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Oberhavel Diskussion um Unglücksort neu entfacht
Lokales Oberhavel Diskussion um Unglücksort neu entfacht
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00:19 15.09.2017
Nahe der Unfallstelle, an der der Motorradfahrer starb.
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Oranienburg

Die Nachricht hat viele Leute schockiert: Ein 27-jähriger Motorradfahrer ist am 3. September bei einem Unfall auf der Bundesstraße 273 ums Leben gekommen. Er war mit seiner Kawasaki aus Oranienburg gekommen und wollte in Richtung Schmachtenhagen fahren. Dabei kam ihm ein Mitsubishi entgegen, dessen Fahrer auf Höhe des Abzweigs Lehnitz nach links abbiegen wollte. Nach Aussagen von Zeugen soll der Motorradfahrer zuvor mehrere Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit überholt haben, bevor er dann mit dem entgegen kommenden Pkw kollidierte. Der 27-jährige Zweiradfahrer aus dem Kreis Barnim verstarb nach erfolglosen Reanimationsversuchen noch an der Unfallstelle. Die beiden Insassen des Mitsubishi aus Berlin wurden leicht verletzt ins Krankenhaus nach Oranienburg gebracht.

Noch, so die Aussage des zuständigen Sachbearbeiters der Polizei, liege der Unfallbericht nicht vor, weshalb man sich auch noch nicht abschließend zu dem Fall äußern könne, weil dies sonst einer Vorverurteilung gleich komme. Was vorliege, sei eine Unfallanzeige und eine Todesermittlungsanzeige. Nun gelte es, die Ergebnisse eines sogenannten Vollgutachtens, das unmittelbar nach dem Unfall in Auftrag gegeben wurde, abzuwarten. Im Rahmen dieses Gutachtens sollen Experten sowohl den Zustand der Fahrzeuge als auch den Hergang des Unfalls untersuchen, analysieren und beurteilen.

Der Abzweig nach Lehnitz auf der B 273 ist ein viel befahrener Ort. Quelle: Bert Wittke

Unterdessen hat das tragische Unglück eine alte Diskussion neu entfacht. In der Vergangenheit war bereits mehrfach über den eingangs erwähnten Gefahrenpunkt auf der B 273 gesprochen worden, zumal dort sowohl aus Richtung Lehnitz kommend als auch in Richtung Lehnitz abbiegend ein reger Fahrzeugverkehr herrscht. Aus diesem Grund ist dieser Bereich auch in beiden Fahrtrichtungen auf eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h begrenzt worden. Darüber hinaus gilt dort ein Überholverbot. Nur wenige Meter vor dem Abzweig weist ein Schild, das aus Richtung Schmachtenhagen kommend am linken Straßenrand aufgestellt ist, auf einen Unfallschwerpunkt hin.

Wie es auf Nachfrage der MAZ aus der Kreisverwaltung Oberhavel hieß, wird die Einmündung nach Lehnitz jedoch seit dem 31. Dezember 2015 nicht mehr als Unfallhäufungsstelle geführt. Begründet wird dies mit einem deutschlandweit geltenden Kriterienkatalog, in dem Grenzwerte für Unfallhäufungsstellen festgelegt sind. Danach gilt ein Ort erst dann als Unfallhäufungsstelle, wenn sich dort innerhalb eines Jahres beziehungsweise innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren mindestens fünf gleichartige Unfälle mit Personenschaden ereignet haben. Gleichartig bedeutet vom gleichen Unfalltyp oder mit den gleichen Unfallumständen (zum Beispiel mit Radfahrerbeteiligung). Darüber hinaus wird als Unfallhäufungsstelle auch ein Ort eingeschätzt, an dem sich innerhalb von drei Jahren mindestens drei Unfälle mit schweren Personenschäden zugetragen haben.

Für Verkehrsteilnehmer unverständlich: Der Abzweig nach Lehnitz wird seit Ende 2015 nicht mehr als Unfallhäufungsort geführt. Dennoch weist ein Schild dort darauf hin, dass es sich hier um einen Unfallschwerpunkt handelt. Quelle: Bert Wittke

Das trifft nach Auskunft des Kreises seit Ende 2015 auf den Abzweig nach Lehnitz nicht zu. Da es aber dort nach Aussage des Kreises in der Vergangenheit wiederholt zu Konflikten zwischen Rechtsabbiegern der Mangnus-Hirschfeld-Straße und den Radfahrern parallel zur B 273 (Zweirichtungsradweg) gekommen sei, wurde die Radwegefurt über die Hirschfeldstraße auf Beschluss der Verkehrsunfallkommission des Kreises vom April 2014 rot eingefärbt und mit dem Radfahrerpiktogramm versehen.

Zu den Aufgaben der Verkehrsunfallkommissionen in Brandenburg gehört, dass Unfälle mit tödlichem Ausgang grundsätzlich zu untersuchen sind. Dies geschieht jedoch erst dann, wenn der Unfallbericht vorliegt.

„Ich würde an der Unfallstelle auf der B 273 die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h begrenzen, äußerte sich Matthias Hennig. 70 km/h, so der Lehnitzer Ortsvorsteher, halte er für zu schnell, um auf gefährliche Verkehrssituationen am Abzweig nach Lehnitz rechtzeitig reagieren zu können. Zudem würden etliche Verkehrsteilnehmer dort regelmäßig schneller als mit den zugelassenen 70 km/h fahren. Vielleicht gebe es auch die Möglichkeit, den nahen Ortsausgang von Oranienburg bis über den Abzweig nach Lehnitz hinaus zu verlegen. Dann dürften die Verkehrsteilnehmer dort auch nur mit maximal 50 km/h unterwegs sein. Der Abzweig nach Lehnitz, so Matthias Hennig, sei für seinen Ortsteil extrem wichtig. Andernfalls müssten die Bewohner, die aus Schmachtenhagen kommen beziehungsweise in diese Richtung fahren wollen, immer erst durch Oranienburg kurven, was einen erheblichen Zeitaufwand bedeuten würde. Die künstliche Einengung der Magnus-Hirschfeld-Straße kurz vor beziehungsweise hinter der Einmündung der B 273 könne auch nicht weiter verschärft werden, weil die Passierbarkeit für Feuerwehrfahrzeuge gegeben sein muss.

Von Bert Wittke

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