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Dokumentarfilm über ehemalige Garnisonstadt

Weltpremiere in Vogelsang Dokumentarfilm über ehemalige Garnisonstadt

Der Dokumentarfilm „Lenin in Vogelsang“, der über die sowjetische Garnison bei Zehdenick erzählt, feierte am Sonnabend vor heimischem Publikum seine Weltpremiere. Zu Wort kommen darin deutsche und russische Zeitzeugen .

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Zutritt verboten: Abgeschirmt von der Außenwelt lebten mehr als 12.000 Menschen in der Garnison.

Quelle: SK

Vogelsang. Fast 20 Jahre nach dem Abzug der russischen Streitkräfte feierte am Sonnabend der Dokumentarfilm „Lenin in Vogelsang“ vor heimischem Publikum seine Weltpremiere. Die Aufführung im Gemeindehaus geriet für die Bewohner des Ortsteils zu einer spannenden Zeitreise in die eigene Vergangenheit. 21 Interviews führten die Filmemacher Stefanie Trambow und Maxim Stepanov mit deutschen und russischen Zeitzeugen, um persönliche Erinnerungen an die Garnisonsstadt und die Menschen beiderseits des Zaunes festzuhalten.

Als Kind hatte Stefanie Trambow dies und jenes über die „Russen im Wald bei Zehdenick“ gehört. Wie das Leben in der militärischen Enklave wirklich war, wussten aber nur wenige Außenstehende. Die Vogelsanger waren nah dran. Nicht nur räumlich. „Ich wollte wissen, woran sich die Leute erinnern. Eben hatten die Deutschen und Russen noch gegeneinander gekämpft, jetzt waren sie Freunde“, so Trambow. Weit mehr als 50 Stunden Bild- und Tonmaterial trug das Team zusammen. Entstanden ist ein Dokument, das fern der offiziellen Geschichtsschreibung von einer besonderen Nachbarschaft erzählt. Von Gartenzwergen auf der einen und Knoblauch im Essen auf der anderen Seite.

Anna Revutsky weiß noch genau, wo sie saß, als die Wehen begannen. Es war ein Platz dicht am Fenster. „In diesem Kinosaal begann die Geburt dieser wunderbaren Tochter“, erzählt die Offiziersgattin bei einem Besuch in Vogelsang 2012, während Tochter Alla von den Worten geschmeichelt zu Boden blickt. Vladimir Alyakin war auch dabei. Er geht forschen Schrittes auf das große Haus mit dem verwilderten Springbrunnen an der Frontseite zu. „Das ist mein Stab“, erzählt er aufgeregt und wird noch schneller. „Kommt, ich zeige euch mein Büro“, ruft der ehemalige Oberst. Als er in seinem früheren Arbeitszimmer steht, weiß er sofort, wie alles stand, welche Karten an der Wand hingen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich an diesen Ort zurückkehre“, sagt Vladimir. Als er wie aus Gewohnheit eines der Fenster „seines Büros“ öffnen will, fällt ihm eine lose Scheibe entgegen. Die Bausubstanz ist brüchig, die Häuser, die noch stehen, sind verfallen. Seit einigen Jahren führen Abrissbagger hier Regie, bald wird die Natur das Gebiet zurückerobert haben. „Viel später hätten wir den Film nicht machen können, dann wäre hier nichts mehr gewesen“, sagt Trambow.

Eine Kleinstadt mitten im Wald

  • Im Wald bei Vogelsang entstand die nach Wünsdorf und Jüterbog drittgrößte sowjetische Garnison. 1952 war mit dem Bau begonnen worden. Bis zu 12 000 Männer und Frauen lebten in den Folgejahren dort. Es gab ein Krankenhaus, eine Schule, Kindergärten und Spielplätze, kulturelle Einrichtungen wie Theater, ein Kino und Sportplätze für Militärs sowie deren Angehörige.
  • 2014 jährt sich der Abzug der russischen Streitkräfte zum 20. Mal. Aus diesem Anlass soll der einstündige Dokumentarfilm „Lenin in Vogelsang“ zu verschiedenen Anlässen gezeigt werden. Unterstützt wurde das Filmteam um Stefanie Trambow und Maxim Stepanov durch ein Stipendium vom Institut für angewandte Geschichte sowie von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“.
  • 21 Interviews wurden mit Zeitzeugen in Vogelsang, Moskau und in Sankt Petersburg geführt.

„Es war nicht leicht, dort zu dienen“, sagt Filipp Zharkoy, den die Filmemacher in Sankt Petersburg trafen. „Die Lage in Vogelsang war immer angespannt. Nichts Schwerwiegendes. Einfach immer Übungen, Manöver.“ Daran können sich auch die Vogelsanger gut erinnern. Wenn die Panzer fuhren, war das immer mit Aufregung verbunden. Als Fußgänger sei man da lieber in den Straßengraben ausgewichen, um nicht unter die Räder zu kommen. Kinder hielten sich die Ohren zu, weil es so laut war, erzählen die Leute. „Was war denn die deutsch-sowjetische Freundschaft“, hakt Trambow in einem Interview nach. „Eigentlich das, was man unter Freunschaft versteht. Die war sehr echt, nicht nur gekünstelt“, antwortet Hilde Schöneck. Gerd Heynowski sieht das anders: „Das war so ein Muss. Das gehörte sich so.“ Nur offiziell sei die Freundschaft gewollt gewesen, unter Privatleuten war sie nicht gern gesehen. Gegeben hat es die Kontakte trotzdem. Andrey etwa war als Schüler oft in Zehdenick und freundete sich mit Ladenbesitzer Werner Wendorf an, der dem Jungen Schallplatten besorgte. Noch heute als Erwachsener denkt Andrey gerne an die Zeit zurück. 2004 war er in der Havelstadt und wollte Wendorfs besuchen. Aber das Geschäft ist inzwischen geschlossen. Das Filmteam half nach, übermittelte eine Videobotschaft. Andrey reagierte darauf und übermittelt im Film „schöne Grüße aus Moskau“.

In Vogelsang kommt der Film gut an, es gibt Applaus. Stefanie Trambow war vor dieser Premiere besonders aufgeregt, weil das heimische Publikum gemeinhin als kritisch gilt. Aber die älteren Bewohner nicken zustimmend, „so war das“, sagen sie.

Von Cindy Lüderitz

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