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Die Kirche trägt Schinkels Handschrift

Liebenwalde Die Kirche trägt Schinkels Handschrift

Die 1833 errichtete Stadtkirche von Liebenwalde trägt die Handschrift des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. Die Kirche ist ein Hingucker. Jedenfalls von außen. Innen blättert derweil die Farbe von den Wänden. Für eine umfangreiche Sanierung wird es höchste Zeit. Der Förderverein ist bereits aktiv geworden.

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Barbara Fülle und Jörn Lehmann stehen vor der Winterkirche.

Quelle: Kathert

Liebenwalde. Über die Liebenwalder Stadtkirche gibt es zwei Besonderheiten zu berichten. Zum einen hat sich vor Jahren ein Förderverein gegründet, dessen Aufgabe ausschließlich darin besteht, finanzielle Mittel für die Sanierung der Kirche zu finden. Und diese Aufgabe hat der Verein bereits bei der Außenhüllensanierung erfüllt. Wer Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann kennt, den wundert’s nicht, dass er den Vorsitz des Fördervereins inne hat.

Die zweite Besonderheit ist der Bauherr der Stadtkirche. Es ist Karl Friedrich Schinkel. Wie viele alte Gotteshäuser war auch der Liebenwalder Kirchenbau von mehreren Bränden heimgesucht worden. 1832 wütete der letzte. Die Kirche solle erneut aufgebaut werden. „Der Baumeister sollte sich an dem Normalentwurf von Schinkel orientieren“, erzählt Jörn Lehmann. Doch als Bauinspektor Hermann aus Zehdenick seinen Entwurf vorlegte, war Schinkel als Oberbaudirektor der Königlichen Oberbaudeputation nicht zufrieden. „Schinkel hat den Entwurf maßgeblich umgearbeitet“, meint Lehmann. Seine Handschrift ist heute an der doppelgeschossigen Anordnung der Fenster und dem ursprünglich separat stehenden Glockenturm zu erkennen. Auch Innen ist an der Kanzel , den Kerzenleuchtern oder dem Taufbecken zu sehen, dass Schinkel am Werke war. „Kunsthistoriker sagen deshalb, dass es ein Schinkelbau ist“, meint Lehmann. Von 1833 bis 1835 erbaut gehört die Stadtkirche zur späten Schaffenszeit des Baumeisters. „Und unsere Kirche ist ein Hingucker“, sagt Lehmann.

Von außen ist die Kirche ein absoluter Hingucker

Von außen ist die Kirche ein absoluter Hingucker. Zwischen Glockenturm und Kirche wurde erst 1876 eine Verbindung gebaut.

Quelle: Kathert

Vor allem, nachdem im Rahmen der Stadtkernsanierung die komplette Außenhülle einschließlich Dach und Decke saniert wurde. 600 000 Euro hatten die Arbeiten gekostet. „Von außen sieht unsere Kirche nun so schön aus“, sagt Pfarrerin Barbara Fülle. Doch drinnen blättert die Farbe von den Wänden. Es wird höchste Zeit, dass etwas getan wird. Genau deshalb hat der Förderverein ein 8000 Euro teures Gutachten anfertigen lassen, nach dem die Stadtkirche restauriert werden soll. Mit Jochen Hochsieder aus Rheinsberg hatten die Liebenwalder einen erfahrenen Restaurator gewinnen können. „Maßgeblich wollen wir die Erlebbarkeit Schinkels wieder herstellen“, beschreibt Lehmann das Ziel. Und dazu zählt in erster Linie, die Winterkirche zurückzubauen. Auch die Wände vor den Treppenaufgängen gab es nicht. Der Blick fiel früher direkt von der Eingangstür auf den Altar. Verschiebbare Glastüren sollen es ermöglichen, trotzdem eine Winterkirche bei Bedarf herrichten zu können. „Wir halten das für eine zweckdienliche Lösung“, sagt Lehmann. Die Kirche wird komplett farblich neu gestaltet, die Decke soll wieder Kassetten erhalten. Erneuert wird natürlich die Elektrik. Und die beiden riesigen Holzöfen können abgebaut werden.

Mit zwei von diesen gewaltigen Holzöfen wird bisher die Kirche beheizt

Mit zwei von diesen gewaltigen Holzöfen wird bisher die Kirche beheizt.

Quelle: Kathert

Die Kirche bekommt eine Heizung, die für eine konstante Grundtemperatur im Inneren sorgen soll und bei Veranstaltungen hoch gefahren werden kann. In der Sakristei ist geplant, eine Toilette einzubauen. Die Hoffungen von Barbara Fülle, hinter dem Altar auf den blauen Sternenhimmel von Schinkel zu treffen, haben sich nicht erfüllt. Die Kalotte ist eine Gipskonstruktion und trägt eine typische Bemalung aus der Zeit um 1900. Aber nachdem der Restaurator die Stadtkirche unter die Lupe genommen hat, ist auch Barbara Fülle ganz begeistert, welche versteckten Hinweise auf die früheren Zeiten in dem Kirchenbau zu finden sind. Direkt vom Altarraum führten einmal zwei Türen in die Sakristei. Der Sims hinter dem Kreuz ist irgendwann unterbrochen worden. „Der Witz bei Schinkel ist, dass von Weitem alles so prunkvoll aussieht“, sagt die Pfarrerin. Der Taufstein zum Beispiel, „ist nur ein Taufholz.“

Barbara Fülle (r) begrüßte gestern zufällig Marianne Tiedeke aus Berlin in der Kirche

Barbara Fülle (r.) begrüßte gestern zufällig Marianne Tiedeke aus Berlin in der Kirche. Die Berliner war selbst 30 Jahre Pfarrerin in der Nähe von Beeskow und schaut sich natürlich gern Kirchen an.

Quelle: Kathert

Im nächsten Jahr könnte der erste Bauabschnitt starten. Der Förderverein wird natürlich nicht als Bauherr auftreten. „Aber wir starten wieder eine Offensive, um finanzielle Mittel zu beschaffen“, sagt Jörn Lehmann. Er ist sich sicher, dass etliche Spenden zusammenkommen. „Die Liebenwalder hängen sehr an ihrer Kirche“, sagt er. „Auch wenn sie meistens nur zu Weihnachten rappelvoll ist.“

Der Kirchensprengel

Zur Kirchengemeinde Liebenwalde gehören Liebenthal, Hammer und Liebenwalde. Jeder Ort hat seine eigene Kirche. In Liebenwalde werden jeden Sonntag um 10.30 Uhr Gottesdienste abgehalten. In Hammer und Liebenthal finden sie einmal im Monat statt.

Zum Pfarrsprengel Liebenwalde gehören außerdem noch Neuholland, Zehlendorf und Wensickendorf.

Seit 2009 ist Pfarrerin Barbara Fülle für den Sprengel zuständig.

In den Sommermonaten steht die Liebenwalder Stadtkirche für Besucher offen. Kirchenführungen werden nach Anmeldungen organisiert. Kontakt unter Tel. 033054/9 08 31. 

 

Von Andrea Kathert

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