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Ein Bau aus DDR-Zeiten

Die Oberschule von Liebenwalde Ein Bau aus DDR-Zeiten

Rein äußerlich macht die Oberschule Werner Seelenbinder in Liebenwalde nicht viel her. Der graue Kratzputz ist schon hier und da von der Fassade gebröckelt. Doch das sind eigentlich nur Äußerlichkeiten. Zwar wurde die Oberschule vor zehn Jahren dicht gemacht, aber im Inneren des großen Komplexes ist jeden Tag jede Menge los.

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Grundschulleiterin Siegrid Pfuhl, Matthias Völker vom Verein Christiani und die stellvertende Bürgermeisterin Martina Schnur (v. l.) führten durch die Oberschule.

Quelle: Andrea Kathert

Liebenwalde. Der Schulbau an der Zehdenicker Straße 30 b mit dem typisch grauen Kratzputz und dem DDR-Charme wirkt von außen ein wenig verlassen. Doch dieser Eindruck täuscht. Im Oberschulkomplex herrscht jeden Tag Leben.

Im Jahr 2006 kam das Aus für die zehnklassige Oberschule „Werner Seelenbinder“. Im letzten Jahrgang gab es nur noch 78 Schüler. Die Liebenwalder Kinder besuchen bis zur sechsten Klasse gleich nebenan die Grundschule „Am Weinberg“. Für weiterführende Schulen fahren die meisten Schüler zu Gymnasien in Oranienburg, zum OSZ in Zehdenick oder zur Oberschule nach Löwenberg.

Der Oberschulbau in Liebenwalde hingegen ist wegen seiner besonderen Bauform unter Denkmalschutz gestellt.

Das Treppenhaus mit den Säulen aus Mosaiksteinen ist typisch für DDR-Schulbauten

Das Treppenhaus mit den Säulen aus Mosaiksteinen ist typisch für DDR-Schulbauten.

Quelle: Kathert

„Aber bis heute ist die Schule nicht geschlossen“, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Martina Schnur. Theoretisch könnte die Oberschule weitergeführt werden, wenn es denn genügend Schüler dafür gäbe.

DDR-Kunst

DDR-Kunst: dieses Wandbild im Treppenhaus

Quelle: Kathert

Damit die Gebäude nicht völlig leer stehen, „haben wir schrittweise nach Nutzungen gesucht, auch für unsere Archivierung“, so Schnur. Für die Grundschule „Am Weinberg“, erbaut im Jahr 1995, ist es ein Segen, dass die Oberschule leere Räume hat. So kann Schulleiterin Siegrid Pfuhl im Erdgeschoss Unterrichtsräume für Musik, Kunst und Religion nutzen. Im neuen Schulbau wäre dafür gar kein Platz mehr.

Die Grundschüler haben mehr Platz für Musik- und Kunstunterricht

Die Grundschüler haben mehr Platz für Musik- und Kunstunterricht. Und sie müssen nicht jedes Mal ihre Sachen komplett wegräumen, wie es in der Grundschule wegen des Platzmangels der Fall war.

Quelle: Kathert

Auch die Aula ist jeden Tag voll in Betrieb. Die Schulkinder nehmen dort ihr Mittagessen ein. „Und für den Musikunterricht können wir die Aula auch gleich nutzen“, sagt Siegrid Pfuhl. Das macht sich gut für die Gruppenarbeit. In der Aula hängen noch die Kronleuchter aus DDR-Zeiten. Bei den zahlreichen Schulveranstaltungen sind sie bestimmt immer ein Blickfang.

In der mittleren Etage nutzt die Polizei die Räumlichkeiten, um Einsätze in Originalobjekten zu üben. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Trupp vermummter Männer ins Schulgebäude läuft. „Davon bekommen wir aber gar nichts mit“, sagt Siegrid Pfuhl. Die Polizei trainiert nur innerhalb ihrer Räume im Objekt.

In der obersten Etage wiederum wird die Schule für ihre ureigensten Zwecke genutzt. Dort hat sich „Christiani“ eingemietet, ein gemeinnütziger Verein, der schwierige Kinder und Jugendliche betreut und eine Schule für Erziehungshilfe in der Oberschule betreibt. Dort werden Kinder von der siebten bis zur zehnten Klasse unterrichtet, die teilweise zwei Jahre keine Schulbank gesehen haben. „Wir haben ein ganz schwieriges Klientel“, sagt Matthias Völker von Christiani. Die 18 Schüler lernen nur in drei kleinen Gruppen und nur wenige Stunden am Tag. Ziel ist es, die Kinder wieder in die Regelschule in Löwenberg zu integrieren. „Das dauert ein bis drei Jahre“, sagt Völker. Für den Verein sind die Bedingungen in der Oberschule ideal. Es gibt sogar genug Platz für einen Psychotherapie- und einen Kunsttherapieraum. Zunächst habe man versucht, die Jugendlichen in ihrer Hofgemeinschaft Falkenhorst in Hammer zu beschulen. „Aber das hat nicht hingehauen.“ Die Schule vor der Haustür funktionierte nicht. Jetzt werden die 18 Schüler jeden Tag nach Liebenwalde gefahren. Die Unterrichtsräume hat sich der Verein selbst hergerichtet.

Matthias Völker ist froh, dass in der Oberschule räumliche Möglichkeiten bestehen, auch kleine Gruppen zu unterrichten

Matthias Völker ist froh, dass in der Oberschule räumliche Möglichkeiten bestehen, auch kleine Gruppen zu unterrichten.

Quelle: Kathert

Und auch die restlichen Gebäudeteile sind immer in Betrieb. In der ehemaligen Pausenhalle stehen Spielgeräte für den Jugendklub, der im Seitentrakt sein Räume hat.

Klein, aber fein

Klein, aber fein. Sportgruppen nutzen die Halle sehr gern.

Quelle: Kathert

Die kleine Schulturnhalle wird gern von Vereinen genutzt und kann auch privat gemietet werden. Die Stadt hat im Oberschulkomplex mittlerweile einiges saniert: die Sanitär- und Elektroanlagen, die Aula, Fußböden und Brandschutzeinrichtungen. Die Außengestaltung der Schule solle nun im Zuge des Stadt-Umland-Wettbewerbs überdacht werden, meint Martina Schnur. Da wird sicherlich auch die Denkmalschutzbehörde ein Wörtchen mit reden.

Ein DDR-Schulbau

Das Gebäude an der Zehdenicker Straße 30b in Liebenwalde wurde in den Jahren 1957 bis 1959 als zehnklassige, zwei- bis dreizügige Polytechnische Oberschule erbaut. Sie trägt den Namen Werner Seelenbinder.

Wegen seiner außergewöhnlichen Gebäudeanordnung gilt die Schule als Sonderbau und steht auf der Liste des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Als besonders erhaltenswert gelten zwei Mosaikbilder im Eingangsbereich, ein Wandbild im Treppenhaus und das Treppenhaus selbst mit seinen aus Mosaiksteinen gestalteten Säulen.

Von Andrea Kathert

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