Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Die Lust am Spiel ist das Wichtigste

Musiklehrer unterrichtet in Oranienburg Die Lust am Spiel ist das Wichtigste

Stefan Most ist ein junger Musiker, der an der Oranienburger Musikschule „Klang-Farbe Orange“ die Instrumente Horn und Trompete unterrichtet. Wenn ein Schüler mal nicht geübt hat, versucht er ihn mit der Auswahl bekannter Stücke zu motivieren. Denn die Lust am Spiel sei der Schlüssel zum Erlernen eines Instruments, sagt Most.

Voriger Artikel
Hennigsdorf: Weitere 30 TBC-Fälle in der Kita?
Nächster Artikel
Kraftfahrer reihenweise ohne Papiere

Stefan Most mit der Trompete, er spielt gerne mit seinen Schülern zusammen und ebenso gerne im großen Orchester.

Quelle: ENRICO KUGLER

Oranienburg. Stefan Most (34) ist Musiklehrer an der Oranienburger Musikschule Klang-Farbe Orange an der Straße der Einheit. Im Interview erzählt er, warum er gerne unterrichtet und wie er selbst zur Musik gekommen war.

MAZ: Welche Instrumente spielen Sie?

Stefan Most: Ich bin studierter Hornist, mein Zweitinstrument ist die Trompete.

Wer hat Ihnen die Musik nahegebracht?

Most: Meine Eltern sind Berufsmusiker und arbeiten im Magdeburger Opernhaus. Mein Bruder und ich, wir sind mit Musik großgeworden. Mein Vater ist Hornist, ich fand das Instrument immer toll. Die Eltern ließen uns freie Wahl, ob wir Musik machen wollen und welches Instrument wir wählen. Zuerst spielte ich Klavier, doch da musste ich viel üben. Es schien mir leichter zu sein, das Horn zu spielen. Ich hatte meinen Vater nie viel üben gesehen. Doch er übte im Opernhaus, das habe ich zu Hause nicht so mitgekriegt. Die Entscheidung fürs Horn habe ich nie bereut. Ich studierte dieses Instrument an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Mein Bruder ist Sänger geworden.

Wie kamen Sie zur Lehrtätigkeit?

Most: Ich bin Diplommusiker. Während des Studiums, das ich 2007 abschloss, war ich studentische Aushilfe im Konzerthaus-Orchester Berlin. So erhielt ich praktische Erfahrungen in einem großen Orchester. Es gibt zu viele Musiker, aber zu wenige Stellen in großen Orchestern. Deshalb machte ich mich selbstständig und betreibe das Unterrichten als ein Standbein meines Berufes.

Was ist das andere Standbein?

Most: Wissen Sie, ein Musiker möchte selbst spielen. Unter den Musikern gibt es viel Mundpropaganda, wo Orchester entstanden sind oder in welchen Orchestern gerade Musiker gesucht werden. Ich spiele im Neuen Kammerorchester Potsdam mit, außerdem im Preußischen Kammerorchester Prenzlau und im Berliner Kammerorchester. Zeitlich klappt das gut. Vormittags sind die Orchesterproben, nachmittags unterrichte ich. Und am Wochenende sind die Konzerte.

Sie wohnen mit Ihrer Verlobten, einer Geigerin, in Berlin. Wie sind Sie nach Oranienburg gekommen?

Most: Ich hatte 2010 an der Musikschule in Eden unterrichtet und wechselte dann gemeinsam mit anderen Lehrern an die neu gegründete private Musikschule Klang-Farbe Orange. Ich unterrichte Horn und Trompete.

Macht Ihnen das Unterrichten genauso viel Spaß wie die Orchestermusik?

Most: Auf jeden Fall. Es ist schön, wenn die Arbeit Früchte trägt und man merkt, dass der Schüler geübt hat.

Und wenn nicht?

Most: Dann muss man Pädagoge sein. Mein Musik-Professor Kurt Palm meinte stets, man solle Talente hervorheben und stark fordern. Ich habe mit meinem Schülern immer die Kurve gekriegt.

Was machen Sie, wenn ein Schüler nicht übt?

Most: Ich versuche, erstmal rauszukriegen, was ihm gefällt. Dann schlage ich ein lustiges Stück vor. Bekannte Weihnachtslieder sind auch immer gut geeignet, die Lust am Spiel auf dem Instrument zu wecken.

Und wenn das nicht funktioniert?

