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Oberhavel Drama unterm Dach
Lokales Oberhavel Drama unterm Dach
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06:50 25.05.2017
Das Dachgeschoss schützt derzeit nur eine Folie. Pierre Schwering und Elena Miropolskaja. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Alle packen mit an: Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde „Wiedergeburt“ schleppen Möbel, Regale und schrauben die Lampen ab. Alles wird verpackt und in Nebenräumen verstaut. Ab sofort darf die obere Etage des Hauses in der Sachsenhausener Straße 2 nicht mehr betreten werden. Die Hiobsbotschaft: Der Schwamm hat die gesamte Balkenlage des Hauses befallen, überall abgefaulte Köpfe. Von unten ist es teilweise zu erahnen: Die Decke hängt an einigen Stellen durch.

Ursprünglich, so die Vorsitzende der Gemeinde Elena Miropolskaja, sollte das Dach neu gedeckt werden und eine Dämmung zur unteren Etage eingezogen werden. Und außen sollte geputzt werden. Dieser Bauabschnitt hatte Ende März begonnen. Elektrische Leitungen, Fenster und Eingangstür sind bereits erneuert. Im seit 1991 unter Denkmalschutz stehenden Haus aus dem Jahr 1802 praktizierte nach dem Zweiten Weltkrieg ein Kinderarzt, später war darin die Wohngeldstelle des Landkreises untergebracht. Derzeit schützt eine Plane das Obergeschoss. Doch nun müssen alle Baupläne neu überdacht werden. „Nun müssen wir auch die unteren Räume ausräumen.“

Der „Nachbar“ hat sofort Hilfe und ein Ausweichquartier angeboten: Pierre Schwering von der Stadtverwaltung und Steffen Herrmann boten das Obergeschoss des Regine-Hildebrandt-Hauses an. Das ist derzeit frei, im September starten hier die Bauarbeiten, um alles brandschutzsicher zu machen und die Außentreppe anzubauen (MAZ berichtete). Elena Miropolskaja ist dankbar, dass sie sich schon ihr Büro hier einrichten konnte und auch die Veranstaltungen hier in den kommenden zwei Monaten stattfinden können, wie Treff der Tanzgruppe, Kunstunterricht oder Deutschkurse. „Bei den Gottesdiensten ist im Sommer Pause.“

Eine gute Zwischenlösung. Doch das Hauptproblem liegt woanders. Die Bezahlung für den bisherigen Bau von Dach und Obergeschoss war gesichert. Die Stadt hatte aus dem Förderprogramm Stadtsanierung 26 000 Euro zugesichert. Und aus dem Kultusministerium bekommt die Jüdische Gemeinde rund 100 000 Euro. Die Jüdische Gemeinde des Landkreises zählt derzeit 109 Mitglieder. „Wir selbst haben zum Beispiel 9000 Euro für die neue Elektrik, 2300 Euro für den Gerüstaufbau und der Landesverband 13 000 Euro für den Architekten bezahlt“, so Elena Miropolskaja. Noch ist völlig unklar, welche Zusatzkosten jetzt auf die Gemeinde zukommen. Klar ist hingegen: „Das Geld haben wir nicht.“

„Mehr Geld als wir bisher dazugeben, haben wir derzeit nicht zur Verfügung. Aber es gibt ja nun eine neue Situation. Wenn wir genau wissen, was es nun kostet, werden wir die Lage neu überdenken“, so Stadtsprecherin Susanne Zamecki.

Vom Landkreis scheint nicht viel zu erwarten: Für das denkmalgeschützte Gebäude wurde zwischen Kreis und Jüdischer Gemeinde am 6. März 2003 ein Erbbaurechtsvertrag auf Basis der Beschlussfassung durch den Kreisausschuss vom 25. November 2002 abgeschossen, so Kreissprecher Ronny Wappler. Die Laufzeit des Vertrages betrage 60 Jahre. Die Jüdische Gemeinde trägt danach alle laufenden Kosten und ist zur laufenden Instandhaltung des Gebäudes verpflichtet. „Der Erbbauzins von vier Prozent ist sehr moderat. Das war schon ein Entgegenkommen gegenüber der Gemeinde“, so der Kreissprecher.

Der Zins, das sind 3600 Euro im Jahr, so Elena Miropolskaja, die gehofft hatte, dass vielleicht der Erbaupachtzins erlassen wird. „Das würde uns schon helfen.“ Im Moment hofft sie jedoch vor allem, dass die Ornamente, Stuckelemente und Wandbemalungen, die Gemeindemitglieder rund um den Schrank mit der Torarolle gestaltet haben, irgendwie erhalten werden können.

Am kommenden Montag machen die Bauleute weiter. Der Bauabschlusstermin ist völlig offen. Ebenso die Finanzierung.

Von Heike Bergt

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