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09:11 12.01.2016
Katharina Hartmann hilft Flüchtlingen – und damit auch sich selbst. Quelle: Helge Treichel
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Schildow

Als sie die Kriegsbilder aus Syrien gesehen hatte und als sie die Berichte über die gefährliche Flucht übers Mittelmeer gelesen hatte, da wusste Katharina Hartmann: „Ich will diesen Menschen helfen, die so etwas Schlimmes erlebt haben.“ Seit dem vergangenen Jahr engagiert sie sich bei der Flüchtlingshilfe der Gemeinde Mühlenbecker Land.

So oft es ihr möglich ist, besucht sie das Cafè Welcome in Schildow. Das war Anfang November im Gemeinderaum in der Schmalfußstraße eröffnet worden, nachdem die ersten von rund 60 Geflüchteten die Notunterkunft im benachbarten Bürgersaal und der Einfeldsporthalle bezogen hatten. Als Treffpunkt, um die neue Sprache zu lernen und zu lehren, mit ein­ander zu spielen, mehr vom anderen zu erfahren und Vorurteile abzubauen. Genau dieses Anliegen hat auch Katharina Hartmann.

Natürlicher Umgang mit einer Behinderung

Die junge Schildowerin, die gerade erst ihren 18. Geburtstag feierte und in Birkenwerder zur Grund- und später auch Gesamtschule ging, befindet sich im ersten Lehrjahr zur Fachpraktikerin für Bürokommunikation. Die Ausbildung absolviert sie in Potsdam an einem Berufsbildungswerk für Menschen mit Behinderung. Sie war unter anderem mit einem „offenen Rücken“ (Spina bifida) geboren worden und hat deshalb Probleme beim Laufen. Auf der Straße werde sie häufig angestarrt, manchmal komme auch ein blöder Spruch. Vollkommen natürlich und unbefangen gingen die Flüchtlinge mit ihrem Handicap um. „Obwohl ich zuerst etwas Angst hatte, wurde ich sofort akzeptiert“, sagt Katharina Hartmann. „Es gibt eine große Hilfsbereitschaft. Ich habe mich sofort angenommen gefühlt. Daraus ziehe ich viel Kraft und Selbstbewusstsein.“

Gemeinsamer Ausflug zum Schlittschuhlaufen

Zu ihren schönsten Erlebnissen zählt die junge Frau einen gemeinsamen Ausflug zum Schlittschulaufen im Erika-Hess-Eisstadion in Berlin-Wedding. Und das, obwohl die meisten Gäste noch nie auf Kufen gestanden haben. Aber das gemeinsame Erlebnis war einfach „total schön“, sagt die Auszubildende, die natürlich selbst mit auf dem Eis war. Dass sie an der falschen S-Bahn-Station ausgestiegen waren und alle eine für sie besonders weite Strecke laufen mussten, ist für sie nur halb so schlimm, trotz der Schmerzen. Schließlich sei ihr bereitwillig geholfen worden. Diese Hilfsbereitschaft und Ungezwungenheit vermisst die junge Schildowerin allzu oft bei ihren Landsleuten, speziell den gleichaltrigen. Dort herrsche oft ein rauer, derber Umgangston, mit dem sie sich so gar nicht anfreunden mag und deshalb auch kaum Anschluss gefunden hat. „Bei den Flüchtlingen gibt es mehr Respekt untereinander“, sagt sie.

Beide Seiten profitieren voneinander

Es gebe gemeinsame Sportbegegnungen es wurde gemeinsam gekocht und gegessen, „ein Flüchtling habt bei uns sogar Weihnachten gefeiert“, sagt Katharina Hartmann. In Familie wurde viel geredet und gespielt. „Da haben sich zwei Seiten gefunden, die voneinander profitieren“, sagt Mama Marion Hartmann zum Engagement ihrer Tochter.

Fortsetzung folgt

Die ist zur Zeit wegen einer Infektion im Krankenhaus, bekommt aber regelmäßig Besuch von ihren neuen Freunden. Dass die Flüchtlinge in dieser Woche nach Lehnitz verlegt werden sollen, „ist sehr hart für mich“, sagt sie. Aber sie will am Ball bleiben. Gemeinsam mit einer Frau von der Flüchtlingshilfe habe sie bereits regelmäßige Fahrten in die Gemeinschaftsunterkunft verabredet. Und auch das Café Welcome, das in Schildow weitergeführt wird, möchte Katharina weiter besuchen: „Ich bin einfach nur glücklich, wenn ich im Café bin.“

Erinnerungsfoto vom Ausflug zum Eislaufen am 30. Dezember. Quelle: Privat

Von Helge Treichel

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