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Die DAZ-Lehrerin

Oranienburg Die DAZ-Lehrerin

Lydia Grimm aus Oranienburg unterrichtet seit anderthalb Jahren an der Havelgrundschule rund 20 Flüchtlingskinder. Sie lernen bei ihr die deutsche Sprache und sie hat mit ihnen einen Film gedreht. Am Dienstagabend bekam sie den „Sonderpreis des Ministers“ bei Vergabe des „Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreises 2017“ in Potsdam.

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Lydia Grimm aus Oranienburg erhielt gestern Abend den „Sonderpreis des Ministers“ bei der Verleihung in Potsdam.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. „Der Vorschlag für die Auszeichnung hat mich schon überrascht. Schließlich bin ich im Beruf Quereinsteiger. Und auch andere Pädagogen arbeiten engagiert in oft schwierigen Klassen. Aber ich freue mich natürlich, dass die Arbeit gewürdigt wird. Sie braucht auch künftig sehr viel Aufmerksamkeit“, ist Lydia Grimm überzeugt.

Seit anderthalb Jahren arbeitet die 37-jährige Pädagogin an der Oranienburger Havelgrundschule, unterrichtet dort aktuell 20 Flüchtlingskinder. Jeden Schultag beginnen sie mit zwei Stunden, in denen sie mit Lydia Grimm die deutsche Sprache erlernen. Im Fach DAZ – Deutsch als Zweitsprache, anschließend lernen sie in den Regelklassen. Und sie hat mit ihren Schützlingen aus Afghanistan, Tschetschenien, Somalia, Eritrea und Syrien einen Film gedreht. „Salam Havelschule“, den die Kinder zusammen mit einem iranischen Regisseur aus Berlin an der Schule gedreht und gezeigt haben (MAZ berichtete). Gestern Abend bekam die Lehrerin in Potsdam bei der Vergabe des „Brandenburgischen Lehrerpreises 2017“ den „Sonderpreis des Bildungsministers“ überreicht.

Lydia Grimm ist im Prenzlauer Berg groß geworden, hat an FU und Humboldt-Uni Spanische Philologie studiert und 2005 für ein Dreivierteljahr in Valencia mit Flüchtlingsfamilien gearbeitet. Nach der Rückkehr leitete sie in Berlin Alphabetisierungskurse für Mütter und Eltern, arbeitete in Sprachprojekten in Kitas in Neukölln. Inzwischen wohnt sie mit ihrem kleine Sohn, der elfjährigen Tochter und dem Lebenspartner in Oranienburg.

„Dort hatten Frau Altmann und Frau Pölöskei die Strukturen der Willkommensklassen bereits aufgebaut“, erinnert sie sich. Für die Mädchen und Jungen der Flüchtlingsfamilien gehe es nicht nur darum, die deutsche Sprache zu lernen, „viele haben Gewalt, Überfälle und Todesangst erlebt, sind von Land zu Land gezogen. Sie sind instabil und unruhig. Das ist ein großes Paket an Aufgaben, an dem die Gesellschaft noch Jahre zu tragen hat. Aber alle Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter an unserer Schule sind sehr um die Kinder bemüht.“

Erfolge sind sichtbar: So wird Navid Bahramand (13) aus Afghanistan ab Sommer das Mosaikgymnasium besuchen, der zehnjährig Sabi aus Kundus hat lesen gelernt, das syrische Mädchen Leen (9) geht in die 2. Klasse der Regelklasse, so gut kann sie Deutsch, andere fühlen sich im Hort wohl. „Es geht nicht nur ums Lernen, sondern um Integration ins Leben, die immer besser gelingt. Man ist für die Kinder eine Laterne im Leben, bis zum nächsten Mentor“, sieht es Lydia Grimm.

„Sie steht stellvertretend für die Lehrer, die sich mit Herzblut um Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien kümmern. Rund 5000 lernen in Vorbereitungsgruppen, Förderkursen und im regulären Unterricht“, so Günter Baaske in seiner Laudatio. Besonders würdigte er das Filmprojekt: „Salam, liebe Frau Grimm – dafür gibt es in diesem Jahr den Sonderpreis.“

Von Heike Bergt

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