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Ein Haus für Kinder und deren Eltern

Soziale Projekte Ein Haus für Kinder und deren Eltern

Die Stadt Liebenwalde hat sich wieder mal an ein außergewöhnliches Projekt gewagt. Sie ließ die Ruine wegreißen und baute ein schönes, neues Ackerbürgerhaus mit der typischen Fassadeneinteilung in die Baulücke. Gepaart mit der Idee des Vereins Christiani, das Haus für eine betreute Elternschaft zu nutzen, ist ein interessantes Projekt zustande gekommen.

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Kevin Skroch vom Verein Christiani wird das Haus in der Rudolph-Breitscheid-Straße 48 leiten.

Quelle: Fotos: Kathert

Liebenwalde. Es war nur noch eine jämmerliche Ruine, die einst in der Rudolph-Breitscheid-Straße 48 stand. Jetzt zieht das neue Haus mit der schönen Fassade, den blauen Fensterläden und dem Fachwerk in der Hofdurchfahrt die Blicke an. Die Stadt Liebenwalde hat sich daran gemacht, die Baulücke im Sanierungsgebiet auf eigene Kosten zu schließen und sich mit dem Verein Christiani im Rücken an ein besonderes Projekt zu wagen. Zum einen geht es um eine begleitete Elternschaft. In der rechten Haushälfte sollen geistig behinderte Eltern mit ihren Kindern als Familie wohnen und rund um die Uhr betreut werden, damit ihre Alltagsstrukturen gefestigt werden. „Später sollen diese Familien in ihrem eigenen Wohnraum leben“, sagt Kevin Skroch. Er ist Bereichsleiter bei Christiani und wird das Haus in Liebenwalde leiten. Für die Familien stehen drei Dreiraumwohnungen und zwei Zweiraumwohnungen sowie eine großzügige Gemeinschaftsküche zur Verfügung.

In der linken Haushälfte ziehen sechs Kinder ein, deren Eltern sich wegen geistiger und psychischer Erkrankungen gerade nicht um sie kümmern können. Es gebe immer mehr solcher Doppeldiagnosen, meint Skroch. Die Eltern wohnen dann im Stadtgebiet, um immer Kontakt zu ihren Kindern zu haben, ihnen aber trotzdem nicht täglich zu nahe zu sein. Die Eltern werden vom Verein ambulant in ihrem eigenen Wohnraum begleitet. Sie bekommen Hilfe bei ganz alltäglichen Aufgaben. Wenn sich die Kinder gefestigt haben, können sie auch Kitas und Schulen besuchen. Die Eltern werden in Werkstätten arbeiten. Langsam sollen die Familien wieder zusammenfinden. Die ersten Anmeldungen liegen bereits vor. Die Eltern, die ins Kind-Eltern-Haus einziehen wollen, kommen aus der ganzen Region und aus Berlin. „Eltern mit Behinderungen lieben ihre Kinder genauso“, sagt Kevin Skroch. Ohne solche Projekte, wie sie Christiani nun aufbauen möchte, würden die Kinder in Pflegefamilien aufwachsen. Genau das soll mit der begleiteten Elternschaft vermieden werden. Es ist die Grundidee des Christiani-Projektes. Statt getrennt voneinander zu sein, erwartet die künftigen Bewohner ein schönes, neues Zuhause, wo sie wie in einer Familie leben können, ohne dass ihnen der Alltag über den Kopf wächst. Im Eltern-Kind-Haus werden Erzieher, Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger und Ergotherapeuten arbeiten.

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Es ist ein gelungener Lückenschluss geworden. Das Haus in der Rudolph-Breitscheid-Straße 48 fügt sich sehr gut ins Liebenwalder Altstadtbild ein. Im Oktober werden die ersten Kinder und Familien einziehen.

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Wie bei den alten Ackerbauernhäusern üblich, ist über die Toreinfahrt der Hof und ein großer Garten zu erreichen. Und der war übrigens schon vor dem Neubau fertig. Bis zur „Maus“ hinunter reicht die grüne Oase. Die Kinder und Eltern können unter alten Pflaumen- und Kirschbäumen sitzen. Ein kleiner Spielplatz ist direkt vor einem Rondell zum Sitzen aufgebaut. So hübsch wie die Außenanlagen werden sicherlich auch die Wohnungen. Große, helle Zimmer, die zum Hof hinaus eine fantastischen Blick über die Stadt bieten.

In der Kinder-Wohngruppe messen die drei Kinderzimmer mehr als 20 Quadratmeter. Sie alle liegen mit Blick zum Hof und Garten.

In der rechten Haushälfte ist die Erdgeschosswohnung barrierefrei. Die Familien wohnen in abgeschlossenen Wohnungen und nutzen aber eine große Gemeinschaftsküche. Sollte das Christiani-Projekt doch nicht erfolgreich sein, „können wir die Wohnungen auch ganz normal vermieten“, sagt die stellvertretende Liebenwalder Bürgermeisterin Martina Schnur.

Noch sind die Fliesenleger, Maler und Fußbodenleger zu Gange. „Unser Kampfziel ist es, das Haus am 1. Oktober zu übergeben“, so Martina Schnur. In den gesamten Neubau und die Außenanlagen hat die Stadt dann etwa 1,2 Millionen Euro investiert.

Städtisches Projekt

Die Stadt hat für 1,2 Millionen Euro ein Ackerbürgerhaus im Sanierungsgebiet in der Rudolph-Breitscheid-Straße 48 neu aufgebaut. Grundsteinlegung war im September 2014.

Das Haus wird zunächst für zehn Jahre an den Verein Christiani vermietet. Der Verein wird ein Kind-Eltern-Haus betreiben, in dem zum einen geistig-behinderte Eltern mit ihren Kindern leben und betreut werden. Zum anderen werden Kinder einziehen, deren Eltern sich aus gesundheitlichen Gründen zeitweise nicht um sie kümmern können. Die ersten Anmeldungen liegen bereits vor.

Das Projekt finanziert sich aus der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe.

Im Oktober möchte die Stadt Liebenwalde das Haus an den Verein Christiani übergeben.

Von Andrea Kathert

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