Most: Dann schlägt man mal eine Unterrichtspause vor, empfiehlt dem Schüler aber, das Instrument nicht rosten zu lassen und doch ab und zu mal zu spielen. Meist kommt dann doch der Anruf, wieder Unterricht haben zu wollen. Ich will stressfrei was vermitteln. Und ich mache deutlich, dass es keine Fortschritte gibt, ohne zu üben.

Welche Tricks setzen Sie noch ein, damit Schüler dranbleiben am Üben und Musikmachen?

Most: Ich bin immer für alles offen. Wenn Schüler einen Wunsch äußern, was sie mal gerne spielen würden, gehe ich drauf ein. Ich erkläre, dass die Theorie wie Tonleitern sein muss, um ein Stück spielen zu können.

Spielen Sie selbst auch mit?

Most: Ja, sehr gerne. Das macht auch den Schülern viel mehr Spaß und der Lerneffekt ist größer. Denn der Schüler hört intensiver mit, was gespielt wird.

Nutzt die Musikschule diesen Effekt ebenfalls?

Most: Auf jeden Fall. Es gibt Klassenvorspiele vor den Eltern, Auftritte von zwei Instrumentengruppen, wie zum Beispiel Flöte und Horn, Konzerte bei Festen und mit dem Chor der Schule.

Ist es Ihnen nicht manchmal langweilig, stets aufs Neue dieselben Stücke mit Schülern zu üben?

Most: Wenn man das langweilig finden würde, sollte man kein Berufsmusiker sein. Auch im Orchester wiederholen sich Stücke. Es ist schön, ein Kind von den ersten Tönen auf einem Instrument bis zum Spielen des ersten Liedes zu bringen. Zum Beispiel zu Weihnachten. Das ist ein tolles Erfolgserlebnis für das Kind und auch für mich als Lehrer.

Haben Sie als Lehrer noch freie Kapazitäten?

Most: In Oranienburg könnte ich noch Schüler nehmen. Ich unterrichte aber außerdem noch an Schulen in Berlin und leite eine Arbeitsgruppe Horn an einer regulären Schule.

Wären Sie lieber fest angestellter Musiker?

Most: Ich bin als Freiberufler zufrieden. Als fest Angestellter könnte ich gar nicht so viele unterschiedliche Dinge machen.

Was sind das für Dinge?

Most: Ich spiele im Berliner Waldhorn-Ensemble mit, außerdem im Jazzorchester von Hannes Zerbe mit 16 Mitgliedern. Wir spielen eher neue Jazz-Kompositionen. Freizeit und Beruf gehen ineinander über.

Was hören Sie gern privat?

Most: Opulente Werke. Wenn ich die Wohnung putze, höre ich Wagner oder Bruckner oder auch bayerische Blasmusik.

Was sind Ihre Hobbys?

Most: Ich interessiere mich für Stadtgeschichte, lese zum Beispiel auch gern Fachbücher zur preußischen Geschichte.

Wenn Sie mal Kinder haben sollten, würden Sie diese an die Musik heranführen?

Most: Die würden wie ich damit großwerden. Ich würde keinen Druck ausüben, aber klarmachen, dass man ohne zu üben nicht zur Musikschule gehen braucht.

Unterrichten Sie lieber Kinder oder Erwachsene?

Most: Wer mit Feuer und Flamme dabei ist, sollte es probieren, ein Instrument zu erlernen. Erwachsene haben meist ein Problem: ihre Erwartungshaltung. Nach dreimal Üben kann man eben noch kein Stück von Mozart spielen. Auch die Finger sind nicht mehr ganz so beweglich. Kinder, die ein Blasinstrument spielen lernen wollen, sollten zehn Jahre alt sein und die zweiten Zähne haben. Denn mit Zahnlücken bläst es sich schlecht. Ansonsten finde ich unsere Zehnerkarte super, vor allem für Berufstätige, die nicht regelmäßig kommen können. Da hat man zehnmal Unterricht, kann sich die Tage und Zeiten aussuchen und kann mal reinschnuppern.

Kontakt: Die Musikschule „Klang-Farbe Orange“ befindet sich in Oranienburg an der Straße der Einheit 37, das Gebäude ist rollstuhlgerecht, Telefon: 0 33 01/7 07 00 21, Leiterin ist Verena Schluß, Internet: www.klang-farbe-orange.de

Von Marion Bergsdorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg