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Disput um Wege zur Gedenkstätte

Oranienburg Disput um Wege zur Gedenkstätte

Die Debatte, auf welchem Wege die Besucher die Gedenkstätte Sachsenhausen erreichen können und sollen, bleibt weiter am Köcheln. Die Anwohner hatten für sich eine Lösungsvariante gefunden, wie Reise- und Linienbusse fahren könnten. Für die Gedenkstätte ist dieser Vorschlag völlig inakzeptabel.

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Nur auf diesem Wege sollen die Besucher die Gedenkstätte erreichen, findet der Stiftungssprecher.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Erst vor Kurzem hatte die Anwohnerinitiative Gedenkstätte Sachsenhausen einen Kompromiss untereinander gefunden, und sich auf eine Variante geeinigt, wie die zahlreichen Reisebusse zur Gedenkstätte anders geleitet werden könnten (MAZ berichtete). Die Anwohner sind an ihre Belastungsgrenzen gekommen, leiden unter dem Lärm, den Erschütterungen und den laufenden Motoren der Busse, die oft neben ihren Gartenzäunen stehen. Die Initiative hatte akzeptiert, dass die Gedenkstätte ihre Besucher unbedingt im Besucherzentrum empfangen und über die Lagerstraße zum Eingang der Gedenkstätte mit Museum und dem Tor zum Appellplatz leiten möchte. Die favorisierte Lösung für die Anwohner sieht so aus, dass die Reisebusse die Besucher am Finanzamt am Heinrich-Grüber-Platz absetzt. Von dort hätten sie einen 450 Meter langen Fußweg zum Besucherzentrum. Die Busse selbst sollten auf einem Parkplatz hinter der Polizeifachhochschule abgestellt werden. Die jetzige Brachfläche grenzt an die Lagerstraße. Nach ihrem Rundgang könnten die Besucher dort wieder in die Busse einsteigen.

Dies ist der Vorschlag der Anwohnerinitiative

Dies ist der Vorschlag der Anwohnerinitiative. Der Fußweg (rote Linie) führt vom Finanzamt zum Besucherinformationszentrum, dann weiter über die Lagerstraße zum Eingang der Gedenkstätte. Der Rückweg zu einem möglichen neuen Bus-Parkplatz inter der Polizeischule ist blau eingezeichnet.

Quelle: Open Street Map

Die Reaktion der Gedenkstätte kam von Horst Seferens, Sprecher der Stiftung brandenburgische Gedenkstätten. „Die von der Anwohnerinitiative geforderte Schaffung neuer Ein- und Ausgänge für die Gedenkstättenbesucher, die mit dem Reise- oder Linienbus anreisen, ist für die Gedenkstätte Sachsenhausen aus historischen, konzeptionellen, logistischen und personellen Gründen nicht akzeptabel.“ In dieser Haltung wird die Gedenkstätte vom Internationalen Sachsenhausen Komitee und vom Förderverein der Gedenkstätte unterstützt. Es sei für die Gedenkstätte Sachenhausen von zentraler Bedeutung, dass alle Besucher die Gedenkstätte über die historischen Wege der Häftlinge betreten, also durch das bereits vor 1945 existierende Wohngebiet, meint Seferens.

Das Besucherinformationszentrum sei sehr entscheidend. Nur wenn die Besucher dort Informationsmaterialen, Faltplan und Audioführung bekommen, könnten sie die Geschichte des Ortes verstehen, glaubt Seferens. „Betreten die Besucher die Gedenkstätte über die Hans-von-Dohnanyi-Straße, so führt die Sogwirkung der Lagerstraße dazu, dass ein großer Teil der Besucher das abseits gelegene Informationszentrum nicht ansteuert.“ Zudem gäbe es Probleme bei der Rückgabe der Audiogeräte. Und zusätzliche Toiletten müssten geschaffen werden.

Die Stadt Oranienburg setzt sich ihrerseits sehr für die Verbesserung der Anbindung zur Gedenkstätte ein und nimmt die Beeinträchtigungen für die Anwohner, die mit den steigenden Besucherzahlen gewachsen sind, sehr ernst. Die Stadt bemüht sich um Lösungen, die allen Interessengruppen gerecht werden. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke verfasste deshalb ein Arbeitspapier, das er den Anwohnern, Landrat Ludger Weskamp und Stiftungsdirektor Günter Morsch zukommen ließ. Das Papier zeigt mehrere Lösungsansätze auf, aus denen die Anwohnerinitiative besagten Kompromiss für sich fand. Bürgermeister Laesicke betont in seinem Schreiben, dass gerade anlässlich besonderer Gedenkveranstaltungen sich beispielsweise die Parkplatzsituation als chaotisch darstellt. Auch die Schadstoffbelastungen durch Busse und deren laufende Motoren beeinträchtigten die Lebens- und Wohnqualität der Anwohner erheblich.

Der Bürgermeister erklärt zudem, dass „die Zuwegung zur Gedenkstätte dem Vernehmen nach eine Verlegenheitslösung aus der DDR-Zeit darstellt.“ Denn das ehemalige SS-Truppenlager und die KZ-Zentralverwaltung (T-Gebäude) waren durch die NVA militärisch weiter genutzt worden. „Eine Alternative, die Gedenkstätte zu erreichen, bestand damals nicht“, unterstreicht Laesicke.

Heute aber würden sich mehrere Möglichkeiten bieten, Besuchern einen Zugang zur Gedenkstätte zu schaffen, ohne die Wohnqualität für die Anwohner weiter zu beeinträchtigen. „Selbstverständlich sind wir uns bewusst, dass nicht jeder Vorschlag praktikabel ist“, hatte Laesicke eingeräumt. Doch um eine Lösung zu finden, mit der alle Seiten leben können, müssen auch alle Beteiligten zu einem breitem Kompromiss bereit sein.

Das vom Bürgermeister vorgelegte Arbeitspapier ist eine gute Grundlage für eine Lösungsfindung. Die verschiedenen Varianten berücksichtigen auch den Ausbau der Anwohnerstraßen wie die Straße der Nationen und den Schäferweg und sie beleuchten verschiedene Möglichkeiten für eine Zuwegung zu dem besagten Busparkplatz hinter der Polizeifachhochschule. Sämtliche Maßnahmen sind grob durchgerechnet worden. Die Kosten für Ausbau, Planung oder Grunderwerb sind mit aufgeführt. Die Anwohnerinitiative hat für sich einen Kompromiss gefunden. Von Seiten der Gedenkstätte hört sich das nicht so an.

Von Andrea Kathert

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