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Ein Flötist der Extraklasse

Liebenberg Ein Flötist der Extraklasse

Michael Martin Kofler, Soloflötist der Münchner Philharmoniker, begeisterte beim Open Air Konzert des 5. Liebenberger Flötenfestivals die Zuhörer im illuminierten Schlosshof. Gemeinsam mit dem jungen Vox Orchester präsentierte er Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Rossini und Saverio Mercadante.

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Michael Martin Kofler ist nicht nur selber ein begnadeter Flötist, sondern auch ein beliebter Lehrer für sein Instrument.

Liebenberg. Dunkle Wolken zogen am Sonnabend immer wieder über den Hof des Liebenberger Schlosses hinweg, wo abends mit dem Open Air Konzert der Höhepunkt des 5. Liebenberger Flötenfestivals stattfand. Doch Petrus muss angesichts der Musik ein Einsehen mit Künstlern und Besuchern gehabt haben, und verschonte das Konzertgeschehen im illuminierten Schlosshof.

Kurz vor der Pause brach sogar die Sonne aus den Wolken hervor und tauchte Schloss und Bühne in warmen, abendlichen Sonnenschein. Ein versöhnlicher Abschluss auch für die Organisatoren der gemeinnützigen DKB-Stiftung, die nach nachmittäglichen Regengüssen sämtliche Stühle hatten trocken wischen müssen. Trotzdem blieb wegen des unbeständigen Wetters der letzten Wochen manch Stuhl an diesem Abend unbesetzt.

Aber wer an diesem Abend nicht den Weg nach Liebenberg gefunden hatte, der verpasste einen Kulturgenuss allerhöchster Güte. Mit „Good Boys, Bad Boys“ (gute Jungs, schlechte Jungs) war das Flötenkonzert mit dem Vox-Orchester und dem Soloflötisten der Münchener Philharmoniker, Michael Martin Kofler, überschrieben. Es sollte eine Anspielung auf die Komponistenpersönlichkeiten sein. Ein Titel, der einerseits neugierig machte, aber auch bei manchem für falsche Erwartungen sorgte. „Ich hatte etwas anderes hinter dem Motto vermutet“, gesteht Heidelore Ullmann, Klassikfan aus Berlin. Sie habe auf Stilbrüche gewartet, auf Ausflüge in den Jazz oder in andere Musikepochen. Stattdessen erklangen Werke von Carl Philipp Emanuel Bach als vermeintlicher Bad Boy und eine Sonata von Good-Boy Gioachino Rossini. Doch Barockkomponist Carl P. E. Bach sei aus ihrer Sicht keinesfalls ein „bad Boy“, so Ullmann. „Es ist wunderschön. Musik und Atmosphäre“, begeisterte sich die Berlinerin, die das Liebenberger Schloss noch aus der Zeit vor der Restaurierung durch die DKB-Stiftung kennt.

Jan Nigges, Blockflötist und Mitbegründer des Vox Orchesters führte als Moderator charmant durch den Abend. Er klärte die Zuhörer auf, wie es zu dem gegen den Strich gebürsteten Konzerttitel gekommen sei. So sei Carl P. E. Bach, einer von sechsen Söhnen des bekannten Johann Sebastian Bach, zu seiner Zeit umstritten gewesen. Carl P. E. Bach habe mit seinen Werken polarisiert, sei oft von der Norm abgewichen. So seien seine Schlüsse abrupt, seine musikalischen Wendungen überraschend, erklärte Nigges. „Ein No-Go im Barock.“ Doch schon wenige Jahre später in der Klassik, lobte Mozart diese Normabweichungen als zukunftsweisend.

Michael Martin Kofler präsentierte Bachs Flötenkonzert in d-moll mit Virtuosität und Fingerfertigkeit. „Kofler ist ein Flötist der Extraklasse. Beeindruckend“, freute sich Rosemarie Nickel über den Ohrenschmaus. „Mich begeistert, wie er spielt. Aber auch die Moderation ist gut gemacht, weil man gute Hinweise bekommt, worauf man bei der Musik achten kann.“

Hinweise, die Eiko Yagi, diesjährige Stipendiatin der DKB-Stiftung und Teilnehmerin des Meisterkurses, nicht braucht. Sie studiert Querflöte bei Kofler am Mozarteum in Salzburg. Er sei ein netter, kein strenger Lehrer, lacht die 23-Jährige aus Tokio. An der Flöte begeistere sie der Klang. Ihr Vorbild ist – wie könnte es anders sein – Kofler.

Von Ulrike Gawande

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