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Die Deponie wird für immer versiegelt

Germendorf Die Deponie wird für immer versiegelt

Seit 1977 haben viele Germendorfer und Leute aus dem Umkreis ihren Müll, ihren Bauschutt und noch ganz andere Sachen zur Deponie in der Hohenbrucher Straße gekarrt. Der Berg wuchs und wuchs. Heute liegen dort drei Millionen Kubikmeter Abfall. Jetzt wird der Deponiekörper versiegelt. Vielleicht können die nächsten Generationen ihn anders nutzen.

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Dem riesigen Müllberg wird eine Kubatur verpasst. Dann werden Abdeckfolien aufgebracht.

Quelle: Enrico Kugler

Germendorf. „Das ist eigentlich die größte Tiefbau-Baustelle weit und breit“, sagt Daniel Gross mit einem Lächeln im Gesicht. Und es ist sein Metier, das muss er gar nicht betonen. Er steht hoch oben auf einem Berg, der sich auf 19 Hektar breit gemacht hat. Und unter ihm liegt nur Müll. Als Leiter der Deponiebewirtschaftung bei der Oberhavel Holding weiß Gross am besten, was sich gerade auf der alten Müllkippe in Germendorf abspielt.

Schon seit Mitte der 1970er-Jahre karrten die Germendorfer und die Leute aus der Umgebung ihre Abfälle in die Hohenbrucher Straße. Hier landeten Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt und Abfälle aus der Industrie _ alles auf einem Haufen. Drei Millionen Kubikmeter sind es geworden. Diese Zahl muss man erst mal sacken lassen. Als eine der letzten Mülldeponien wurde die Germendorfer Ende Mai 2005 geschlossen.

Das Ende einer Deponie

Seit Mitte der 1970er-Jahre wurde die Deponie für Siedlungsabfälle in Germendorf bewirtschaftet. Als eine der letzten Deponien im Kreis wurde sie Ende Mai 2005 geschlossen.

Für die Sicherung und Rekultivierung ist die Oberhavel Holding zuständig, die 2009 dafür einen Bauantrag stellte.

Im Jahr 2014 erteilte das Landesumweltamt die Baufreigabe. Ende 2017 sollen die Arbeiten fertig sein.

Die Deponie wird streng überwacht. Regelmäßig werden die Grundwasserqualität, das Setzungsverhalten des Deponierkörpers und das Gasmigrationsverhalten kontrolliert.

Von unten abgedichtet ist die Deponie natürlich nicht. So etwas gab es zu DDR-Zeiten nur im Westen. Und auch die Oberfläche wurde lediglich im Jahr 2003 im nördlichen Teil auf 6,5 Hektar mit Kunststoffbahnen und etwas Erde abgedeckt. Die nächsten zwei Jahre kam immer mal wieder eine Abdeckung darauf, jeden Tag ein bisschen Erde. Im Inneren des bombastischen Müllhaufens „brodelt“ es natürlich weiter. Die organischen Prozesse setzen jede Menge Methangas frei, was aus dem Deponiekörper weichen muss. 35 Gasbrunnen wurden deshalb gebohrt. Sie sind mit einer Art Ringleitung verbunden, die das Gas in ein Blockheizkraftwerk leitet, wo es bis jetzt noch zur Stromerzeugung genutzt wird.

Mit Folien, Flies und später Erde wird der Deponiekörper versiegelt

Mit Folien, Flies und später Erde wird der Deponiekörper versiegelt.

Quelle: Enrico Kugler

Seit 2009 laufen die Bemühungen, den Deponierkörper fachgerecht zu rekultivieren. Fünf Jahre später war es soweit. Nun ist für Daniel Gross und die Firmen unter seiner Regie die größte Herausforderung, dem Riesenberg die richtige Kubatur zu verpassen. „Wir müssen eine bewirtschaftbare Neigung herstellen“, sagt Gross. „Wir legen drei Ebenen an, dazwischen Fahrwege für die Wirtschaftsfahrzeuge.“ Der Berg muss vor Witterungseinflüssen geschützt werden, damit das Regenwasser zum Beispiel keine Schadstoffe auswaschen kann.

Die riesigen gelben Kipper, voll beladen mit Erde, quälen sich die steile Böschung nach oben, einer nach dem anderen. Mehrere Bagger verteilen die Ladung so, dass tatsächlich gleichmäßige Böschungen entstehen, über Hunderte von Metern.

Gut, dass das gesamte Deponiegelände 32 Hektar misst, somit ist genug Platz, um die vielen Kunststoffplanen, Fliese und Tausende von Kubikmetern Erde zu lagern.

Die Folien werden den gesamten Müllberg überspannen

Die Folien werden den gesamten Müllberg überspannen.

Quelle: Enrico Kugler

Wenn Daniel Gross auf der ersten Ebene um den Deponiekörper läuft, kann er den Baufortschritt am besten erklären. Der erste Bauabschnitt ist schon fertig. Dort ist im wahrsten Sinne bereits Gras drüber gewachsen. Im zweiten Bauabschnitt werden die verschiedenen Kunststoffbahnen verlegt. Später wird eine Erdschicht aufgebracht, ein Meter stark. Dort soll später mal schöner Rasen gedeihen. Immer wieder sind geschotterte Entwässerungsmulden mit Kaskaden in den Berg eingearbeitet, damit bei starkem Regen das Wasser gut abfließen kann.

Daniel Gross ist der Chef der größten Tiefbau-Baustelle weit und breit

Daniel Gross ist der Chef der größten Tiefbau-Baustelle weit und breit.

Quelle: Kathert

Im südlichen Teil der Deponie könnte man meinen, auf der untersten Ebene sei der Rasen schon gut angewachsen. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt er sich als eine geschlossene Decke aus Melde. Da wird wohl im nächsten Frühjahr nachgesät.

Verzögerungen gab es bei der Rekultivierung schon einige. Zum Beispiel, weil jemand auf der Deponie Zauneidechsen gesichtet hatte _ und das sind nun mal geschützte Tiere. „Wir mussten extra zwei Ersatzhabitate bauen, die Tiere erfassen nach weiblich und männlich und sie umsetzen“, erzählt Gross. Jetzt dürfen sich die Eidechsen in einem umgebauten ehemaligen Schlammbecken mit hübschen Kiesflächen tummeln. Auch direkt auf der Deponie ist für die Tiere ein Habitat geschaffen worden. Die unsortierten Holzhaufen auf dem fertiggestellten ersten Bauabschnitt sind also nicht vergessen worden, sondern sollen den Eidechsen als Spielwiese dienen. Platz wurde für etwa 750 Tiere geschaffen.

Großer Kipper bringen die Erde nach oben, die Baggerfahrer müssen sie gekonnt verteilen

Großer Kipper bringen die Erde nach oben, die Baggerfahrer müssen sie gekonnt verteilen.

Quelle: Enrico Kugler

Daniel Gross wird noch bis Ende 2017 zu tun haben, bis alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. Dann soll die Deponie austrocknen. Wie lange das dauert? Da kann Daniel Gross nur mit den Schultern zucken. „Vielleicht bis 2048 oder 2050.“ Dann könnte der Müllberg zur Ruhe gekommen sein. Gross könnte sich durchaus vorstellen, dass dann Schafe auf der Deponie weiden oder Kinder im Winter den Berg runterrodeln. Oder dass auf der obersten Plattform Windräder stehen. „Aber das wird alles nach meiner Zeit sein“, lacht er unbeschwert.

Von Andrea Kathert

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