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Oberhavel Ein Hotel und ein Bankhaus in bester Lage
Lokales Oberhavel Ein Hotel und ein Bankhaus in bester Lage
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05:05 17.03.2016
Historische Postkarte mit dem Hotel Eilers, der Nicolaikirche, dem Barockschloss und dem Kriegerdenkmal. Quelle: Bodo Becker
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Oranienburg

Gehen wir noch einmal zurück in das 19. Jahrhundert. Da ist über ein Ereignis zu berichten, dessen Folgen noch heute sichtbar sind. Am Ostersonntag, dem 23. März 1842, brach im rechten Vorderflügel des Schlosses ein Brand aus. Der im Schloss wohnende Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge (1795-1867) bemerkte das Feuer als erster. Obwohl viele freiwillige Helfer, die Oranienburger Feuerwehr sowie auswärtige Spritzen aus Friedenthal, Glashütte und Lehnitz den Brand nach längerer Zeit unter Kontrolle bringen konnten, war der Schlossflügel nicht mehr zu retten. So erhielt das Schloss seine heutige Gestalt.

Die Befreiungskriege 1813/15 gegen die napoleonische Fremdherrschaft brachten der Stadt einen Verlust von 80000 Talern, so dass sich der Magistrat 1817 gezwungen sah, das Rathaus (Luisenplatz 1) mit Ausnahme von vier Zimmern, des Rathaussaals und der Turmuhr in Erbpacht zu gegeben. Später verkaufte er das Gebäude endgültig. Die Stadtverwaltung befand sich hier jedoch noch bis 1851.

Von 1867 bis 1894 führte der Hotelier Eilers das Unternehmen, von dem das Haus seinen Namen bekam. Die wechselnden Eigentümer nahmen für den Hotel- und Gaststättenbetrieb zahlreiche Veränderungen am Gebäude vor. So entstand an der Vorderfront eine neue Terrasse für die Restaurantbesucher, die zwar dem Geschäft gut tat, jedoch das architektonische Bild verschandelte.

Mit ihrer Lage war sie eine Art Bühne mit Schlossblick und garantierte den schon damals wichtigen Grundsatz: Sehen und gesehen werden! Jene Aussicht genoss im Frühsommer 1861 ein schon oft zitierter Besucher der Stadt: Theodor Fontane. „Das ist der Schlossplatz von Oranienburg. Das Wetter klärt sich auf; die Sonne ist da. Das Haus, das uns aufnehmen soll, verbirgt sich fast hinter den Lindenbäumen, die es umstehen, und erweckt, neben manchem anderen, unseren günstigsten Vorteil auch dadurch, dass wir vernehmen, es sei Rathaus und Gasthaus zugleich. Wo Justiz und Gastlichkeit so nahe zusammen wohnen, da ist es gut sein. In alten Zeiten war das häufiger. Unsere Altvordern verstanden sich besser auf Gemütlichkeit als wir. Die Luft ist warm und weich und ladet uns ein, unsern Nachmittagskaffee im Freien zu nehmen. Da sitzen wir denn auf der Treppe des Hauses, die sich nach rechts und links hin zu einer Art Veranda erweitert, und freuen uns der Stille und balsamischen Luft, die uns umgeben. Die Kronen der Lindenbäume sind unmittelbar über uns, und sooft ein Luftzug über den Platz weht, schüttelte er aus dem dichten Blattwerk einzelne Regentropfen auf uns nieder. Zu unserer Linken, ziemlich in der Mitte des Platzes, ragt die Statue der hohen Frau auf, die dieser Stadt den Namen und, über einen aller engsten Kreis hinaus, ein Ansehen in der Geschichte unseres Landes gab. Dahinter, zwischen den Stäben eines Gittertors schimmern die Bäume des Parks hervor, unmittelbar vor uns aber, nur durch die Breite des Platzes von uns getrennt, ragt der alte Schlossbau selbst auf ...“

