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Doppeltes Glück: Zu zweit ist man nie alleine

Zwillingstreffen in Oranienburg Doppeltes Glück: Zu zweit ist man nie alleine

Sie stechen heraus aus der Masse: Zwillinge. In Oranienburg treffen sie und Zwillingseltern sich zweimal im Jahr für einen Erfahrungsaustausch und berichten von doppelter Sorge, aber auch doppelter Freude. 5500 Fläschchen und 5200 Windeln brauchen Zwillinge im ersten Lebensjahr. Schlaflose Nächte sind vorprogrammiert.

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Dreifaches Glück: Nicole Erfort aus Zehdenick mit Tochter Nele und den Zwillingen Emily und Josephine.

Quelle: Marco Winkler

Oberhavel. Marika Freitag ist 27 Jahre alt und in der 28. Woche schwanger. Sie muss allerdings deutlich mehr essen als andere Mütter, denn die Zehdenickerin bekommt Zwillinge. Das Besondere: Marika Freitag hat selbst einen Zwillingsbruder. „Ich habe mich total gefreut, als ich in der achten Woche die zwei Eihüllen auf dem Ultraschallbild gesehen habe“, sagt sie. Ihre Gewissheit: „Die Zwillinge werden nie alleine sein.“ Sie kennt das schließlich. Ihr Bruder und sie teilten gerade in der Kindheit alles: Freude, Ängste, Sorgen, Glücksmomente.

Nur fest aneinander klebten sie nicht ständig. Gerade in der Pubertät nicht. „Wir hatten verschiedene Freundeskreise.“ Marika Freitag sagt: „Ich bin ja nicht nur Zwilling, sondern eine eigene Persönlichkeit.“ Das Band, das ein- oder zweieiige Geschwister verbindet, streitet sie jedoch nicht ab. „Als mein Bruder kürzlich Probleme hatte, habe ich das sogar einen Tag vorher geträumt. Wirklich!“

Von ihren Erfahrungen berichtete sie kürzlich auf dem Zwillingstreffen in Oranienburg, organisiert vom Netzwerk Gesunde Kinder, dem Eltern-Kind-Treff und Sozialpädagogin Katrin Schindler. Sie arbeitet in der DRK-Schwangerenberatung. „Ich hatte oft mit Zwillingseltern zu tun, da entstand die Idee“, erzählt sie. Auf den Treffen lernen sich Teilnehmer kennen, berichten von ihren Erfahrungen. „Für viele ist es ein Schock, wenn sie erfahren, dass sie Zwillinge bekommen“, so Katrin Schindler. „Das ganze Leben wird bei ihnen umgekrempelt, sie müssen sich auf einen komplett neuen Lebensrhythmus einstellen.“

Gruppenbild des Zwillingstreffen in Oranienburg

Gruppenbild des Zwillingstreffen in Oranienburg

Quelle: Marco Winkler

5500 Fläschchen und 5200 Windeln im ersten Lebensjahr. Der doppelte Verbrauch geht an die Substanz. Schlafmangel, Erschöpfung, kaum Freizeit, das Nervengerüst dünnt aus wie zarter Babyhaarflaum. „Ich glaube, ich habe drei Jahre lang nicht durchgeschlafen“, sagt Nicole Erfort. „Alle zwei Stunden hatten meine Zwillinge Emily und Josephine Hunger.“ Die beiden Mädchen sind jetzt sechs Jahre alt, so langsam könnte Ruhe einkehren. Wäre da nicht Nele, Kind Nummer drei, anderthalb Jahre alt. „Ich war sieben Jahre nicht feiern“, so die Zehdenickerin. Aber das störe sie nicht. „Ich habe ja meine Kinder“, sagt die 31-jährige alleinerziehende Mutter.

Stress hatte sie wegen ihrer Zwillingstöchter kaum. „Sie waren nie eine Belastung für mich.“ Ihr „Zickenhaushalt“ sei mittlerweile ein eingespieltes Team. Im sechsten Monat hat sie von der Zwillingsschwangerschaft erfahren. „Sie lagen beide hintereinander, so dass die zwei Herzschläge zu einem wurden.“ Gewichtiger Nachteil: In der Schwangerschaft hat sie 45 Kilogramm zugenommen. „Ich war vier mal vier im Quadrat“, erzählt sie und lacht. Bis zur 39. Woche ist sie durch die Havelstadt gelaufen, hat schließlich per Kaiserschnitt entbunden.

Viele haben davor Angst, weil Zwillinge als „Risikoschwangerschaft“ gelten. Renate Teßmann beruhigt die Eltern dann. Sie ist seit 2009 Patin im Netzwerk Gesunde Kinder, begleitet Familien von der Schwangerschaft an bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Momentan betreut sie elf Familien, darunter drei mit Zwillingen. „Ich bin selbst Mutter von Zwillingen“, erzählt die 64-Jährige. Ihre Zwillingssöhne sind jetzt 38 Jahre alt. „Ich kann mich also gut in die Eltern hineinfühlen“, sagt die Hohen Neuendorferin auf dem Oranienburger Zwillingstreffen. Im Herbst soll noch ein Treffen stattfinden. Da wird Zwilling Marika Freitag ihre Zwillinge schon in den Armen halten können.

Mehrlingsschwangerschaften

Zwillinge sind nicht mehr so selten. Etwa jede 40. Geburt ist eine Zwillingsgeburt. Bald werden es noch mehr sein. Die Zahl steigt aufgrund von Hormonbehandlungen und künstlicher Befruchtung an.

2014 gab es laut Statistischem Bundesamt 13 270 Mehrlingsgeburten in Deutschland (2010 waren es noch 11 838), davon 282 Drillingsgeburten. 11 Frauen brachten vier und mehr Kinder gleichzeitig zur Welt.

Neunlinge kamen schon öfter zur Welt. Allerdings überlebte jeweils einige Babys die Geburt nicht. 2004 sind in Äthiopien innerhalb von 24 Stunden Neunlinge im siebenten Monat lebend zur Welt gekommen. Sie starben alle innerhalb einer halben Stunde.

Von Marco Winkler

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