Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Die Frau aus der Kälte

Oranienburg Die Frau aus der Kälte

Stefanie Semper ist gebürtige Oranienburgerin. Derzeit promoviert sie an der Uni Bergen in Norwegen und ist bei vielen Forschungsexpeditionen schon dabei gewesen. Auch in der Antarktis. Aktuell ist ein 2004 entdeckter Strom bei Island Forschungsobjekt der Geophysikerin.

Voriger Artikel
Polizei sucht Ladendieb
Nächster Artikel
Hunderte Ostereier im Vorgarten

Stefanie Semper bei einer Forschungsmission im Frühsommer 2016 im Lofotenbecken, bei der ein Wasserwirbel untersucht worden ist.

Quelle: Fotos: privat

Oranienburg. Seit Montag ist Stefanie Semper zu Hause in Oranienburg. Zum Osterurlaub bei der Familie. So häufig kommt das nicht vor, denn meist ist ihre Anreise ziemlich lang. Die 28-Jährige ist auf den Weltmeeren unterwegs. In Forschungsmissionen.

Stefanie Semper hat am LHG ihr Abi gemacht und ihren Bachelor in „Physik des Erdsystems – Meteorologie, Ozeanografie und Geophysik” an der Uni Kiel. Sie studierte 2011/12 auf Spitzbergen arktische Geophysik und machte bis 2015 ihren Master in Meteorologie und Ozeanografie an der Uni Bergen in Norwegen. Seit 2016 schreibt sie nun an ihrer Promotion zum Thema physikalische Ozeanografie. Bleibt also weitere vier Jahre in Bergen, wo sie in einer WG lebt.

2014 führte sie eine große Expedition zusammen mit 50 Forschern aus Deutschland, USA, Norwegen, Italien und Kanada an Bord des Forschungsschiffes „Polarstern” im Auftrag des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Das Hauptforschungsprogramm befand sich im Gebiet des Filchner-Ronne-Schelfeises in der Antarktis. „Für meine Masterarbeit habe ich damals die Gezeitenströme am Schelf untersucht, die Austauschprozesse im Wasser beeinflussen.“ Auch antarktische Eisbohrkerne lagen schon im neuseeländischen Wellington auf ihrem Tisch: Relikte der Vergangenheit. „Ein wahres Klimaarchiv.“

Ihr aktuelles Forschungsprojekt befindet sich nicht auf der anderen Seite der Erdkugel, sondern nördlich von Island. „Der nordisländische Jet ist erst 2004 entdeckt worden.Wir gehen den Fragen nach, wie läuft die Zirkulation, welche Verbindung besteht zum Golfstrom? Woher kommt das kalte, schwere Wasser? Das ist wichtig in Sachen Klimawandel und dass wir die Veränderungen besser verstehen.“

Immer wieder ist Stefanie Semper auf internationalen Forschungsschiffen unterwegs. Auch kommenden Sommer wieder, um den isländischen Strom zu beproben. Dabei untersucht werden die warmen und weniger dichten Wasserschichten, die sich oben befinden und die salzigen, kalten und schweren. Welche signifikanten Veränderungen gibt es? Wie zirkulieren die Ströme? Die 28-Jährige gehört dabei zu einer dreiköpfigen Doktorandengruppe. An langen Leinen, die 400 Meter und mehr in die Tiefe reichen und am Grund verankert sind, befinden sich in verschiedenen Tiefen Messinstrumente, auch für Druck und Strömungsgeschwindigkeit. Auftriebskugeln halten sie in Position. Und mit einer „Rosette” aus Wasserschöpfern nehmen sie Proben. Die Arbeit der Wissenschaftler ist ein Wechsel zwischen Wochen auf See und Monaten der Auswertung am PC im Büro. „Bei einem freut man sich immer auf das andere“, sagt Stefanie und lacht.

Und da Termine auf Forschungsschiffen langfristig gebucht werden, steht schon heute fest: „Ab Februar 2018 jagen wir für sechs Wochen Stürme“. Zwischen Island und Grönland wollen Wissenschaftler in aufgewühlter See das Absinken kalten Wassers beobachten und messen. Das amerikanische Schiff begleiten dabei auch Meteorologen aus Großbritannien per Flugzeug. Zudem werden „Gleiter“ ins Meer gesetzt, die autark arbeiten und in verschiedenen Meerestiefen Salzgehalt, Temperaturen und Strömungen messen.

Angst vor Seekrankheit habe sie aber nicht. „Aber man ist langsamer, hat mit Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen, vor allem die Arbeit am PC ist schwierig.“ Richtigen Wellengang hat sie auf dem Weg zum Südpol auf der „Polarstern“ erlebt, „das war schon anstrengend“. An Bord bestimmt Schichtarbeit den Tagesablauf. Und der Smutje. Für lange Nachtschichten nimmt sich die Oranienburgerin viel Literatur mit. Und Sportzeug fürs Trainingsprogramm.

Wo sie sich in zehn Jahren sieht? „Jede Antwort bei Forschungen wirft mehrere neue auf. Da bleibt viel zu tun“, sagt Stefanie Semper. Was sie immer und immer wieder aufs Neue beeindruckt: „Die Größe der Eisberge. Sie zeigen die Kraft der Natur und wie klein wir dagegen sind.“

Von Heike Bergt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg