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Oberhavel Die Pfarrerin sagt Tschüß
Lokales Oberhavel Die Pfarrerin sagt Tschüß
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16:29 21.10.2016
Barbara Fülle sagt den Wensickendorfern und allen anderen auf Wiedersehen. Quelle: Andrea Kathert
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Wensickendorf

Barbara Fülle weiß zu jeder Kirche was zu sagen. Seit Sommer 2009 hat sie sich im Pfarrsprengel Liebenwalde mit sechs Gotteshäusern vertraut gemacht, eines davon steht in Wensickendorf. „Die Kirche ist das älteste Gebäude im Dorf“, erzählt sie. Wahrscheinlich stammt es aus dem 15. Jahrhundert. Betritt man das Kirchenschiff, wird es einem irgendwie warm ums Herz. Anheimelnd ist es. Barbara Fülle steuert schnurstracks auf die größte Besonderheit der Kirche zu: den Altar, dessen Rückwand die Jahreszahl 1691 trägt. Ursprünglich war die Kirche katholisch, damals stand die Kanzel noch extra. Jetzt sind Kanzel und Altar zusammengefügt – typisch für lutherische Altare. „Nein, in der Kanzel konnte ich nicht predigen, ich war nie da oben“, sagt die Pfarrerin. Wahrscheinlich wäre sie mit dem reich verzierten Holzbau zusammengebrochen. „Da ist der Wurm drin.“ Und damit ist auch schon das größte Problem der Wensickendorfer Kirche benannt. „Der Altar müsste dringend saniert werden“, sagt die 45-jährige Pfarrerin.

Von dort oben kann leider niemand predigen, in der Kanzel treibt der Holzwurm sein Unwesen. Quelle: Kathert

Schaut man genauer hin, entdeckt man viele Details, die diesen Altar so besonders machen. Nach dem Zusammenfügen sind an der Kanzel nur noch zwei der Evangelisten zu sehen: Lukas und Markus. Matthäus und Johannes sind verdeckt. Ganz oben über der Kanzel weisen zwei Engel auf einen alten Abendmahlsbrauch hin. Links steht der Engel mit dem Brotteller, rechts der mit dem Abendmahlskelch. „Hier wurde das Wandelabendmahl abgehalten“, erzählt Barbara Fülle. Links vorm Alter nahm man das Brot in Empfang. „Dann liefen die Leute hinter dem Altar auf die andere Seite“, macht die Pfarrerin vor, wobei sie sich ziemlich bücken muss. Früher waren die Menschen eben viel kleiner.

Mehrmals wurde die Orgel umgebaut, jetzt stecken praktisch drei Orgeln in einer. Quelle: Kathert

Auf der Empore steht eine Orgel, die auch ihre Besonderheit hat. „Das sind eigentlich drei Orgeln in einer.“ Die Ursprungsorgel von Dinse, gebaut Ende des 19. Jahrhunderts, hatte einen weichen Klang. Zwei mal wurde sie noch umgebaut. Und heute wird sie oft zu Trauungen gespielt. „Die Kirche ist eine klassische Hochzeitskirche geworden“, meint die Pfarrerin. Dank der Verbindung mit dem Landhotel Classic lassen sich viele Paare gleich in Wensickendorf trauen. Die meisten Paare kommen aus Berlin. „Sie sehen vor sich das Hotel, und hinter sich gleich die Kirche“, meint Barbara Fülle, das passt. Auch für Hochzeitsgesellschaften hat das Wensickendorfer Kirchenschiff genau die richtige Größe. Etwa 120 Gäste finden Platz.

„Den Wensickendorfern ist ihre Kirche sehr lieb und wichtig“, weiß die Pfarrerin. Sie hat eine große Bedeutung für’s Dorf. Deshalb sei es auch wichtig, das zu den Gottesdiensten die Glocken läuten. Die werden immer noch mit Muskelkraft zum Klingen gebracht. Barbara Fülle zeigt die drei Seile, die hinter der Orgel hängen. Daran ziehen mag sie lieber nicht. Denn wenn in Wensickendorf mittags die Glocken läuten, heißt das, jemand ist gestorben im Dorf.

Die Kirche bietet etwa 120 Besuchern Platz, gern lassen die Paare hier trauen. Quelle: Kathert

Den nächsten Gottesdienst, die nächste Taufe oder die nächste Beerdigung wird Barbara Fülle in Wensickendorf nicht mehr miterleben. Auch nicht in den anderen Kirchen ihres Pfarrsprengels. Am 31. Oktober endet ihre Amtszeit. Ab 1. November wird sie die Gemeinde „Am Säggeluchbecken“ in Berlin-Reinickendorf übernehmen. Damit geht sie sozusagen in ihre alte Heimat zurück, denn seit 1989 hatte sie Reinickendorf gelebt. In Potsdam fand sie damals ihre Berufung und arbeitete lange als Krankenhausseelsorgerin.

Seit Juli 2009 hielt Barbara Fülle in der Wensickendorfer Kirche ihre Gottesdienste ab. Quelle: Enrico Kugler

Bis es sie 2009 zu neuen Herausforderungen zog, auf die Gemeindepfarrstelle in Liebenwalde. Nach reichlich sieben Jahren kann sie nun sagen: „Diese Zeit war sehr angefüllt, reichhaltig in jeder Hinsicht.“ So wie die ganze Spannbreite des Lebens. „Ich habe fröhliche Feste miterlebt, ganz tolle Sachen, und genauso viele tragische Ereignisse und Unfälle.“ Ihren Kirchenmitgliedern sagt sie: „Wir haben miteinander viel durchgestanden.“ Ihre Stelle werde in Kürze wieder in guten Händen sein. Das ist für sie eine große Freude und für die Gemeinde ein großer Glücksfall.

Den Liebenwaldern und den Gemeindemitgliedern aus Wensickendorf und Zehlendorf sagt Barbara Fülle am 30. Oktober um 14 Uhr in der Liebenwalder Stadtkirche auf Wiedersehen. Aus der Welt ist ja nicht. Irgendwann wird es sie auch zu einem Besuch nach Wensickendorf verschlagen.

Von Andrea Kathert

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