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Oberhavel Ein Brite für Hennigsdorf
Lokales Oberhavel Ein Brite für Hennigsdorf
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02:16 15.08.2015
Jennifer Burczyk, Jugend- und Familienkoordinatorin, arbeitet mit Peter Matchett zusammen. Quelle: Foto: m. Paetzel
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Hennigsdorf

Zeitgeist, Poltergeist und Schadenfreude. Das waren die einzigen deutschen Wörter, die Peter Matchett vor seinem Trip nach Hennigsdorf kannte. Wobei, extra lernen musste er die Vokabeln ja gar nicht, gibt der Brite zu. „Wir benutzen diese Wörter im Englischen auch“, sagt der 45-Jährige und lacht. Seit Juni macht er im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms für Studenten ein Praktikum in der Hennigsdorfer Stadtverwaltung. Matchetts Deutsch reicht nach fast zehn Wochen schon für eine Alltagskonversation aus, zum Interview hat er aber vorsichtshalber ein dickes Wörterbuch mitgebracht. Auch die obligatorische Tasse Tee fehlt an diesem Morgen nicht.

Peter Matchett studiert an der Universität Portsmouth Sozialarbeit, mit dem Praktikum in Hennigsdorf will er Erfahrung sammeln. Bis zu den Ferien hat er in acht Klassen der Fontane-Grundschule beim Englisch-Unterricht assistiert, von den Kindern ist er beeindruckt. „Die sprechen besser Englisch als ich Deutsch.“ Für die Sommerferien bastelte der Brite außerdem das Programm für die „Summerschool“, eine Erlebniswoche für Kinder. Sie besuchten eine interaktive Ausstellung über Berliner Geschichte, das Schloss Sanssouci oder die Hennigsdorfer Naturbadestelle. Das Besondere: die 22 Teilnehmer von acht bis 16 sollten möglichst nur Englisch sprechen. Und so dauerte es, bis das Eis taute. „Aber nach zwei Tagen kamen die ersten Kinder auf mich zu und haben sich auf Englisch unterhalten", sagt Matchett, der in England schon im Kinderschutz und im sozialpsychiatrischen Dienst gearbeitet hat.

Um Deutsch zu lernen, besucht er Sprachkurse für Flüchtlinge, die im Nachbarschaftstreff in Stolpe-Süd stattfinden. Vom Eifer der Asylbewerber ist er beeindruckt. Unter ihnen seien Pharmazeuten, Ökonomen, Doktoren. „Sie wollen jeden Tag Deutsch lernen, damit sie nicht als Außenseiter gesehen werden“, so Matchett. Einige hat er im Heim in Stolpe-Süd besucht. Dort würden sie oft in alten Shirts und Jogginghosen herumlaufen. Um in die Stadt zu gehen, sagt Matchett, haben viele nur ein einziges elegantes Outfit. „Man denkt, sie laufen immer schick herum, aber das ist das einzig Gute, was sie im Schrank haben.“

Damit sich die Flüchtlinge besser zurechtfinden, arbeitet der Brite an einer Informationskarte. Wo ist der nächste Arzt? Wo gibt es einen billigen Supermarkt? Wo ist ein schöner Spielplatz? Solche Fragen will Matchett beantworten. Zudem hilft er gerade dabei, ein Fest zu organisieren, bei dem Flüchtlinge auf Hennigsdorfer treffen. Wenn alles klappt, könnte es im September stattfinden, sagt Peter Matchett.

Er selbst lebt während des Praktikums in einem der HWB-Hochhäuser in der Fontanestraße. Einen tollen Blick über die Stadt hat er aber nicht. Die Wohnung liegt parterre, sagt der Brite schmunzelnd. Hennigsdorf hat er aber trotzdem lieb gewonnen. Matchett mag das Wasser, das Grün, die Menschen. „Berlin ist cool, aber Hennigsdorf ist besser.“ Ende August steigt er in den Flieger nach hause. Doch ein Abschied von Hennigsdorf soll das nicht sein, sagt Peter Machett. Nächstes Jahr kommt er wieder. „Und mein Deutsch ist dann besser, jede Wette!“

Von Marco Paetzel

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