Noch bis über die Jahrhundertwende hinaus nutzte die Stadt den großen Sitzungssaal im Hotel Eilers, der im ersten Stock zum Schlossplatz und zur Berliner Straße hin lag. Hier traf man zum Teil so wichtige Entscheidungen für die Entwicklung der Stadt Oranienburg, wie die vom 1. April 1891. Um 16 Uhr füllte sich der Saal mit Bürgern, die einen Anschluss an ein künftiges Stromnetz anstrebten. Ein Vertreter der „Firma Siemens & Halske“ klärte die Anwesenden über den Nutzen und die Anschlusskosten auf. Es sollte eine Investition für das kommende Elektrizitätszeitalter werden.

Neben dem von Bäumen überschatteten Parktor befindet sich ein schlichtes, eingeschossiges Bürgerhaus (Luisenplatz 5) mit einem hohen Krüppelwalmdach aus der Zeit um 1770, das noch heute, äußerlich nahezu unverändert, an seinem Platz steht. Erstbezieher war der Hofgärtner Johann Heinrich Bartsch, der noch 1755 vom Prinzen August Wilhelm in sein Amt bestellt worden war. Archäologen haben im Bereich des Hauses bis zur Breiten Straße sechs übereinander liegende Fußböden aus dem 13. bis 16. Jahrhundert freigelegt, deren Häuser durch Stadtbrände zerstört wurden. Den gemauerten Türaufgang des Hauses schützten bis ins vorige Jahrhundert hinein zwei gusseiserne Prellpfähle. Sie gehörten als Röhren ursprünglich zu der von Friedrich I. angelegter Wasserleitung für die Springbrunnen im Schloss und Schlosspark.

Nach dem Tod des Hofgärtners 1801 besaß das Haus verschiedene Eigentümer. Erst 1884 erwarb es der Tuchhändler und Bankier Louis Blumenthal (1818-1901), der um 1845 mit seiner Frau Regine (gest. 1907) von Wittstock nach Oranienburg gekommen war. Über drei Generationen hinweg bestimmten die Blumenthals als ehrenamtliche Stadträte oder Stadtälteste die Geschicke Oranienburgs mit.

Louis Blumenthal gründete 1852 hier die erste Privatbank gleichen Namens am Luisenplatz 5. Sein Sohn, Martin Blumenthal (1858-1933), machte sich besonders um die Lebensmittelversorgung der Oranienburger Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges und in den Jahren der Inflation verdient. 1905 bekam das Gebäude zwei weitere Fensterachsen an der Südseite. Über der ursprünglich letzten Fensterachse baute man die zweite Fledermausgaube. Spätestens seit 1912 befand sich das Bankhaus „Louis Blumenthal“ nach einem Umzug in die Breite Straße wieder hier. Nach dem ­Konkurs des Bankhauses 1929 musste die Familie das Haus aufgeben.

Am 3. Januar 1926 wurde Werner Michael Blumenthal, ein Enkel von Martin Blumenthal, in der damaligen Berliner Straße 43 (das Gebäude existiert nicht mehr) geboren. Fünf Jahre später zog der Vater, Ewald Blumenthal (1889-1990), mit seiner Familie nach Berlin. Nach einem kurzen Aufenthalt im Konzentrationslager Buchenwald gelang es der Familie im April 1939 aus Deutschland nach Schanghai zu fliehen. In den USA fand sie eine neue, dauerhafte Heimat. Michael Blumenthal wurde Berater der US-Präsidenten Kennedy und Johnson und schließlich Finanzminister unter Präsident Jimmy Carter. Von 1997 bis 2014 war er Direktor des „Jüdischen Museums Berlin“.

Anlässlich eines Besuches von Regine Hildebrandt, der damaligen brandenburgischen Sozialministerin, erhielt das Haus 1996 den Ehrennamen „Blumenthalsches Haus“. Am 25. Juni 2000 verlieh die Stadt W. Michael Blumenthal die Ehrenbürgerschaft von Oranienburg.

Von Bodo Becker

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