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Die scheinbare Sicherheit

Zahl der Waffenscheine nimmt landesweit zu Die scheinbare Sicherheit

Seit Mitte 2014 stieg die Zahl der gültigen Kleinen Waffenscheine (KWS) im Land um beinahe elf Prozent an, Tendenz steigend. Wie viele davon auf Oberhavel entfallen, kann Polizeisprecher Mario Heinemann nicht sagen, weil diese Zahl nicht erhoben wird. Beispiele aus Oberhavel belegen allerdings, dass der Waffeneinsatz schon mal nach hinten losgehen kann.

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Anschein-, Schreckschuss- und Gaswaffen – auch in Oberhavel haben eine ganze Reihe von Einwohnern solche Waffen in Besitz.

Quelle: imago stock&people

Oberhavel. Als in der Nacht zum 9. Februar mehrere Autoknacker auf dem Familiengrundstück an der Bötzower Friedhofstraße auftauchten, griff der Sohn des Besitzers zur Schreckschusswaffe. Er sprach die Einbrecher an und schoss mehrfach in die Luft. Tatsächlich konnte er die Täter so in die Flucht schlagen.

Für ein solches Szenario rüsten sich die Brandenburger. Seit Mitte 2014 stieg die Zahl der gültigen Kleinen Waffenscheine (KWS) im Land um beinahe elf Prozent an, Tendenz steigend. Zum Ende das Jahres 2015 gab es in Brandenburg insgesamt 7036 KWS-Inhaber. Im Juli 2014 hatte die Polizei nach den Worten von Pressesprecher Mario Heinemann zunächst nur 6347 Kleine Waffenscheine registriert. Diese Zahl stieg im darauffolgenden Halbjahr um 144. Im ersten Halbjahr 2015 wuchs die Zahl bereits um 227 und im zweiten Halbjahr 2015 um 318. Angaben für Oberhavel können indes nicht gemacht werden: „Eine Statistik über die Anzahl der KWS in den Landkreisen und Kreisfreien Städten existiert nicht, da das Polizeipräsidium zuständige Waffenrechtsbehörde für das gesamte Land Brandenburg ist und eine derart detaillierte Statistik zur ordnungsgemäßen Aufgabenwahrnehmung nicht benötigt wird“, sagt Mario Heinemann. Auch zu den Gründen des Anstiegs können er und seine Polizeikollegen keine Angaben machen. In den vergangenen Wochen ist allerdings deutlich geworden: Ähnliche Zahlen werden aus vielen Teilen Deutschlands vermeldet.

Mindestens 18 Jahre alt, nicht vorbestraft

Der kleine Waffenschein berechtigt zum Führen von Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen, mit PTB-Zulassungszeichen. Diese Waffen dürfen – beim Erfüllen bestimmter Voraussetzungen – in der Öffentlichkeit mitgeführt werden. Der Träger muss allerdings ein Mindestalter von 18 Jahren haben und darf nicht vorbestraft sein. Der bloße Besitz der Waffen erfordert den kleinen Waffenschein nicht, erläutert Heinemann. Aber: „Das schuss- oder zugriffsbereite Führen von Schreckschuss, Reizstoff- und Signalwaffen (SRS-Waffen) ist nur Inhabern eines KWS gestattet.“ Im Sinne des Waffengesetzes führt eine Waffe, wer die tatsächliche Gewalt darüber außerhalb der eigenen Wohnung, der eigenen Geschäftsräume, des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte ausübt. Der Polizeisprecher betont: „Die waffen- und versammlungsrechtlichen Verbote des Führens von Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen sowie die Vorschriften über Notwehr und Notstand gelten auch für Inhaber eines KWS!“ Die dargestellte Rechtslage gelte ausschließlich für SRS-Waffen, die das PTB- Zulassungszeichen tragen. Als Vollzugsbehörde fungiere die Polizei.

Die Anträge auf Erteilung des Kleinen Waffenscheins haben deutlich zugenommen

Die Anträge auf Erteilung des Kleinen Waffenscheins haben deutlich zugenommen.

Quelle: imago stock&people

„Neben den allgemeinen Gefahren des Waffenbesitzes und der Handhabung ist im Einzelfall grundsätzlich abzuwägen ob es sinnvoll ist eine Waffe zu besitzen“, sagt Mario Heinemann. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er so einen kleinen Waffenschein für sich beantragen möchte. Waffen böten allerdings nur eine scheinbare Sicherheit, so die Erfahrung der Beamten. Wenn Laien sich bewaffnen, stelle das im Ernstfall eine zusätzliche Gefahr dar, da kein automatisiertes Handlungsschema antrainiert wurde wie bei Profis. Hinzu komme die ungewohnte Stresssituation.

Gegenüber Hunderbesitzern in Leegebruch überreagiert

Somit führen auch erlaubnisfreie Waffen eher zur Eskalation. Wie vor anderthalb Jahren in Leegebruch: Ein Ehepaar war am Anfang November 2014 mit seinen nicht angeleinten Hunden Am Wall spazieren. Dabei ging ein Hund neugierig zu einem 48-jährigen Mann, der sofort eine Schreckschusswaffe zog und forderte, die Hunde an die Leine zu nehmen. Das Ehepaar kam der Aufforderung nach und ging nach Hause. Der Ehemann kehrte aber zurück, um für eine eventuelle Anzeige das Fahrzeug-Kennzeichen des 48-Jährigen zu fotografieren. Als der Betroffene dies bemerkte, ging er mit gezogener Waffe auf den Mann zu und betätigte aus etwa zwei Meter Entfernung den Abzug. Verletzt wurde zwar niemand, aber die Waffensammlung des Sportschützen wurde dennoch von der Polizei sichergestellt.

Der Bötzower, der vor einer Woche mit Schüssen aus der Schreckschusswaffe die Autoknacker vertrieben hatte, bekommt jetzt ebenfalls Probleme: Die Kriminalpolizei ermittelt nicht nur wegen des versuchten Diebstahls zweier Mercedes-Kleintransporter, sondern auch wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Dose mit Pfefferspray bei einem Händler

Dose mit Pfefferspray bei einem Händler.

Quelle: dpa

Von Helge Treichel

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