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Die Kirche ist ganz schön groß geraten

Hammer Die Kirche ist ganz schön groß geraten

Das kleine Dörfchen Hammer kann sich rühmen, eine besonders große Kirche zu haben. Es ist ein Stülerbau. Der Gutsherr wollte wohl ein wenig mit ihr prahlen. Die 85-jährige Elas Rakowski erzählt, was sie schon alles in dem Gotteshaus erlebt hat.

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In der Kirche von Hammer ist Elsa Rakowski getauft und konfirmiert worden. Und hier hat sie zweimal geheiratet.

Quelle: Fotos: Andrea Kathert

Hammer. Wenn einer die Kirche von Hammer gut kennt, dann ist es wohl Elsa Rakowski. „Ich bin in Hammer geboren, in der Kirche getauft und konfirmiert worden und habe zweimal hier geheiratet“, erzählt die 85-Jährige. Sie sitzt in der Winterkirche, die mit ihrem DDR-Charme an frühere Zeiten erinnert. Es ist Elsa Rakowskis Stammplatz. Wenn es ihre Gesundheit erlaubt, verpasst sie keinen Gottesdienst. „Früher als junges Mädchen habe ich sogar noch die Glocken geläutet.“ Und den Blasebalg für die Orgel getreten. „Früher stand hier in der Winterkirche noch ein eiserner Ofen.“ Auch den hat sie oft angefeuert, mit Holz. Lange ist’s her. Gottesdienst ist nun sonntags, mal am Vormittag, mal am Nachmittag, und dann gibt es noch eine schöne Kaffeerunde hinterher.

Stattlich sieht die Hammeraner Kirche aus

Stattlich sieht die Hammeraner Kirche aus.

Quelle: Kathert

Elsa Rakowski ist Ehrenälteste im Gemeindekirchenrat. Ihr Grundstück liegt nicht weit entfernt vom Friedhof, wo sie jeden Tag nach dem Rechten sieht. „Wenn Beerdigungen sind, mache ich vorher die Halle sauber“, erzählt sie ganz bescheiden. Und sie sorgt für frische Blumen.

Die Beisetzungen in Hammer sind noch irgendwie etwas Besonderes. Die Hammeraner Männer lassen es nicht nehmen, den Sarg selbst zum Friedhof zu tragen. „Das ist noch eine gute alte Tradition hier“, sagt Pfarrerin Barbara Fülle. Die Menschen in Hammer sind noch eine starke Gemeinschaft. „Ja, wir halten alle zusammen“, nickt Elsa Rakowski. Die Kirche ist sogar auf der Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Hammer verewigt.

Auch bei der Orgel sollte nicht gespart werden

Auch bei der Orgel sollte nicht gespart werden. Ziemlich gewaltig sieht sie aus. Doch die meisten Pfeifen sind nur Attrappen. Die Orgel hat nur ein kleines Manual.

Quelle: Kathert

Das Kirchenschiff in Hammer strahlt eine bescheidene Schönheit aus. Die Empore, die Geländer und die hölzerne Decke sind mit zarten Schablonenmalereien versehen. Auch der Altarraum mit dem Kreuz ist sehr schlicht. Nur der blaue Sternenhimmel sticht etwas hervor, er ist erst nach der Wende entstanden. Überall an den Wänden im Kirchenschiff und auf der Empore hängen Ölbilder. „Die sind von unserem Malermeister Alfred Schneider“, erzählt Elsa Rakowski. „Er hat sie uns für eine Ausstellung gebracht und dann gesagt, wir können sie behalten.“ Malermeister Schneider ist schon seit etlichen Jahren tot.

Auf der Empore sind die Bankreihen noch um viele Stühle ergänzt worden. „Ja, Heiligabend ist hier alles besetzt“, sagt Barbara Fülle. In Hammer gibt es dann einen Gottesdienst mit Krippenspiel speziell für Familien.

Rötliche bis schwarze Verfärbungen zeigen sich auf der Fassade

Rötliche bis schwarze Verfärbungen zeigen sich auf der Fassade.

Quelle: Kathert

Dass die Kirche innen so hübsch aussieht, hat seinen Grund. Erst 1994 ist sie komplett saniert und gemalert worden. Eigentlich auch von außen. Doch dort bietet die Fassade keinen schönen Anblick. Der eigentlich weiße Quaderputz ist nur an der Apsis noch weiß. Sonst ziehen sich rötliche, rostähnliche Verfärbungen über das Mauerwerk. In der Ecke zwischen Turm und Kirchenschiff ist die Fassade fast schwarz. Niemand weiß so richtig, wodurch die Verfärbungen kommen, vielleicht durch Moose. „Das war 1994 eine Sanierung mit vielen Schwierigkeiten“, sagt die Pfarrerin. Der äußere Schutzanstrich ist offenbar nicht sachgemäß zu Ende gebracht worden. „Aber die Stellen über zu streichen, hätte gar nichts gebracht“, meint Barbara Fülle. Deshalb sind über mehrere Jahre verschiedene Schutzanstriche getestet und ein Gutachten erstellt worden. „Und jetzt gibt es eine Lösung“, verkündet Barbara Fülle freudestrahlend. Es besteht die Option, dass die Sache im nächsten Jahr in Angriff genommen werden kann. Die gesamte Fassade müsste gesäubert werden und bekäme einen neuen Schutzanstrich. Etwa 50 000 Euro würde das kosten. „Aber dann ist die Kirche wieder richtig weiß“, sagt die Pfarrerin. Und würde bei einem Dorfspaziergang noch mehr ins Auge fallen, als jetzt schon.

Von Andrea Kathert

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