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Oberhavel Die letzte Ofenfabrik
Lokales Oberhavel Die letzte Ofenfabrik
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13:37 30.07.2016
Ulrich Jahn mit Ines Hübner vor den Öfen. Quelle: Foto: Paetzel
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Velten

Gut 1000 Grad Celsius im Ofen haben die Spaltplatten hinter sich. Nun lagern die 6500 schmalen Fliesen auf dutzenden Paletten. „Die sind für den Bahnhof Adlershof, da muss einiges erneuert werden“, sagt Ulrich Jahn, der die Firma B.O.S.-Keramik mit seinem Vater Karl-Ernst Kraack führt. Am Donnerstag schüttelte ihnen Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner die Hände, sie schaute im Rahmen ihrer Sommertour in der Fabrik schräg gegenüber vom Ofenmuseum vorbei.

Etwa 80 Prozent der Aufträge sind Baukeramiken, also etwa Formsteine, Dachziegel oder Fliesen, die in der Ofenfabrik ihre Glasur erhalten. Stücke von B.O.S.-Keramik finden sich unter anderem am Gästehaus der holländischen Königin Máxima, dem Hamburger Hauptzollamt oder dem Haus des Rundfunks in Berlin. „Es ist toll, dass alles durch unsere Hände gegangen ist“, so Ulrich Jahn.

1996 wagte sein Vater Karl-Ernst Kraack in alten der Ofenfabrik von Karl Sensse, Baujahr 1886, einen Neuanfang. Zur Wende wurde die Produktion in dem Betrieb eingestellt, die Mitarbeiter ließen alles stehen und liegen. „Es standen noch Bier- und Schnapsflaschen auf den Tischen, alles war vermüllt“, erinnert sich Karl-Ernst Kraack. Zusammen mit seinem Sohn, damals noch Teenager, entrümpelte er die baufällige Fabrik innerhalb von einem Jahr. Er schaffte drei kleine Öfen, Mobiliar und Arbeitsgeräte für seine Produktion an. Rund 250 000 D-Mark investierte der Diplom-Ingenieur damals. Die Fabrik gehört ihm aber nicht, Vermieter ist Karl Sensse, Ur-Enkel des gleichnamigen Firmengründers.

Die drei Öfen mit je 1,5 Kubikmetern sind noch heute Herzstück des Vier-Mann-Betriebes. Etwa ein Fünftel der Stücke, die hier gebrannt werden, sind Ofenkacheln. Der Markt wird kleiner, etliche Hersteller haben aufgegeben. „Heute lassen sich viele ihren Ofen nur verputzen, aber schöne Kacheln sind eine Nische“, so Ulrich Jahn. Mindestens 10 000 Euro kostet ein verkachelter Ofen mit Sitzbank. Ein Luxus, den sich einige heute immer noch leisten. Die Auftragslage für das Veltener Unternehmen ist gut, weil es weniger Konkurrenz in dem Bereich gibt.

Profitieren könnte das Unternehmen auch, weil die altehrwürdige Ofenfabrik Schmidt, Lehmann & Co. die Produktion eingestellt hat. „Es kann schon sein, dass einige der Kunden jetzt zu uns kommen“, so Jahn. In diesem Jahr strebt das Unternehmen eine halbe Million Euro Umsatz an, normalerweise sind es etwa 350 000 Euro pro Jahr. Das liege aber nur daran, dass in diesem Jahr besonders viele Objekte saniert werden. „Im nächsten Jahr kann es wieder anders sein.“

Wenn sein Vater, 62 Jahre alt, sich zur Ruhe setzt, will Ulrich Jahn die Ofenfabrik weiterführen. Für Velten wäre das wichtig. Es ist immerhin die letzte in der Ofenstadt.

Von Marco Paetzel

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