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Die Bibel ins Gespräch bringen

Leegebruch Die Bibel ins Gespräch bringen

Als Nele Poldrack 2008 die Pfarrstelle in der evangelischen Kirche Leegebruch, die sie sich mit ihrem Mann Christoph teilt, übernahm, habe man ihr gesagt, dass die Kirchengemeinde, zu der auch Velten und Marwitz gehören, vor sich hindümpeln würde. „Wir waren zuversichtlich, gute Ideen zu haben.“

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Die evangelische Kirche Leegebruch

Quelle: Ulrike Gawande

Leegebruch. Als Nele Poldrack 2008 die Pfarrstelle in der evangelischen Kirche Leegebruch, die sie sich mit ihrem Mann Christoph teilt, übernahm, habe man ihr gesagt, dass die Kirchengemeinde, zu der auch Velten und Marwitz gehören, vor sich hindümpeln würde. „Wir waren zuversichtlich, gute Ideen zu haben“, erzählt die gebürtige Berlinerin, die vor ihrem Umzug nach Leegebruch in Mecklenburg gelebt hat.

Jetzt acht Jahre später habe sich zwar viel verändert, aber nicht so viel, wie am Anfang erhofft. „Wir sind eine offene Gemeinde, Neue sind hinzugekommen. Viel ist schöner, einladender geworden, aber Massen rennen uns nicht die Bude ein“, findet die engagierte Christin sehr ehrliche Worte. Natürlich sei sie deshalb oft traurig, aber die Kirche durchlaufe derzeit insgesamt eine Veränderung. Kraft gebe ihre dabei stets der Gedanke, dass Gott sich dabei etwas denken würde.

Theologiestudium in Greifswald und Jerusalem

Daher sei es nun das Wichtigste, so Nele Poldrack, die ihr Theologiestudium in Greifswald und Jerusalem absolviert hat, dass Gottes Wort im Gespräch bleibe. Und dafür sucht sie neue Wege und Herangehensweisen. Wie beispielsweise den Bibliolog, eine Methode der interaktiven Auslegung von Bibeltexten. „Es ist ein Versuch, Texte der Bibel mitzuerleben. Der Bibliolog lebt davon, dass der Hörer sich in eine Person der Geschichte hineinversetzt und aus Sicht dieser denkt und spricht.“

Theologin Nele Poldrack ließ sich auch zur Bibliologin und Bibel-Erzählerin ausbilden

Theologin Nele Poldrack ließ sich auch zur Bibliologin und Bibel-Erzählerin ausbilden.

Quelle: Ulrike Gawande

Entwickelt wurde die Methode in Nordamerika vom Wissenschaftler Peter Pitzele, der den Bibliolog in die Tradition der jüdischen Bibelauslegung des Midrasch sieht. Dabei bleibe der biblische Text („schwarzes Feuer“) unangetastet, wobei der Raum zwischen dem Erzählten („weißes Feuer“), mit eigenen Gedanken gefüllt werde.

„Die Geschichten, Briefe und Psalmen der Bibel werden vielschichtiger und oft nachvollziehbarer“, hat die Mutter zweier erwachsener Kinder beobachtet. „Die Texte fangen an zu leben.“ Auch für sie sei das eine ganz besondere Erfahrung gewesen, als sie erstmals bei der Vorbereitung zu einem Weltgebetstag mit dem Bibliolog in Kontakt gekommen sei. „Ich war fasziniert von dem Reichtum der Geschichten, von denen ich glaubte, sie zu kennen.“

Zusatzausbildung als Bibliologin

Um auch die Gemeindemitglieder in Leegebruch an dieser anderen Herangehensweise zu biblischen Erzählungen teilhaben zu lassen, absolvierte die 53-Jährige eine Grundausbildung als Bibliologin. „Ich hatte im Studium nur gelernt, die Bibel zu lesen, zu verstehen und zu erklären, nicht aber sie zu erleben. Beim Erklären verlieren die Geschichten ihre Vielschichtigkeit.“ Denn Menschen seien nun einmal verschieden, so dass jeder eine ganz andere Perspektive habe, wie er eine Geschichte der Bibel wahrnehme. Alle Texte seien deutungsoffen. „Ich bin kein Lehrer, will weniger erklären, sondern die Bibel ins Gespräch bringen“, ist das Ziel von Nele Poldrack. „Die Leute sollen zu ihren Mitmenschen über die Bibel zukünftig sagen: Ich muss dir unbedingt etwas erzählen.“

Ob diese Methode wieder mehr Menschen für die Kirche begeistern wird, weiß auch Nele Poldrack nicht. Es motiviere sie aber, dass man nur das weitergeben könne, von dem man selber begeistert sei. Und von der Bibel und ihren Texten sei sie begeistert, so dass sie nun auch eine Ausbildung als Bibelerzählerin anschließen will.

Viele Ideen für die Leegebrucher Kirchengemeinde

Doch in Gottesdiensten wird es so bald keinen Bibliolog geben, denn sie wolle keinen mit neuen Methoden überrumpeln, so die Pfarrerin. „Die Gottesdienstbesucher erwarten nicht, dass sie mitmachen müssen.“ Aber in speziellen Gottesdiensten oder auch in Frauenkreisen sei das Interesse groß. „Die Offenheit ist da. Vermutlich sind Frauen für einen emotionaleren Zugang empfänglicher.“ Und die Christin hat weitere Ideen, um die Kirche für Leegebrucher wieder attraktiv zu machen, wie beispielsweise das Jahresthema mit Vorträgen.

Von Ulrike Gawande

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