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Oberhavel Die Wildtierretter geben nicht auf
Lokales Oberhavel Die Wildtierretter geben nicht auf
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00:33 14.08.2015
Dem Schweinchen geht es gut in Wensickendorf. Aber es ist vom Veterinäramt nur geduldet. Quelle: Fotos: Robert Roeske
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Wensickendorf

Die Wildtierretter aus Lehnitz haben ein neues Domizil gefunden. In Wensickendorf liegt das etwa 4000 Quadratmeter große Grundstück, ganz am Rande der Siedlung Rahmer See. Eigentlich müsste die Freude der Tierschützer groß sein. Doch nun haben sie mit anderen Hürden zu kämpfen. Auf dem Grundstück im Gartenweg 15 darf nichts gebaut werden, es liegt im Außenbereich.

Im April 2014 hatten der Gnadenhof und die Wildtierrettung in Lehnitz schließen müssen, das Grundstück musste geräumt werden. Sämtliche Tiere wurden auf Pflegestellen verteilt. Seither waren die Wildtierretter auf der Suche nach einer neuen Bleibe. „50 000 Kilometer sind wir durch ganz Brandenburg und noch weiter gefahren“, erzählt Betreiberin Sandra Giese. Viele Objekte haben sich die Tierschützer angesehen, selbst an öffentlichen Ausschreibungen teilgenommen. Nichts klappte. Im Februar gründete sich der Verein, um die Arbeit finanziell und strukturell auf bessere Füße zu stellen. Und bei allem, was war, die Wildtierrettung lief immer weiter. „Niemals haben wir nein gesagt, wenn wir gerufen wurden, auch wenn es manchmal sehr schwierig war“, meint Ruth Schnitzler vom Vereinsvorstand. Nach wie vor wenden sich Polizei, Feuerwehren, die Ordnungsämter oder der Naturschutzbund an den gemeinnützigen Verein, wenn ein Wildtier verletzt irgendwo aufgefunden wird. Die Institutionen sind froh, einen Ansprechpartner zu haben, der sich auch noch kostenlos der Tiere annimmt, sie zu Tierärzten und in Auffangstationen bringt.

Nun glaubten die Vereinsmitglieder, den Tieren selbst wieder ein Zuhause und Hilfe bieten zu können. Im März diesen Jahres gingen sie in Verhandlungen zu dem inzwischen unbewohnten Grundstück im Gartenweg und luden sich damit einen Berg von Arbeit auf. Niemand könne sich vorstellen, wie das Grundstück ausgesehen habe, schüttelt Ruth Schnitzler den Kopf. „Sechs Wochenenden haben hier 50 Leute geschuftet.“ Radlader und Minibagger waren nötig, um Ordnung zu schaffen. 88 Kubikmeter Müll und unzählige gelbe Säcke mit vergammelten Inhalt wurden entsorgt. Die Ratten fühlten sich ausgesprochen wohl. Jetzt ist das Grundstück mit dem kleinen Wohnhaus und viel Freigelände kaum wieder zu erkennen, obwohl es noch viel zu tun gibt. Der Blick auf die Streuobstwiesen ist frei. Der Hof wäre ideal für eine neue Station. Das erste Gehege für ein kleines Schwein ist errichtet. Und das Ferkel freut sich des Lebens.

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Was für eine Hitze. Da hilft nur ein kühles Bad.

Doch dann kam die Nachricht von der Unteren Bauaufsicht des Kreises. „Uns wurde gesagt, dass auf dem Grundstück keine Wohnnutzung und keine Tierhaltung möglich ist“, schildert Ruth Schnitzler. Der Bestandsschutz aus DDR-Zeiten gilt nicht.

Ein neuer Verein

Nach der Schließung des Gnadenhofes in Lehnitz im April 2014 gründeten im Februar 2015 sieben Tierretter den Verein „Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere e. V.“ 20 Fördermitglieder arbeiten mit. Insgesamt engagieren sich etwa 50 Tierfreunde. Der Vereinssitz ist in Brieselang, Ahornweg 18.

Der gemeinnützige Verein kümmert sich um verletzte und verwaiste Wildtiere und ist bei seiner Arbeit auf Spenden angewiesen.

Auf dem neuen Gelände in Wensickendorf sollen wie damals in Lehnitz Schulklassen, Kita-Kinder und Rollstuhlfahrer begrüßt werden. In der Tierstation könnten wieder Projekte für Menschen zur Wiedereingliederung laufen.

Weitere Informationen unter www.notkleintiere.de

Nach dem ersten Schock wollen die Tierretter den Kopf nicht in den Sand stecken. Eine andere Bleibe würden sie nicht finden. Ihre einzige Chance, so wurde ihnen geraten, sei es, ein Bauleitplanverfahren zu beantragen. „Das kann wohl bis zu einem Jahr dauern und soll richtig teuer sein“, meint Ruth Schnitzler. Der Verein ist mehr denn je auf Unterstützung angewiesen. Inzwischen haben die Vereinsmitglieder öffentliche Stellen konsultiert, sind mit Behörden im Gespräch und sie wollen sich an die Stadtverordneten wenden. Wenn es mit dem Hof in Wensickendorf nicht klappt, wissen die Tierretter auch nicht weiter. „Dann müssen wir aufgeben, wir haben keine Alternative“, sagt Ruth Schnitzler. Die verletzten und verwaisten Tiere würden wahrscheinlich sterben. Die größeren müsste ein Jäger töten. Doch so weit soll es nicht kommen.

Von Andrea Kathert

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