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Die verkannten Lebensadern

Martina Knauschner wacht über 17 Brücken in Oranienburg Die verkannten Lebensadern

Sie ist Oranienburg Brückenfachfrau: Martina Knauschner wacht in Oranienburg über 17 Brücken. Sie hat im März das Amt von ihrem Vorgänger übernommen. Sie kennt zu allen Brücken die Geschichte.

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Oranienburg. Zum Schluss bekam die Bäkebrücke nur noch schlechte Noten: eine 3,5 steht im letzten Prüfbericht. Das war 2006. Da bröckelten die Widerlager schon.

Bald darauf fiel die Entscheidung: Es muss neu gebaut werden, sie ist nicht mehr standsicher. "Jede Brücke bekommt so ein Bauwerksbuch, wenn sie neu ist", erläutert Martina Knauschner. Wie ein Steckbrief erfasst es technische Daten, Abmessungen, die verwendeten Baustoffe, Fotos von Schäden. Der Neubau der Bäkebrücke bekam 2010 vor der Freigabe eine 1,2. Eine 1,0 wäre es wohl ohne den Spalt zwischen den verlegten Bordsteinen und die kleinen Lackschäden am Geländer geworden. Strenge Fachleute!

Viele solcher "Tagebücher" füllen die Regale im Büro von Martina Knauschner. Seit 1.März tritt sie im Tiefbauamt in die Fußstapfen von Ralph Kuhnert, der im Ruhestand ist. Ist sie für die kommunalen Brücken zuständig. Mit Kuhnert, der jede Brücke samt ihrer Geschichte aus dem Effeff kennt, "habe ich so manche Radtour gemacht, um auch jedes Bauwerk kennenzulernen. Die Borgsdorferin hat ihren Traumjob im Schloss gefunden. Für die Bauingenieurin war damit ein Seitenwechsel verbunden, auf die Seite der Auftraggeber. Jahrelang hat sie Brücken für diese geplant, so für die Deutsche Bahn, den Landesbetrieb für Straßenwesen, den Berliner Senat, u.a. Brückenzuwegungen für den neuen Berliner Airport.

"Brücken sind Architektur. Sie sollten sich einfügen und in die Landschaft passen und zugleich das Stadtbild aufwerten." Natürlich seien die Geschmäcker verschieden. Sie schätzt vor allem den Blick von unten auf diese technischen Meisterleistungen. Ihre Lieblingsbrücke ist der Henriettensteg mit seinen geschwungenen und filigranen Strukturen. Vor drei Jahren war sie herausgenommen und gänzlich saniert worden, erinnert sich Tiefbauamtsleiter Stephan Bernard. Dabei spürte mancher erst, wie verkannt diese Lebensadern einer Stadt oft sind. Gerade bei Oranienburgs "Insellage". Mancher, der nichts davon erfahren hatte, stand mit dem Koffer auf dem Weg zum Bahnhof vor der gekappten Verbindung.

Ebenso gelungen sei der August-Wilhelm-Steg am Schlosshafen. Als Schauspiel mit Hunderten Schaulustigen erwies sich auch das Einschwenken der neuen Grabowseebrücke 2010. Hier hatte die Stadt im Auftrag des Bundes gebaut.

Vor der Landesgartenschau 2009 war auch die neue Schlossbrücke fertiggeworden. Vier Jahre ist die Gewährleistungsfrist bei einem Neubau. Vor zwei Wochen fand deshalb die erste reguläre Prüfung der Spundwände, auch des Schlosshafens und des August-Wilhelm-Stegs statt. Dem ersten Check müssen sich dieser Tage auch die Bollwerke am Stadthotel und an der Stadtbrücke unterziehen.

Schon wieder elf Jahre ins Land gegangen sind seit der Sanierung der baugleichen Veltener und Bärenklauer Brücke und der Stadtbrücke. Bald steht der Neubau der Dropebrücke, Baujahr 1987, an. Dabei sollen die Pfeiler, auf der sie liegt, erhalten bleiben. "Noch ist der Zustand in Ordnung. Wir behalten sie im Auge", so Stephan Bernard. Mit den Brücken der Stadt sei das wie beim Eigenheim: "Wir haben in den letzten Jahren vieles aufgeholt, aber man ist eigentlich nie durch."

Von Heike Bergt

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