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Diese Truppe ist härter als „Baywatch“

Hennigsdorf Diese Truppe ist härter als „Baywatch“

Fast jedes Wochenende sind die Schwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft im Sommer im Einsatz. Damit diese Tradition in Hennigsdorf fortgeführt werden kann, wird im Stadtbad jeden Montag Nachwuchs ausgebildet. Auch die Retter selbst trainieren regelmäßig.

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Im Gegensatz zu den „Kollegen“ von „Baywatch“ machen die Hennigsdorfer mehr Rettungsdienst und weniger Polizeiarbeit.

Quelle: Privat

Hennigsdorf. Adrian hetzt sich ab, vollbekleidet schwimmt der Junge seine Bahnen im Stadtbad. Gut fünf Kilogramm wiegt der Stoffanzug, wenn er sich mit Wasser vollgesogen hat. „Es kann ja sein, dass sie mal bekleidet sind und jemanden ertrinken sehen. Darauf müssen sie vorbereitet sein“, sagt Sandro Zick, Technischer Leiter Einsatz. Er coacht die Kinder vom Beckenrand aus und stoppt ihre Zeiten. Innerhalb von vier Minuten müssen sie in voller Montur vier Bahnen schaffen, das sind insgesamt 100 Meter. Adrian schlägt schon nach 3:15 Minuten am Beckenrand vor dem Füßen von Zick an. Eine gute Zeit, findet der Junge. „Vielleicht werde ich später mal Rettungsschwimmer, aber die Schule geht vor“, sagt der 13-Jährige aus Glienicke. Nur eines der zwölf Kinder schafft die geforderte Zeit an diesem Montag nicht.

Es ist nur ein Kurs der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) an jedem Montagabend im Hennigsdorfer Stadtbad. Auf den anderen Bahnen schwimmen zwei Kindergruppen, die erst ihr Seepferdchen machen. Es gibt auch zwei Delfinkurse, die die Kinder für die Prüfung zum Jugendschwimmabzeichen in Bronze fitmachen sollen. Auch dafür wird trainiert, genau wie für die Abzeichen in Silber und Gold. Etwa 70 Kinder und Jugendliche trainieren regelmäßig. Später am Abend, etwa ab 20 Uhr, kommen die Erwachsenen dazu. Sie trainieren hier etwa für das Deutsche Schwimmabzeichen in Silber, das ihnen Einsätze als Rettungsschwimmer erlauben würde. Unter anderem muss man dafür 400 Meter innerhalb von 15 Minuten schwimmen, einen 5-Kilogramm-Ring aus fünf Metern Tiefe holen, einen Geretteten an Land bringen und ihn drei Minuten lang wiederbeleben.

Ausbilder Sandro Zick (r) nahm am Montag die Schwimmprüfung ab

Ausbilder Sandro Zick (r.) nahm am Montag die Schwimmprüfung ab.

Quelle: privat

Tatsächlich müssen Rettungsschwimmer aber in den seltensten Fällen zeigen, was sie können. Ausbilder Sandro Zick, seit 1993 dabei, hatte nur einmal einen ernsthaften Einsatz. Ein Junge war im Bernsteinsee unter Wasser geraten. „Da habe ich ihn rausgeholt, es ist nichts passiert.“ Ansonsten haben es die Retter eher mit Bootspannen mitten auf dem Wasser, unachtsamen Eltern oder Leuten zu tun, die zu lange in der Sonne liegen, zu wenig trinken und dann ins Wasser gehen. Ein anderes Problem sei, dass viele Flüchtlinge nicht schwimmen können. Auch dafür bieten die Retter einen Basis-Kurs an, damit sie zumindest nicht untergehen. Ein größeres Problem sieht Zick auch darin, dass junge Leute abends alkoholisiert ins Wasser springen. „Da sind wir ja nicht vor Ort, um sie zu retten“, so der 40-Jährige.

In den Sommermonaten haben etwa 30 Retter der DLRG – rund 240 Mitglieder haben sie in der Ortsgruppe Hennigsdorf – an vielen Wochenenden zu tun. Vom Drachenbootrennen in Oranienburg über die Wasserfestspiele in Havelberg, dem Baumblütenfest in Werder/Havel bis zum Hafenfest in Birkenwerder sichert die DLRG auch Veranstaltungen ab, bei denen Sanitäter gebraucht werden. Viele der Mitglieder haben diese Qualifikation und können im Ernstfall auch auf diese Weise Leben retten.

Für einen Fotowettbewerb setzten sich die Rettungsschwimmer cool und selbstironisch in Szene

Für einen Fotowettbewerb setzten sich die Rettungsschwimmer cool und selbstironisch in Szene.

Quelle: Privat

Juliane Brosowsky ist fast jedes Wochenende dabei, die Arbeit ist ehrenamtlich. Es gibt nur eine Aufwandsentschädigung, die die Retter in neue Arbeitskleidung investieren. Für Brosowsky ist das aber kein Problem. „Ich habe 2006 damit angefangen, es macht mir einfach Spaß“, sagt die 26-Jährige, die auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Mehr Mitglieder wären schön. „Dann könnte man sich bei den Einsätzen an den Wochenende mal abwechseln“, sagt die junge Frau aus Birkenwerder. Ab Anfang Juli sind sie und andere Rettungsschwimmer an den Wochenenden auch wieder am Bernsteinsee im Einsatz. Auch die drei neuen Bademeister für den See hat die DLRG ausgebildet, nachdem der bisherige Bademeister Marco Scafaro wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr am Wasser steht (MAZ berichtete).

Demnächst könnte die Rettungsschwimmerin mit den Mitgliedern der Ortsgruppe auch kostenlos ins Kino gehen und den neuen „Baywatch“-Film sehen. Dafür haben sie am Foto-Wettbewerb des DLRG-Bundesverbandes teilgenommen, bei dem sie wie Filmstars posieren – ein großer Schuss Selbstironie ist da natürlich auch dabei. Viel lernen könne man bei der Klamauk-Komödie aber sowieso nicht. „Die machen da mehr Polizeiarbeit als Rettungsdienst“, sagt Juliane Brosowsky.

Von Marco Paetzel

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