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Die Germendorfer Feuerwehr ist nur noch ein Schutthaufen

Feuerwehrdepot abgerissen Die Germendorfer Feuerwehr ist nur noch ein Schutthaufen

Die Feuerwehrleute von Germendorf stehen vor den Trümmern ihres Depots. Nachdem im Dezember ein Brand das Haus unnutzbar machte, rückte nun der Abrissbagger an. Für manchen der Männer war das ein trauriger Moment.

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Am Mittwochmorgen stehen nur noch die letzten Wände des Depots.

Quelle: [Andea Kathert]

Germendorf. „Da hängen echt Erinnerungen dran“, sagt Cornel Gratz. Der Löschzugführer der Germendorfer Feuerwehr steht mit hängenden Schultern vor dem riesigen Schutthaufen, der einst das Feuerwehrdepot darstellte. „Dass wir irgendwann ein neues Depot bekommen, war schon klar“, meint Gratz. „Aber so schnell.“ Doch ein Brand im Dezember hatte alles geändert. Innerhalb weniger Stunden war das Feuerwehrhaus am 14. Dezember so sehr beschädigt worden, dass die Männer es nicht mehr nutzen konnten. Nun war der Abrissbagger angerückt. Schneller als den Germendorfer Feuerwehrleuten lieb war.

Am Dienstagabend stehen nur noch zwei Mauern des Depots. Ein riesiger Berg aus Ziegelschutt türmt sich zwischen Kirche und Sporthalle auf. Cornel Gratz steht ganz oben auf den Mauerresten und sieht ziemlich bedrückt aus. Für ihn und eigentlich alle Germendorfer Männer und Frauen der Wehr ist ein Stück Feuerwehrgeschichte verschwunden.

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Nach einem Brand im Dezember ist das Depot der Feuerwehr nicht mehr zu nutzen. Nun ist der Abrissbagger angerückt. Ein Stück Dorfgeschichte verschwindet gerade.

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Seit 1974 war das Depot nicht nur Anlaufpunkt für die Feuerwehr, hier spielte sich ein großes Stück des Dorflebens ab. Freundschaften wurden geschmiedet. Und manch einer lernte sogar seine Frau in der Feuerwehr kennen.

„Das ist schon ein ganz merkwürdiges Gefühl“, sagt auch Marcus Dalcke. Der stellvertretende Löschzugführer und Stadtjugendwart steht ein wenig abseits und schaut dem Baggerfahrer zu. „Seit 18 Jahren bin ich schon bei der Germendorfer Feuerwehr“, meint Dalcke. Dabei ist er jetzt grade mal 28 Jahre alt. „Es wäre wirklich schöner gewesen, wir hätten von hier gleich in das neue Depot umziehen können.“ Das neue Feuerwehrgebäude wird gar nicht weit weg auf dem Eckgrundstück an der Straße zum Bahnhof entstehen. Andrerseits sei es vielleicht gar nicht so verkehrt, wenn das alte Depot nun verschwindet. „Immer wenn man hier vorbeikommt, wird man an den Brand erinnert.“ Den 14. Dezember 2014 werden die Germendorfer Feuerwehrleute wohl nicht so schnell vergessen. Viel zu retten war nicht mehr. Aber unter Einsatz ihres Lebens hatten die Männer noch die Fahrzeuge aus der Halle geholt und ein paar Ausrüstungen sicher stellen können. Seither muss die Wehr improvisieren. „Unser Löschfahrzeug steht jetzt bei der OVG, auf dem Betriebshof“, erzählt Dalcke. „Der Pförtner öffnet uns immer die Tore, das klappt richtig gut, ist ’ne Super-Zusammenarbeit.“ Allerdings brauchen die Feuerwehrleute schon ein wenig länger, um zum Einsatz zu kommen. Einer der Fahrer muss erst das Löschfahrzeug und dann die anderen im Dorf abholen. „Dann stehen wir immer in voller Montur an der Bushaltestelle, das sieht bestimmt ziemlich komisch aus.“

Zum Lachen ist Marcus Dalcke am Dienstagabend allerdings nicht zumute. Der Bagger hat fast das ganze Depot abgetragen. Baggerfahrer Henri Kohlmetz ist schwer am Schuften. „Eigentlich wollten wir schon früher anfangen“, meint Kohlmetz, der in Pritzwalk einen kleinen Containerdienst betreibt. „Aber da soll irgendein seltener Vogel drin gewesen sein, der hat uns zwei Monate ausgebremst.“ Die Stadt musste in der Nähe sogar neue Nester anbringen.

Gespräch mit dem Löschzugführer Cornel Gratz

MAZ: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn sie hier vor dem Schuttberg stehen?

Cornel Gratz: Für viele von uns hängen nicht nur zahlreiche Erinnerungen an dem Depot, hier haben schon unsere Väter angefangen zu löschen. Und hier haben wir unsere Minifeuerwehr gegründet. Das hier, das war die Germendorfer Feuerwehr, auch wenn sie klein und eng war. Da spielt heute definitiv Wehmut mit. Wir haben eine ganze Menge selbst gemacht an dem Depot. Und wir haben immer zusammengehalten _ das ist unser Rezept.

Seit wann gab es denn das Feuerwehrhaus?

Gratz: Das wurde schon 1974 gebaut. Mein Vater und viele andere Germendorfer waren hier schon Feuerwehrleute. Hier haben wir viel erlebt, hier haben wir Freundschaften geschlossen und unsere Frauen kennengelernt. Wir wussten natürlich, dass das Depot mal wegkommt. Aber so schnell. Wer rechnet schon damit, dass das Feuerwehrhaus brennt. Besonders schlimm ist, dass sämtliche Einsatzberichte von 1990 bis 2006 verbrannt sind, die lagen auf dem Dachboden. Die sind unwiderruflich weg. Jetzt haben wir unsere Erinnerungen nur noch in den Köpfen.

Hat das dem Zusammenhalt Ihrer Truppe geschadet?

Gratz: Nein, überhaupt nicht. Keiner der Feuerwehrleute ist gegangen. Unsere Minis hatten auch schon Angst, dass es nun keine Feuerwehr mehr gibt in Germendorf. Aber uns kann hier nichts aus der Bahn werfen. Jetzt müssen wir einfach nach vorne schauen.

Sind Sie mit der Unterstützung der Stadt zufrieden?

Gratz: Oh ja, das klappt wirklich gut. Wir bekommen jede Unterstützung.

„Die Feuerwehrleute versorgen uns hier richtig gut mit Kaffee und Keksen,“ lacht der Baggerfahrer. Lange wird Kohlmetz nicht mehr zu tun haben. Am Mittwoch kann der Schutt schon abgefahren werden. „Am Donnerstag kommen die Archäologen.“ An dem Standort ganz in der Nähe der Kirche könnten noch Bodendenkmäler im Untergrund schlummern. Bevor die Bodenplatte verschwindet, muss das abgeklärt werden. „Freitag wollen wir eigentlich fertig sein“, sagt Henri Kohlmetz. Dann ist vom Germendorfer Feuerwehrdepot wahrscheinlich gar nichts mehr zu sehen.

Von Andrea Kathert

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