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Durchwachsenes Erntejahr

Oberhavel Durchwachsenes Erntejahr

Dieses Jahr wird kein gutes Erntejahr werden. „Wir werden bei allen Kulturen um 10 Prozent unter den durchschnittlichen Erträgen der vergangenen fünf Jahre liegen“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Heidemarie Scholze. Sie begründet die Prognose mit dem milden Winter und den fehlenden Niederschlägen in den Monaten März, April und Mai.

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Der Ertrag könnte besser sein, meinen die Landwirte.

Quelle: Robert Roeske

Oberhavel. Manchmal wartet man zu lange. Malte Voigts, Prokurist der Rhinland-Agrargesellschaft Kremmen, hätte im November des vergangenen Jahres bis zu 40 Euro mehr pro Tonne Getreide auf dem Markt erzielen können. Voigts hat noch keine Verkaufsverträge abgeschlossen. Doch jetzt sind die Preise für Getreide auf dem Weltmarkt total im Keller. Die Gründe dafür nennt Heidemarie Scholze, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Oberhavel: Wegen der beiden sehr guten Erntejahre 2014 und 2015 gebe es noch große Getreidebestände. Zudem wirke sich das Handelsembargo gegen Russland preisdrückend aus.

Erschwerend für die wirtschaftliche Situation der Landwirte kommt hinzu, dass dieses Jahr wohl kein gutes Erntejahr sein wird. Mindererträge können damit nicht über höhere Verkaufserlöse ausgeglichen werden. Scholze: „Wir werden bei allen Kulturen um zehn Prozent unter den durchschnittlichen Erträgen der vergangenen fünf Jahre liegen.“ Die Verbandschefin begründet diese Prognose mit dem milden Winter und den fehlenden Niederschlägen in den Monaten März, April und Mai. Besonders extrem wirkt sich das beim Raps aus, der Brandenburger „Ölquelle“. Der Landesbauernverband beziffert den Flächenertrag mit voraussichtlich 27 Dezitonnen pro Hektar. Das ist deutlich weniger als 2015. Als Gründe nennt der Verband den starken Befall mit Rapserdfloh und Kohlfliege im Herbst, die Auswinterung durch Kahlfröste speziell in der Uckermark. Die Schädlinge setzten den jungen Rapspflänzchen schon im Herbst zu. Eine effektive Bekämpfung sei wegen des Verbots der neonicontinoiden Saatgutbeize nur halbwegs mit Pflanzenschutzmitteln möglich gewesen.

Auch Landwirt Malte Voigts spricht von einer „katastrophalen Rapsernte“. Mit dem Ertrag von Geste, Weizen und Roggen sei er ganz zufrieden. Insgesamt bewirtschaftet die Rhinland-Agrargesellschaft Kremmen eine Fläche von 1300 Hektar. Das liege auch daran, sagt Voigts, dass er viele „Bruchstandorte“ habe, das sind humusreiche grundwassernahe Flächen, die mit wenig Niederschlag klarkämen. Die hätten mit viel Niederschlag ein Problem, weil das Wasser nicht wegfließen könne. Nun steht die Maisernte ab Mitte September bevor. Und dafür müsste es ordentlich regnen, sagt Malte Voigts.

Beate Stuth, Geschäftsführerin des 700 Hektar großen Agrar-Ökobetriebes in Grüneberg, wünscht sich hingegen noch keinen Regen, denn sie fährt die Getreideernte noch ein. Sie spricht von einer durchschnittlichen Ernte und hat keinen Raps angebaut. Bei den Winterkulturen muss sie Abstriche hinnehmen, die Sommerkulturen stünden hingegen „überraschend gut“. Doch auch Stuth macht der Preisverfall zu schaffen.

Die befragten Landwirte teilen die Einschätzung der Kreisbauernverbandschefin Scholze: „Ein durchwachsenes Erntejahr.“

Von Marion Bergsdorf

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