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Die Archäologen

Germendorf Die Archäologen

Beim Bau der neuen Feuerwehr legten Archäologen die gesamte Ortsgeschichte frei. Ein Jahr lang haben sie gebuddelt, gepinselt, dokumentiert und entdeckten Reste von Fundamenten, Bohlenwege, Gruben und Brunnen. Sie stießen auf Keramiken, Tierskelette und sogar einen kleinen Silberschatz. Die Stadt Oranienburg wurde aber nicht reich. Ganz im Gegenteil.

Germendorf. Den Neubau der Feuerwehr wird in Germendorf wohl niemand so schnell vergessen. Nicht nur, weil dem ersten Spatenstich die dramatische Nacht am 14. Dezember 2014 vorausging, in der das alte Depot niederbrannte und die Feuerwehrleute mit allen Kräften zu retten versuchten, was noch zu retten war. Viel war es nicht. Und im Juni 2015 wurde das Depot vollends abgerissen.

Auch aus historischer Sicht werden die Bauarbeiten denkwürdig bleiben. Denn die Mitarbeiter des Archäologiebüros Weishaupt buddelten einen Fund nach dem anderen aus dem Boden. Auf 3000 Quadratmeter, das ist fast die gesamte Fläche des Baufeldes, drehten die Archäologen alles von unten nach oben und wurden 825 mal fündig.

Ausgrabungsleiter Marcel Torres zeigt den Zapfhahn und Glasmarken

Ausgrabungsleiter Marcel Torres zeigt den Zapfhahn und Glasmarken.

Quelle: Roeske

„Wir haben allein 177 Gruben, 329 Pfosten und 68 Kadavergruben gefunden“, hat Ausgrabungsleiter Marcel Torres gleich mal ein paar Zahlen parat. Die „Glückssträhne“ der Archäologen hatte Anfang August vorigen Jahres begonnen. Marcel Torres konnte damals einen gut erhaltenen Zapfhahn und Flaschenreste mit Glasmarken präsentieren.

Andrea Weishaupt legte mit ihren Kollegen auch Tierskelette frei. Darunter zwei enthauptete Kühe. Und sogar ein kleiner Silberschatz mit 18 Münzen, der unter einem Holzfußboden versteckt war, wurde entdeckt.

Andrea Weishaupt hat das Skelett einer Kuh freigelegt

Andrea Weishaupt hat das Skelett einer Kuh freigelegt. Sie war enthauptet worden. Der Kopf lag am anderen Ende des Tieres.

Quelle: Kathert

Spannend für den Ausgrabungsleiter waren zum Ende der Arbeiten zwei Bohlenwege. Der eine verläuft schräg über das Gelände von Nordost nach Südwest. Aus den Fälldaten des Nadelholzes entnimmt Torres, dass der Weg um 1630 bis 1680 angelegt worden ist. Doch noch interessanter ist ein Fund nördlich der Kirche. Als die Versickerungsmulden ausgehoben wurden, trat ein Bohlenweg zu Tage, der 1183 gebaut worden sein könnte. „Wir haben zwei Hölzer aus diesem Jahr gefunden“, sagt Torres. Die erste urkundliche Erwähnung von Germendorf geht auf das Jahr 1375 zurück. Doch schon immer war vermutet worden, dass die Ansiedlung noch älter sein muss. „Dieser Bohlenweg besagt, dass einiges für diese Vermutung spricht.“ Das wäre schon ein Beweis, meint Torres. „Über diesen Fund haben wir uns sehr gefreut.“

Zu den letzten Funden gehört noch ein Kastenbrunnen. Auch der könnte aus der Zeit um 1200 stammen.

Die Besiedelung auf dem Dorfanger war kontinuierlich, vom Mittelalter bis jetzt. Seit etwa 1700 stand ein großes Gutshaus auf dem Anger. Aber auch davor gab es bereits große Gebäude. „Das ist eigentlich gar nicht typisch für ein Angerdorf“, meint Marcel Torres.

Mehrere Bohlenwege fanden die Archäologen

Mehrere Bohlenwege fanden die Archäologen.

Quelle: Roeske

146 Tage waren teilweise vier bis zehn Mitarbeiter des Büros Weishaupt in Germendorf zugange. Nun sind die Archäologen fertig, alle Gruben sind zugeschüttet.

Marcel Torres sitzt gerade über dem Kurzbericht für das Landesamt für Denkmalpflege. „Ja, das war schon eine größere Ausgrabung“, meint er. „Noch dazu an einem so kleinen Ort, so viele Bauphasen zu entdecken.“ Nun geht es darum, ein kulturhistorisches Bild zu entwerfen. Damit auch die Germendorfer und andere Interessierte etwas von den Funden zu Gesicht bekommen, wollen die Archäologen eine kleine Ausstellung zusammenstellen, die zur Eröffnung der Feuerwache gezeigt wird.

Reich ist Germendorf durch seine kleinen Schätze aber nicht geworden, denn alle Funde gehören dem Land Brandenburg. Die Stadt Oranienburg musste stattdessen dafür tief in die Tasche greifen und immer wieder Geld nachschießen. Weil es keine Anhaltspunkte für derartige Funde gab, waren vor dem Baubeginn 10 000 Euro für die archäologische Begleitung veranschlagt worden. So wie auch bei anderen Vorhaben üblich. Am Ende haben die archäologischen Arbeiten knapp 300 000 Euro gekostet. Aber so ist das nun mal, wenn man auf die Geschichte stößt.

Kostspielige Grabungen

Die Ausgrabungen liefen vom 30. Juli 2015 bis zum 15. Juli 2016 und kosten knapp 300 000 Euro. Vier bis zehn Mitarbeiter des Archäologiebüros Weishaupt arbeiteten 146 Tage.

Die Archäologen fanden Keramik wie Fragmente von Backtellern, mittelalterliche Grauware, neuzeitliche glasierte Ware, grüne und dunkelbraune Ofenkacheln aus dem 16. und aus dem 18. Jahrhundert, Zapfhähne, Silbermünzen, ein Reitersporn aus Eisen, Flaschenscherben mit Glasmarken, 18 Silbermünzen.

Zudem legten die Mitarbeiter Bohlenwege, Gruben, Fundamentreste, mittelalterliche und neuere Brunnen und Tierskelette frei.

Von Andrea Kathert

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