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Die Wächterinnen der Badeseen

Jeanette Boden und Regina Krüger kontrollieren Gewässer in Oberhavel Die Wächterinnen der Badeseen

Jeanette Boden und Regina Krüger sind die Oberwächter der Seen und für das Gesundheitsamt des Landkreises in ganz Oberhavel unterwegs. Sie testen die Gewässer auf Herz und Nieren. Und vor allen Dingen auf Blaualgen und erhöhte Keimwerte. Doch bisher können Krüger und Boden Entwarnung geben. Auch am Roofensee in Menz.

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Regina Krüger (l.) und Jeanette Boden bei der Probenentnahme am Roofensee.

Quelle: Uwe Halling

Oberhavel. Gekonnt wirft sich Jeanette Boden in die schulterlange Gummihose mit integrierten Gummistiefeln und watet durch den Roofensee. Mit einem Messstab bewaffnet stellt sie die Wassertiefe fest, ein fachmännischer Blick auf die leichten Wellen des Sees im Norden Oberhavels reicht aus. „Es ist alles in Ordnung. Es gibt keine auffällige Färbung“, sagt sie. „18,2 Grad“, ruft Boden aus dem Wasser, Regina Krüger steht am Ufer und schreibt fleißig die Daten auf. „Seit der letzten Messung stellen wir schon fest, dass sich die Temperatur leicht erhöht hat“, erklärt die Hygieneingenieurin.

Boden und Krüger sind die Oberwächter der Seen und für das Gesundheitsamt des Landkreises in ganz Oberhavel unterwegs. Sie testen die Gewässer auf Herz und Nieren. Und vor allen Dingen auf Blaualgen und erhöhte Keimwerte. Doch bisher können Krüger und Boden Entwarnung geben. Auch am Roofensee in Menz.

„In den letzten Jahren hatten wir ziemlich Glück mit den Seen“, sagt Krüger am Mittwoch bei der Probeentnahme. Jedoch haben besonders die kleinen Gewässer Probleme mit den Algen. „Beim Wentowsee haben wir öfters Blaualgen feststellen können“, erzählt sie. „Einige Blaualgen enthalten Giftstoffe, diese führen dann zu den Erkrankungen", sagt Jeanette Boden. „Besonders gefährdet sind eigentlich immer die Kinder", führt ihre Kollegin weiter aus. „Da hilft eigentlich immer eine heiße Dusche, um den Erreger von der Haut zu spülen.“

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Quelle: Enrico Kugler

Während das Wasser mit leichten Wellen am Ufer aufschlägt und ein paar Wanderer überlegen, ob sie tatsächlich in die Badehose schlüpfen, herrscht bei Krüger und Boden eine professionelle Stimmung. „Ein paar Kollegen haben schon gesagt, dass wir das Badezeug mitnehmen sollen“, scherzt Boden. 50 Prozent ihrer Arbeitszeit sind die beiden Frauen auf Achse, wie viele Kilometer sie unterwegs sind, können sie nicht beantworten. Mehrere hundert pro Tag. Im Sommer untersuchen sie die Seen, im Winter überprüfen sie Krankenhäuser, Restaurants und Imbissbuden. „Natürlich ist es schön, draußen in der Natur zu sein, aber wir müssen die Proben auch im Regen nehmen“, so Krüger, während ihr Kollegin Boden den gerade gemessenen PH-Wert nennt. Alles in Butter. Die Damen packen ihre Sachen zusammen, die Messgeräte kommen in den Aluminiumkoffer, die Wasserprobe im Plastikbecher in einen Beutel.

Dieser geht direkt ins Labor. Nach zwei Tagen bekommen Krüger und Boden die Befunde. Gibt es nach der mikrobiologischen Untersuchung keine Beanstandung, wird ein Aushang an der Badestelle mit einem Zertifikat gemacht – Schwimmen ohne Bedenken möglich. Treten Komplikationen auf wie erhöhte Fäkalkeimwerte oder Blaualgenbefunde müssen Maßnahmen getroffen werden. Übertreffen die Werte die Höchstgrenzen, könnte der See sogar geschlossen werden. Am Roofensee gab es mal vor drei Jahren „falschen Alarm“. Da war ein ungewöhnlich großer Algenteppich an den Badestrand angeschwemmt worden. Das Gesundheitsamt hatte vorsorglich ein Warnschild aufgestellt. Wie sich später herausstellte, handelte es sich dabei aber nicht um Blau-, sondern um Grün- und Kieselalgen. Das sind die guten.

Richtigen Aufschluss über das „Wesen des Wassers“ gab es eigentlich auch gestern nicht. Grund dafür ist die Laune von Mutter Natur. „Die Proben, die wir entnehmen, sind immer nur Momentaufnahmen“, erklärt Regina Krüger weiter. Schon oft sei es vorgekommen, dass an einem Tag der Befall von Blaualgen festgestellt wurde und am nächsten Tag am gleichen See von den Bakterien nichts mehr zu sehen war. „Das ist die Natur“, schiebt Boden bei der zweiten Beprobung am Großen Stechlinsee hinterher. Auch im bekanntesten Klarwassersee der Region ist alles in Ordnung.

Von Marcel Jarjour

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