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Diese Hennigsdorfer brauen ihr eigenes Bier

Havelle Versuchsbrauerei Diese Hennigsdorfer brauen ihr eigenes Bier

Die Hennigsdorfer Markus Kulling und Stephan Paschkin brauen seit 2014 ihre eigenen Biersorten, mittlerweile firmieren sie unter dem Namen „Havelle Versuchsbrauerei“ und verkaufen ihr Gebräu auf Festen. Der große Traum der Männer wäre es, irgendwann einmal eine richtige Brauerei in der Stahlstadt aufzubauen. Es wäre die erste seit etwa 170 Jahren.

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Stephan Paschkin (r.) zapft „Hennigsdorfer Festbier“ für den MAZ-Fotografen. Das hatte er auch beim Handwerkermarkt ausgeschenkt.

Quelle: Fotos: Enrico Kugler

Hennigsdorf. Und dann floss der erste Schluck seine Kehle runter. „Es war das pure Glücksgefühl“, sagt Markus Kulling. Bis in die tiefe Nacht hatten er und sein Kumpel Stephan Paschkin einen Sonnabend im November 2014 an einem 35-Liter-Topf verbracht, zwischendurch immer mal genascht von Treber, Sud, Hopfen. „Wie bei Rumpelstilzchen, das um das Feuer mit dem Suppentopf tänzelt“, sagt der 45-Jährige. Zehn Tage später folgte nach der Flaschengärung der erste Schluck aus der Pulle. Es war Bier! Die Männer sprangen in die Luft, klatschten sich ab. Im Nachhinein, sagt Kulling, war es auch kein Hexenwerk. Denn eine alte Brauerregel aus dem Mittelalter besagt: Bier wird es immer. „Wir wollten aber unser eigenes Bier. Und das war herb-süffig mit fruchtigem Charakter.“ Sehr lange überlebten die Flaschen dann auch nicht, die Männer süffelten sie mit Kumpels am Lagerfeuer weg.

Damals dauerte das Brauen von 35 Litern gute acht Stunden, heute braucht das Bier-Duo für 210 Liter anderthalb Stunden weniger. Rund 4000 Euro haben die Hennigsdorfer in Töpfe, Fässer, Zapfanlage, Kühlschrank & Co. investiert. „Wir sind schon viel routinierter geworden, auch die Qualität des Bieres ist besser“, sagt Stephan Paschkin (40) und nimmt einen Schluck aus der Pulle. Das tun auch immer mehr Hennigsdorfer. Beim Havelspektakel am Hafen Ende August und dem Handwerkerfest zum Erntedank am vergangenen Wochenende schenkten die Hobby-Brauer ihr Bier aus, viele Besucher kamen nicht nur einmal am Stand vorbei – rund 80 Liter verkauften sie am vergangenen Sonntag. Und Steffi Sindermann, Inhaberin des Restaurants „Die Buhne“ war derart angetan, dass sie ein ganzes Fass für ihre Gäste kaufte.

Drei Sorten haben die Hennigsdorfer, die ihr Hobby mittlerweile „Havelle Versuchsbrauerei“ getauft haben, im Angebot. Neben dem ersten Bier „Havelle“ – einem Pale Ale, benannt nach der slawischen Bezeichnung der Havel (5,2 – 5,4 Prozent Alkoholgehalt) – gibt es auch das „1422 H“. Ein herbes Pils à la Jever, benannt nach der alten Hennigsdorfer Postleitzahl mit etwa 5,4 bis 5,6 Prozent Alkohol. Das dritte Gebräu im Sortiment heißt „Hennigsdorfer Festbier“ und hat zwischen 4,8 und 5,0 Prozent Alkohol. Wie hochprozentig das Gebräu ist, lässt sich zwischendurch mit einer Art Pose mit Skala bestimmen. Je weiter oben sie schwimmt, desto höher ist die Dichte des Bieres und damit der Alkoholgehalt, doziert Stephan Paschkin, der sich das Brauhandwerk mit Informationen aus dem Netz und mit Fachliteratur beigebracht hat.

Entstanden ist die Idee, als Paschkin einen Podcast-Beitrag über die Braukunst aus dem Netz fischte. „Da dachten wir, das können wir doch auch“, sagt Markus Kulling, der wie sein Kumpel seit jeher Fan des Gerstensaftes ist. Die Männer sehen es auch als Mission an, die uralte Brautradition in Hennigsdorf neu zu beleben. Um 1843 wird in historischen Unterlagen eine Außenstelle der ehemaligen Berliner Brauerei Engelhardt in der Hennigsdorfer Hauptstraße 28 erwähnt, auch lange davor um 1694 wird ein Brauhaus an der Dorfstraße in Nieder Neuendorf genannt, wie das Hennigsdorfer Stadtarchiv informiert. „Vielleicht lassen sich noch alte Rezepte von damals nachbrauen“, sagt Stephan Paschkin.

Momentan brauen die Männer in der Sommerküche eines Freundes. Ihr Traum wäre aber eine kleine Brauerei in Hennigsdorf, im Rathaus haben sie schon wegen Räumlichkeiten angefragt. Ihre Berufe würden die Hobby-Brauer deshalb aber nicht aufgeben: Paschkin ist Mediengestalter, Kulling Technologe bei Stadler Pankow. „Aber mit 60 Jahren in den Vorruhestand und noch Bier brauen“, sagt Kulling, „schöner geht es doch nicht.“

Mehr Informationen über die beiden Hobby-Brauer gibt es im Internet unter www.havelle.de.

Von Marco Paetzel

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