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Die Flucht nach vorn

Die Milchkühe der LSV in Schwante Die Flucht nach vorn

Der niedrige Milchpreis macht auch der LSV Landwirtschafts GmbH in Schwante zu schaffen. Aber seine Milchkühe abzuschaffen, daran denkt Geschäftsführer Thomas Richter nicht. Ganz im Gegenteil. Er ergreift die Flucht nach vorne und will einen gläsernen Kuhstall bauen. Die LSV setzt auf Direktvermarktung und hat damit schon gute Erfahrungen gemacht.

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Die LSV will an den Milchkühen festhalten Sie setzt auf die Veredelung ihrer Milch auf dem eigenen Gelände.

Quelle: ENRICO KUGLER

Vehlefanz. Die LSV Landwirtschafts GmbH hält 190 Milchkühe. „Geld verdienen wir damit zurzeit alle nicht“, sagt Geschäftsführer Thomas Richter. Auch sein Unternehmen muss überlegen, wie es bei den niedrigen Milchpreisen weitergehen soll. Doch die Milchkühe abzuschaffen, kommt für Richter bis jetzt nicht in Frage. „Die Preise sind für alle gleich, aber wir können es besser als andere.“ Vielleicht kann das Richter sagen, weil die LSV schon vor Jahren weitergedacht hat. 2011 wurde die Milchtankstelle auf dem Hof eröffnet. Vor drei Jahren startete die eigene Eisproduktion. Beide Ideen, auf diese Weise eigene Milch einzusetzen, gingen auf. Natürlich ändert das auch nicht viel daran, dass Richter jeden Monat 13 000 Euro Miese verbucht. Mit dem Kälberverkauf, dem Schlachtvieh und der Gülleproduktion kann er die Verluste ein wenig mildern. So dass er gerade mit 24,5 Cent pro Liter dasteht.

 Vor drei Jahren machte die LSV ihre eigene Eisproduktion auf

Vor drei Jahren machte die LSV ihre eigene Eisproduktion auf. Auf dem Hof steht jetzt ein alter Pavillon, wo man zum Eisessen gemütlich sitzen kann.

Quelle: ENRICO KUGLER

Effektiver werden und Kosten senken ist für ihn der einzige Weg. „Wir verzichten auf teures Zukauffutter, setzen auf eigenes Getreide und eigene Silage.“ Gerade in der Grassilage ist viel Eiweiß. Dafür nimmt er gern in Kauf, dass die Leistung der Kühe im letzten Jahr von 10 300 Liter auf 9700 Liter runtergegangen ist. Sicher sei das noch kein optimaler Punkt. „Der Betrieb lebt im Moment von anderen Bereichen.“ Ohne die Biogasanlage und den Ackerbau sähe es für die Milchproduktion viel schlechter aus. Zurzeit stehen 350 Tiere auf der Anlage, vom Kalb bis zur Milchkuh. Der weibliche Nachwuchs wird groß gezogen, die männlichen Tiere gehen an den Mäster.

Landwirt Thomas Richter sieht nur einen Weg, wie die Milchbauern aus der Klemme rauskommen. „Alle müssten einfach weniger Milch produzieren.“ Die Bauern müssten sich eine freiwillige Milchquote auferlegen. In jedem anderen Wirtschaftszweig wird auch die Produktion gedrosselt, wenn der Markt überschwemmt ist. „Nur bei den Bauern geht das nicht in den Schädel rein“, sagt der Landwirt unverblühmt.

Im Moment sei es für viele Milchbauern bitter. Es findet gerade eine Marktbereinigung statt. Die LSV will mit ihrer Milchproduktion weiter machen wie bisher. „Und wenn es gar nicht mehr geht, müssen wir eben auch aufhören“, räumt Richter ein.

Doch bis dahin verfolgt der Landwirt eine andere Strategie. Er möchte nicht als „no name“ seine Produkte an Molkereien liefern und sich in die Hände von Konzernen begeben. „Wir setzen auf Direktvermarktung. Regionale Produkte – darauf stehen die Leute.“ Und das spürt er nicht nur an seiner Milchtankstelle und im Eispavillon, der jetzt auf dem Hof zwischen Schwante und Vehlefanz steht. Auch in der Gastronomie im Schloss Schwante laufen seine Produkte bestens.

Thomas Richter zeigt  die Pläne für den gläsernen Kuhstall

Thomas Richter zeigt die Pläne für den gläsernen Kuhstall.

Quelle: ENRICO KUGLER

Und deshalb hält Thomas Richter unverdrossen an seiner Idee fest, einen neuen Kuhstall zu bauen. Und zwar einen mit gläsernem Melkstand, wo die Besucher im Eiscafé miterleben können, wo der Rohstoff für das leckere Vergnügen, was sie gerade schlecken, seinen Ursprung hat. Im Sommer soll die Baugenehmigung für den „gläsernen Stall“ kommen. Als Bauzeit sieht Richter aber realistisch erst das Frühjahr 2018, wenn seine trockenstehenden Kühe auf die Weide können, der alte Stall abgerissen wird und bis November der neue stehen mus. Seine Kalkulation: Zwei Millionen Euro für den Stall, 400 000 Euro für das Eiscafé, das sich gleich an der Stirnseite anschließt. „Ich habe mir viele solcher Ställe angesehen“, sagt Richter. Deshalb glaubt er, dass das gut investiertes Geld ist. Denn ein hochmoderner Stall mit den neuesten Melkrobotern spart enorme Kosten bei der Milchproduktion. Die Banken davon zu überzeugen, wird vielleicht noch mal ein harter Brocken, aber der Geschäftsführer glaubt an sein Projekt. In einem hochmodernen Stall fühlen sich die Tiere wohler, sie sind gesünder und er braucht weniger Arbeitskräfte. Zwei Leute gehen in nächster Zeit ohnehin in Rente, das würde passen. Die Roboter sammeln so viele Daten, dass die Produktion an für sich schon effektiver wird. Und durch die Veredelung seiner Milch und durch die Erlöse aus dem Eiscafé glaubt Richter, eine Durststrecke zu überstehen. Und sollte der Milchpreis wieder steigen, weil weniger Milch auf dem Markt ist, ginge seine Rechnung auf.

Die LSV und ihre Branchen

Die LSV Landwirtschafts GmbH verkauft ihre Milch an die Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft (BMG). Die tritt als reiner Händler auf und verkauft die Milch weiter an die Molkereien.

Der Basismilchpreis liegt derzeit bei 18 Cent pro Liter. Die LSV braucht aktuell 35 Cent, um einen Liter Milch zu produzieren.

Die GmbH hält zurzeit 190 Milchkühe. Weitere Branchen der LSV sind Ackerbau, eine Biogasanlage, eine Mastschweinezucht, eine Mutterkuhherde und Wasserbüffel. Außerdem eine Milchtankstelle und Eisproduktion.

Von Andrea Kathert

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