanien, Steine oder Plastespielzeug verschlucken, bleiben die manchmal über Jahre unbemerkt im Darm. Bei spitzen Gegenstände hilft oft nur noch eine Operation. Haben Hunde Probleme mit ihrer Verdauung äußert sich das häufig durch Brechen, Appetitlosigkeit und Schlappheit.

Aus ihrer Praxis weiß die Tierärztin, dass Hundebesitzer viel öfter glauben, ihr Hund sei vergiftet, als es wirklich der Fall ist. Aber trotzdem ist Anne Quade der Meinung: „Lieber dreimal bei falschem Verdacht kommen, als zu lange zu warten.“

Von Andrea Kathert

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