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Die letzte Kneipe ist dicht

Wensickendorf Die letzte Kneipe ist dicht

Auf dem Dorf eine Gaststätte aufrecht zu erhalten, ist ein hartes Brot. Das bekommt auch die MAZ öfter in ihrer jetzigen Serie zu hören, die sich ganz besonders den Ortsteilen von Oranienburg widmet. In diesem Sommer hat es die Wensickendorfer getroffen. Nichts ist mehr mit einem Bierchen am Stammtisch.

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Seit Sommer hat sie geschlossen: die Kutscherstube. Die Inhaber sind in Rente gegangen.

Quelle: Kathert

Wensickendorf. Wenn die Wensickendorfer mal gemütlich ein frisch gezapftes Bierchen zusammen trinken wollen, dann wird es kompliziert. Im Dorf jedenfalls gibt es keine Gaststätte mehr, wo sie das tun könnten.

Freilich, da gibt es noch das Hotel „Classic“an der Hauptstraße . Aber das ist eben kein Ort, um eine Stammtischrunde abzuhalten. Das Hotel hat sich längst einen anderen Namen gemacht, ist unter anderem eine gute Adresse für Hochzeitspaare und solche, die es werden wollen. Die Hochzeitsmessen im „Classic“ Hotel sind über die Region hinaus bekannt und locken zu diesen Events auch viele Besucher in den Ortsteil.

Auf der Tafel an der Kutscherstube ist noch fein säuberlich die Speisekarte aufgemalt

Auf der Tafel an der Kutscherstube ist noch fein säuberlich die Speisekarte aufgemalt. Als wenn es morgen wieder Schnitzel und Kohlroulade gibt.

Quelle: Kathert

Doch den Einheimischen und ihrer Kneipenkultur nützt das nicht all zu viel. Bis zu diesem Sommer haben sich die Wensickendorfer noch in der „Kutscherstube“ in der Summter Chaussee getroffen. Da ging es recht zünftig zu. Aber dann gingen die Eigentümer in den wohlverdienten Ruhestand. Ein Nachfolger scheint nicht in Sicht zu sein, obwohl ein Zettel an der Tür von derzeitigen Umbauarbeiten berichtet. Und selbst die Speisekarte, fein säuberlich auf eine Tafel am Eingang geschrieben, macht den Eindruck, als würde es bald wieder Schnitzel und Kohlrouladen in der „Kutscherstube“ geben.

Ob es doch bald weitergeht in der Kutscherstube

Ob es doch bald weitergeht in der Kutscherstube? Auf jeden Fall ist die Sache mit den gelben Säcken geregelt.

Quelle: Kathert

Auch das „Schlemmerstübchen“ in der Hauptstraße hat es mit einem Mittagstisch probiert. Aber die Firmen und die Einheimischen kamen nicht in Scharen. Der Mittagstisch funktionierte nicht. Nun setzt die Inhaberin auf Catering und kommt damit offenbar besser über die Runden.

Heutzutage eine Gaststätte auf dem Dorf zu halten, ist schwer für die Gastwirte. Wenn die Einheimischen nur einmal in der Woche ihr Bierchen trinken, kann niemand davon leben.

Ja, so abgedroschen wie das klingen mag, aber früher war das eben anders. Da gönnten sich die Männer nach Feierabend gern ein Pils, oder zwei. Da kamen die Vereine. Da wurden sämtliche Familienfeste in der Dorfkneipe gefeiert: Taufe, Hochzeit, runde Geburtstage und Beerdigungen. Inzwischen sind Feierlichkeiten, wo viele aus dem Dorf als Gäste kommen, nur noch von Gutbetuchten zu bezahlen. Immer vorausgesetzt, es gibt überhaupt noch einen Gasthof mit Saal im Ort.

Auch wenn sich etliche Wensickendorfer eine Gaststätte wünschen, die Realität, dass sich eine halten könnte, sieht anders aus.

Ähnlich gelagert ist das Problem zum Thema Einkaufen. Der Konsum in der Hauptstraße hat schon lange dicht gemacht. Und seit in Schmachtenhagen ein Discounter eröffnet hat, der so konzipiert ist, das er die Kaufkraft von Schmachtenhagen, Wensickendorf und Zehlendorf abschöpfen kann, wird es in Wensickendorf wohl keinen zweiten Markt geben. Ortsvorsteher Heinz Ließke sieht es genau so, ganz realistisch. „Das ist sehr bedauerlich, aber als Ortsbeirat werden wir daran nichts mehr ändern können.“

Ortsvorsteher Heinz Ließke würde es ganz charmant finden, wenn es am Ortseingang von Schmachtenhagen her eine Tankstelle geben würde. Für die Leute, die beim Einkaufen außerhalb doch noch was vergessen haben. Aber auch das sei natürlich unter Marktbedingungen nicht realisierbar, weiß Ließke selbst. „Das würde sich genauso wenig in Wensickendorf rechnen.“

Von Andrea Kathert

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