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Dolmetscher-Kosten für Polizeiarbeit steigen

Oberhavel Dolmetscher-Kosten für Polizeiarbeit steigen

Gab die Polizeidirektion Nord (Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz) 2014 rund 121 000 Euro für Übersetzer aus, sind die Kosten im vorigen Jahr auf 176 000 Euro gestiegen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres liegen die Ausgaben schon bei 132 000 Euro. Grund ist aber keine steigende Anzahl von Delikten Geflüchteter.

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Toralf Reinhardt ist Sprecher der Polizeidirektion Nord.

Quelle: Enrico Kugler

Oberhavel. Die Kosten für Dolmetscher bei der Polizeiarbeit mit Geflüchteten und Menschen, die kein Deutsch sprechen, steigen. Gab die Polizeidirektion Nord (Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz) im Jahr 2014 noch rund 121 000 Euro für Übersetzer aus, sind die Kosten im vorigen Jahr auf 176 000 Euro gestiegen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres liegen die Ausgaben schon bei 132 000 Euro.

„Es liegt nicht daran, dass die Anzahl der Fälle mit ausländischen Mitbürgern oder mit Flüchtlingen steigt“, betont Toralf Reinhardt, Sprecher der Polizeidirektion Nord. „Aber die Anreisekosten der Dolmetscher werden immer mehr.“ Grund: Übersetzer komplizierter Sprachen wie Farsi, Urdu, aber auch einiger Dialekte aus Somalia und Eritrea sind Mangelware.

Jeder hat das Recht, in seiner Landessprache verhört zu werden

Am Wochenende sorgte die Berichterstattung über einen 23-jährigen Syrer, der zwei Deutsche verbal beleidigte und einem einen Kopfnuss verpasste für Spott in den sozialen Netzwerken. Sechs Dolmetscher wurden kontaktiert. Keiner hatte Zeit; keiner sprach den Dialekt des Syrers. „Wie ist das möglich?“, fragten sich viele User.

Laut Toralf Reinhardt waren die Deutschkenntnisse des Syrers „leidlich vorhanden“. Nur Beleidigungen wie „Ich ficke deine Mutter“ sind anscheinend – wie so oft bei Sprachneulingen – im Wortschatz verankert. Zur einer Rekonstruktion des Ausgangs der Auseinandersetzung konnte er sich jedoch nicht ausreichend äußern. Und hier greift das Gesetz: Ein Beschuldigter muss bei der Vernehmung alles verstehen, was ihm vorgeworfen wird. „Jeder hat das Recht, in seiner Landessprache verhört zu werden“, weist Reinhardt auf eine europäische Menschenrechtskonvention hin.

Nicht immer ist ein Übersetzer in der Nähe

Ein Sprachmittler muss für diese Aufgabe herangezogen werden. Wichtig: Dieser muss vereidigt sein. Die Polizei selbst sucht nicht gezielt nach Dolmetschern. Jeder Leitstelle liegt eine Liste vereidigter Personen mit entsprechenden Sprachkenntnissen vor, die nach einem Tatbestand abtelefoniert wird. Nicht immer ist ein Übersetzer in der Nähe zu finden – oder hat Zeit. Gerade am Wochenende gestaltet sich die Suche mitunter als langwierig und ergebnislos.

Der Oranienburger Syrer wollte sich äußern, so Reinhardt. Doch ein passender Dolmetscher konnte nicht ausfindig gemacht werden. Alle kontaktierten Übersetzer beherrschten den Dialekt des Syrers nicht. Das Verfahren läuft.

70 Euro pro Stunde verdient ein Polizei-Dolmetscher

Oberhavel profitiere dennoch von der unmittelbaren Nähe zur Hauptstadt. In Berlin seien viele Dolmetscher gelistet, aber eben nicht für jede Sprache beziehungsweise jeden regionalen Dialekt. Schwieriger wird es in der Prignitz. Da reisen Übersetzer oft aus Schwerin oder Hamburg an.

Ein Dolmetscher bekommt pro Stunde 70 Euro, Hin- und Rückfahrt zur Polizeiwache kann er verrechnen. Kommt es zu einem Strafverfahren, trägt der Verurteilte die Kosten. „Wenn dieser nicht zahlen kann, bleiben sie an der Staatskrasse hängen“, so Toralf Reinhardt.

Von Marco Winkler

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