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Oberhavel Die Villa ist gerichtet
Lokales Oberhavel Die Villa ist gerichtet
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02:15 10.03.2017
Zimmermann Daniel Spindler aus Oranienburg hielt den zünftigen Richtspruch. Quelle: Enrico Kugler
Lehnitz

Eigentlich ist Investor Lothar Stenzel ein Mann der Taten. Doch beim letzten Nagel, den er am Dienstag in den neuen Dachstuhl der Villa Sachs schlug, musste er zweimal ansetzen. Macht nichts! Die Freude darüber, dass das ehemalige jüdische Erholungsheim an der Magnus-Hirschfeld-Straße vor dem Verfall gerettet wurde, war wesentlich größer.

Investor Lothar Stenzel (vorne) führt unter anderen Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke durchs Haus. Quelle: Enrico Kugler

Nicht nur von außen zeugt die komplett eingerüstete Villa von viel Arbeit. Der Baufortschritt, den Lothar Stenzel im Inneren präsentieren konnte, war noch beeindruckender. Seine Gäste führte er gerne ins Dachgeschoss. „Dort haben wir das meiste Geld versenkt.“ In der Tat war von dem Dachstuhl der 1898 erbauten Villa nichts mehr zu retten gewesen. Die Nässe, die über Jahre durch das kaputte Dach eingedrungen war, und die Holzwürmer hatten im Gebälk ganze Arbeit geleistet. Der Dachstuhl musste komplett abgerissen und neu aufgebaut werden. Nur die Außenfassade blieb unangetastet. In diesem Zuge verschwanden die zahlreichen Stützbalken in den Dachgeschossräumen. Nun haben die Maisonettewohnungen große lichtdurchflutete Zimmer. Die größte Wohnung mit der neuen Dachgaube zur Straße hin, zu der noch der ausgebaute Dachstuhl gehört, hat bereits ein Rechtsanwalt gekauft.

Mit dem neuen Dachstuhl entfielen die zahlreichen Stützen in den Räumen. Dafür mussten einige Stahlträger eingesetzt werden. Quelle: Enrico Kugler

Auch in der darunterliegenden Etage sind die Grundrisse der Wohnungen nun zu erkennen. Sie sind links und rechts vom alten Treppenhaus zu erreichen. An dem Giebel, der zum Lehnitzsee zeigt, werden Balkone angebaut. Die Wohnungen am anderen Giebel sind durch ein separates Treppenhaus zu erreichen.

Stolz ist Lothar Stenzel auch auf das ausgebaute Erdgeschoss – die bel etage wie er es nennt. Der komplette Anbau in Richtung Wald wurde mühsam abgerissen. „Da war so viel Stahl drin“, sagt Stenzel augenrollend. „Den mussten wir regelrecht abknipsen.“ Jetzt ist die riesige Öffnung zu erkennen, die später einen wunderschönen Blick ins Grüne freigibt.

Im Treppenhaus ist das originale Geländer wieder aufgearbeitet worden. In der Mitte wird ein Fahrstuhl eingebaut. Quelle: Enrico Kugler

Das Gröbste und Zeitaufwendigste an der Sanierung der Villa ist offenbar geschafft. „Im August soll alles hier fertig sein.“ Die künftigen Besitzer der Wohnungen kommen aus Berlin und ganz Deutschland, darunter bekannte Schauspieler, ein Notar, ein Fußball-Profi. Sie werden ihre Wohnungen vermieten. „Die Eigennutzer waren nicht schnell genug“, sagt Stenzel. Die Sanierung ist sehr kostspielig, die Quadratmeterpreise liegen deshalb bei rund 4000 Euro. „Bei diesen Preisen haben die Oranienburger gezuckt.“ Auch die neuen Stadtvillen, die rechts und links des Altbaus entstehen, werden so teuer werden.

Der nächste Bauabschnitt ist bereits in Gange. Links von der Villa sind die Baugruben für zwei Stadtvillen ausgehoben. In dem großen Baufeld rechts von der Villa werden noch einmal sechs Häuser und eine Tiefgarage entstehen. Quelle: Enrico Kugler

Lothar Stenzel, Geschäftsführer der Berliner Firma „brenta real“, sprach in den höchsten Tönen über die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Denkmalschutz. Über den Bürgermeister sagt er: „Ein Mann, ein Wort – das hat alles prima geklappt.“ Auch in Ortsvorsteher Matthias Hennig habe er einen großen Unterstützer gefunden. „Dieses Erholungsheim ist ein wichtiger Zeitzeuge der Geschichte, es ist mir eine Ehre, es zu sanieren“, sagte Lothar Stenzel.

Von Andrea Kathert

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